Little Flower

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Mag.a Claudia Vilanek mit einem Rückblick auf das Jahr 2022, 11:47 min. Video
in Little Flower
in Little Flower
in Little Flower

[[Datei:Little Flower Bruder Christdas.jpg|thumb|Bruder Christdas (†), Gründer von Little Flower.

in Little Flower
in Little Flower
in Little Flower
in Little Flower

[[Datei:Little Flower Schals.jpg|thumb|Schals aus Little Flower erhält man für eine Spende bei Mag.a Claudia Vilanek]]

Schals aus Little Flower
Schals aus Little Flower
in Little Flower
in Little Flower
in Little Flower

Little Flower ist ein Projekt im Norden Indiens, das für die Leprakranken in Nordbihar, der ärmsten Gegend von ganz Indien, einzige Anlaufstelle für medizinische Betreuung, Arbeitsbeschaffung, Bildung und Zufluchtstätte ist. Im Dorf Sunderpur werden Lepraerkrankte ambulant und stationär betreut, da diese Krankheit in Indien nach wie vor auftritt und die Erkrankten zu Ausgestoßenen der indischen Gesellschaft macht.

In der Stadt Salzburg unterstützt Mag.a Claudia Vilanek seit ihrer Jugend dieses Projekt durch zahlreiche Spendenaktionen.

Geschichte

Der Gründer von Little Flower war Bruder Christdas (†), ein indisches katholischer Priester, der im von Mutter Theresa 1963 gegründeten Orden „Missionare der Nächstenliebe“ (Missionaries of Charity) in Kalkutta, Indien, tätig war. Bis 1981 gab es mehr oder weniger nur eine einzige große Lepra-Station für Kranke in Indien, Titagarh, die von Mutter Theresa in Kalkutta eingerichtet worden war. Bruder Christdas wusste, dass es im nördlichen indischen Bundesstaat Bihar (104 Millionen Einwohnern, Stand 2011) nahe der Grenze zu Nepal, besonders viele Lepra-Kranke gibt. Gleichzeitig zählt dieser Bundesstaat zu den ärmsten und auch korruptesten Bundesstaaten Indiens.

Namensgebung des Projekts

Bruder Christdas beschloss 1981, sich nach Bihar zu begeben, um in dem kleinen Ort Sunderpur ein Projekt zu gründen, das den Lepra-Erkrankten helfen sollte. Little Flower sollte das Projekt heißen. Wie eine „kleine Blume“ (Little Flower) sollte es in Sunderpur zunächst Wurzeln schlagen, dann aber durch ihren Samen sich vermehren. Will heißen: Aus einer Anlaufstelle für Lepra-Kranke sollten sich viele Hilfsaktionen und -orte später entwickeln (was bis 2011 auch schon zum Teil passiert war).

1983 war die damals gerade 18-Jährige gebürtige Tirolerin, die mittlerweile in der Stadt Salzburg lebt, Mag.a Claudia Vilanek, gerade in Indien und half in den Einrichtungen von Mutter Theresa mit. Bei ihrem einzigen Besuch in Titagarh lernte sie Bruder Christdas kennen. In frühmorgendlichen philosophischen Diskussionen mit ihm, die aufgrund der Hitze bereits um fünf Uhr Früh am Anfang des Arbeitstages stattfanden, erlebte sie ihre ersten Visionen und Träume sowie die Aufbruchstimmung in all dem ärmlichen Leben in Lehmhütten. Das Projekt fasziniert sie in seinem Ansatz der ganzheitlichen Heilung, die nicht nur durch medizinische Maßnahmen erreichbar wird, sondern einen umfassenden Integrations- und Bildungsprozess der Menschen verlangt.

Bruder Christdas begann den Aufbau der ersten Lehmhütten und erster medizinischer Versorgung mit Hilfe der kanadischen Lepra-Hilfsorganisation Jules and Paul-Émile Léger Foundation, die ebenfalls 1981 von Paul-Émile Kardinal Léger (* 1904; † 1991), einem römisch-katholischer Kardinal und von 1950 bis 1967 Erzbischof von Montreal, gegründet worden war. Die Léger Foundation unterstützt bis heute das Projekt neben Claudia Vilanek als Hauptspender.

„Lepra gilt als schmutzige Krankheit, umso sauberer müssen wir uns zeigen“, Bruder Christdas

Durch die Spenden konnte Bruder Christdas zusammen mit Angehörigen der Kranken die ersten Lehmhütten durch Hütten aus Ziegeln ersetzen. Der Boden blieb im Eigentum des Vereins Little Flower, doch das (kleine) Haus aus Ziegeln darauf gehörte der jeweiligen Familien. Ebenso ist es mit den kleinen Feldern und der einen oder zwei Kühe, die sich die Familien mittlerweile halten, um sich besser versorgen oder sich etwas nebenbei verdienen zu können.

Immer sieht man Menschen kehren und Straßen säubern. Bruder Christdas hat seit 1981 über eintausend Bäume gepflanzt, die nun bereits Schatten spenden. Little Flower zeigt sich den indischen, hygienischen Umständen als sauberes Dorf.

