Lepra

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Lepra – im deutschen Sprachraum auch unter der Bezeichnung Aussatz bekannt - ist eine durch Bakterien ausgelöste chronisch verlaufende Infektionskrankheit, die von Mensch zu Mensch übertragen wird. Sie tritt vor allem in tropischen Ländern auf.

Entstehung und Krankheitsverlauf

Ausgelöst wird Lepra durch das Mycobakterium leprae, das von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Es befällt bei Ansteckung Haut, Schleimhaut und Nervenzellen. Die Dauer der Inkubationszeit ist unbekannt. Für die Übertragung ist ein enger Langzeitkontakt mit an Lepra Erkrankten erforderlich, wobei die Lebensumstände eine wesentliche Rolle spielen. Schlechte Ernährung, verschmutztes Wasser und beengte Wohnverhältnisse, sowie eine geschwächte Immunabwehr sind entscheidende Risikofaktoren.

Erste Anzeichen sind Taubheitsgefühle in den Fingern und / oder an den Füßen, sowie sich taub anfühlende – je nach Hauttyp - dunkler oder heller wirkende Flecken auf der Haut. Für den weiteren Verlauf ist die Stärke des Immunsystems der Erkrankten entscheidend. Sind die Abwehrkräfte schwach, entwickelt sich die sog. leperomatöse Lepra. Es treten starke Schwellungen vor allem im Gesicht auf, das Haar fällt aus, die inneren Organe erkranken, die Nervenzellen werden befallen und es entsteht Gefühllosigkeit.

Durch die Schädigung der Nervenzellen mit nachfolgendem Verlust der Gefühlsempfindung kommt es bei Nicht-Behandlung der Grunderkrankung im Extremfall zu schweren Verletzungen oder Verbrennungen, die nicht als schmerzhaft empfunden werden. Wird in der Folge keine ärztliche Hilfe in Anspruch genommen, stellen diese offenen Wunden einen guten Nährboden für zahlreiche andere Krankheitserreger dar, die sich bis in die Knochen ausbreiten können. Nicht die Grunderkrankung führt schließlich zum Verlust von Extremitäten, sondern unbehandelte Verletzungen.

Bei rechtzeitiger Behandlung kann Lepra hingegen vollständig geheilt werden. Es kommt eine Kombinatiosntherapie aus drei verschiedenen Antibiotika zur Anwendung. Die Einnahme dieser Medikamente ist über einen Zeitraum von sechs Monaten bis zu einem Jahr erforderlich, um eine vollständige Abtötung der Erreger zu erreichen. Sonst drohende Lähmungen können durch eine begleitende Bewegungstherapie verhindert werden.

Erster Lepra-Nachweis für das frühmittelalterliche Österreich

Eine Diagnose dieser Erkrankung mittels Untersuchung von Skelettresten ist nicht einfach, da auch andere Erkrankungen ähnliche Auswirkungen auf Knochen des menschlichen Skelettes haben können. Paläopathologen ist nun trotzdem zum ersten Mal der wissenschaftliche Nachweis gelungen, dass auch die österreichische Bevölkerung des frühen Mittelalters von Lepra betroffen war. An Hand von Skelettresten einer jungen Frau aus dem frühmittelalterlichen Gräberfeld im niederösterreichischen Pottenbrunn, die ungewöhnliche Deformationen aufweisen, konnte nach genauen Untersuchungen die entsprechende Diagnose gestellt werden. Zur Absicherung wurde auch eine molekularbiologische Analyse erstellt. Dabei konnte in zwei Knochenextrakten das Mycobacterium leprae-DNA eindeutig nachgewiesen und typisiert werden.

Interessant ist, dass aufgrund der Fundumstände angenommen werden kann, dass die erkrankte Frau sozial nicht isoliert wurde. Die Untersuchung weiterer 18 Verdachtsfälle hat kein positives Ergebnis gebracht, d. h., dass die junge Frau die einzige Leprakranke in ihrer sozialen Gruppe war.

Offen ist, ob die Rassel, die als Grabbeigabe vorgefunden wurde, vergleichbar mit den sogenannten Lepraratschen, mit denen Leprose andere Menschen vor ihrem Auftreten gewarnt haben, mit der Erkrankung in Verbindung steht.

Länder mit Leprakranken

Wie aus den oben genannten Risikofaktoren ableitbar ist, grassiert Lepra in Entwicklungs- und Schwellenländern unter Menschen, die dort in Armut und unter schlechten hygienischen Verhältnissen leben. Hier sind Indien, Brasilien, Indonesien, Bangladesh und Nigeria an vorderster Stelle zu nennen.

Salzburgbezug

Geschichtlich gesehen trat Lepra mehrere jahrhundertelang bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts auch in Europa und damit auch in Salzburg auf. Aus dieser Zeit stammt der Begriff Leprose oder Leprosenhaus (z. B. Leprosenhaus in Salzburg). Auch Kapellen erhielten den Namen Leprosenkapelle wie beispielsweise die Leprosenkapelle zum Hl. Martin im Halleiner Stadtteil Kaltenhausen.

Aufgrund der geschilderten Ansteckungsbedingungen, ist die Gefahr für Menschen aus dem Bundesland Salzburg, sich in der Gegenwart – etwa im Zuge einer Reise - mit Lepra anzustecken, gleich null.

Engagierte Salzburgerinnen wie Claudia Vilanek unterstützen Lepraprojekte wie Little Flower, u.a. auch durch den Vertrieb von Schals aus Little Flower. Auch Nora Reiter hat schon als Jugendliche in diesem Lepraprojekt im Nordosten Indiens gearbeitet und sich später zum Studium an der Paracelsus Medizinische Privatuniversität entschieden, das sie leider nicht mehr abschließen konnte.

Quellen

  • www.reisemed.at
  • Wikipedia, Stichwort Lepra
  • Maria Teschler-Nicola und Christian Gausterer, Erster Nachweis von Lepra im frühmittelalterlichen Österreich, Universum Magazin, 6. Juni 2014, S. 106