Johanna Mosovsky

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Johanna Mosovsky (* 10. März 1910 in Wien) lebt 103-jährig mit ihrer Tochter Waltraud in zwei angrenzenden Zimmern im Seniorenheim Bürmoos.

Leben

Ihr Vater ging manchmal "hamstern" bei Verwandten in Ungarn. Ihre Mutter stammte aus Böhmen und ihr Vater aus Ungarn. Johanna hatte das Schneiderhandwerk erlernt in der Schneiderwerkstatt ihrer Meisterin, die sich in deren Küche befand. Nach der Gesellenprüfung arbeitete die junge Frau in einem Modesalon in der Kaiserstraße in Wien zusammen mit 40 anderen Frauen. Zu den Kundinnen zählten die Damen aus dem verbliebenen Hochadel nach dem Ersten Weltkrieg und Unternehmerfrauen. Sie erinnert sich noch gut an Baronin Obenaus und daran, dass sie von den reichen Damen kaum Trinkgeld erhalten hatte.

1930 lernte sie ihren späteren Ehemann kennen, den sie 1933 geheiratet hat. Die beiden wohnten in einer winzigen Wohnung bestehend aus Küche und einem kleinen Kabinett, und wie damals üblich, mit Klo und Wasser am Gang. Das ersparte Geld wurde an Samstagen gezählt und als einziges Vergnügen gab es sonntags eine Fahrt mit der Tram hinaus in den Lainzer Tiergarten, die Schmalzbrote wurden von zu Hause mitgenommen. Obwohl ihr Mann Schuster war, fand er in den Jahren 1935 bis 1938 keine Arbeit. In dieser Zeit gab es nur mehr Polenta zu essen. Mit dem Anschluss an Hitler-Deutschland fand auch er wieder Arbeit, als Reisezugschaffner bei der Bahn. Dort wurde er gebraucht und musste erst 1944 einrücken. Doch er hatte kein Glück. Erst kurz vor der Kapitulation im Mai 1945 erhielt er den Marschbefehl nach Prag. Dort waren bereits die Russen, die ihn festnahmen. Sie verschleppten ihn nach Odessa ans Schwarze Meer, wo er an Erschöpfung und Ruhr starb.

In den 1990er-Jahren erhielt Johanna Mosovsky von der Republik Österreich eine Auszeichnung und eine geringe Geldvergütung, weil sie als Trümmerfrau maßgeblich am Wiederaufbau beteiligt war.

Als ihre Tochter Waltraud von Wien nach Bürmoos zur Leitung des Seniorenheims der Freien Christengemeinde gerufen wurde, um dessen Leitung zu übernehmen, nahm sie ihre Mutter mit. Nach der Schließung des Heimes übersiedelten alle Bewohner in das neu gebaute Heim der Gemeinde Bürmoos.

Quelle