Leben im Dorf

Eine Glocke ruft die arbeitsfähigen Bewohner täglich zu den jahreszeitlich angepassten Arbeitszeiten in die Spinnerei, Weberei oder den landwirtschaftlichen Betrieb. Rund 170 Personen, überwiegend Frauen, arbeiten in der Spinnerei im Hof und in Weberei im Gebäude an Webstühlen, deren „klack, klack“ der Webschiffchen weithin im Land zu hören sind. Mittlerweile besuchen mehr als 300 Kinder die Schule im Dorf. Einige Kinder aus der Umgebung leben sogar in einem Internat in Little Flower. 2011 lebten rund eintausend Personen (Kranke und Angehörige) im Dorf.

Produkte der Bewohner von Little Flower

Neben der Seidenproduktion und vielen anderen Arbeitsbeschaffungsprogrammen sowie 50 000 Leprapatienten, die bis 2011 in Behandlung (ein Großteil stationär über drei bis fünf Jahre) sind bzw. geheilt wurden, liegt ein Schwerpunkt des Projekts auf Ausbildungen für die nächste Generation und Integration in die Gesellschaft. Das größte Projekt zur Arbeitsbeschaffung ist neben einem landwirtschaftlichen Betrieb das Spinnen und Weben von Seide.

Ein Projekt ist die Erzeugung von Schalen in vielen Farben und Schnitten. Ein Designer aus Neu Delhi begleitet das Projekt und unterstützt in der Qualitätskontrolle und in der ständigen Verbesserung der Ware und des Designs. Die Organisation Mesh in Neu Delhi hilft bei der Gesamtabwicklung und beim Versand. In Salzburg kann man bei Mag.a Claudia Vilanek Schals in zahlreichen Farben gegen eine Spende (ab € 25.-- je Schal) bekommen. Auch veranstaltet Vilanek Schalparties an, um weitere Unterstützer für Little Flower zu finden.

Unternehmer Bruder Christdas

Der bereits über 60-Jährige Bruder Christdas war im Herzen Unternehmer. Das beeindruckte Claudia Vilanek besonders. Er hatte über Jahre alle alle Einkünfte aus dem landwirtschaftlichen Betrieb von Little Flower auf einem Konto, anfangs noch für europäische Verhältnisse ausgezeichnet verzinst, zur Seite gelegt. Sein Plan war und ist es, nur mit den Zinsen des Kapitals die Gehälter aller etwa 400 Beschäftigten in Little Flower dauerhaft gesichert bezahlen zu können, um so spendenunabhängiger zu werden. Die Tatsache, dass aber in Indien der Zinssatz um 2010 auch auf die Hälfte gefallen war, verzögerte diese Möglichkeit um einige Jahre. Das Kapital selbst sollte dann nur in Notfällen im Dorf verwendet werden. Bruder Christdas hatte mit dem Tod von Kardinal Léger nicht nur einen Freund und Gönner der ersten Stunde Little Flowers verloren (es war das erste Projekt der Léger Foundation überhaupt), sondern sah in einem Personalwechsel in der Organisation in den letzten Jahren auch andere Strategien der Organisation. Diese hatte bereits ihre Unterstützung auf die Hälfte reduziert.

Bruder Christdas wohnte nach wie vor unter denselben Verhältnissen wie alle anderen Bewohner von Little Flower, in einem etwa drei mal drei Meter großem Raum, in dem sein Bett stand sowie einem etwa gleichgroßen Raum, der als sein Büro fungierte, ausgestattet mit einem Schreibtisch und einem Regal.

Trotz dieser Sorgen von Bruder Christdas und Little Flower war er immer fröhlichen Herzens und strahlte einen nicht umzubringenden Humor eines Lebenskünstlers aus, der diesen Projektleiters auszeichnet. Und wenn Claudia Vilanek das Dorf besuchte, kam ihr Fröhlichkeit und Buntheit entgegen. Die Buntheit der Initiative, die Fröhlichkeit von Menschen, die ihr Leben wieder in die Hand genommen haben, auch wenn ihre Hände manchmal nur noch Stumpen sind.

Am Mittwoch, den 27. August 2011, erreichte Claudia Vilanek die traurige Nachricht, dass Bruder Christdas fünf Monate vor dem 30. Geburtstag von „Little Flower“, verstorben war. Nahezu 30 Jahre, nachdem er sich entschieden hatte, in diesem gottverlassenen Landstrich mit den leprakranken Menschen zu leben und mit ihnen ein Modell der Zuversicht zu entwerfen, hatte er am 27. Juli in den frühen Morgenstunden verabschiedet. Er war mit Herz- und Atembeschwerden ins Duncon Hospital eingeliefert worden, wenige Tage später kam ein Nierenversagen dazu, und am 27. Juli um 04:30 tat er mit 75 Jahren seinen letzten Atemzug.

Im Dezember 2010 hatte sich Claudia Vilanek das letzte Mal von ihm verabschiedet, durchaus im Bewusstsein, einen alten und müden Mann zurück zu lassen, trotzdem, immer noch voll Humor und Energie, wenn sie in intensiven Diskussionen über Little Flower Stunden und Tage verbrachten, sie sein Ende und sein Erbe diskutiert hatten.

Stipendien

Seit 2017 werden vom „Verein Little Flower“ Stipendien vergeben, wobei es mehr Bewerber dafür gibt als Geld vorhanden ist.

24 Schüler werden bei ihren letzten zwei Jahren hin zur Matura unterstützt, wobei der Verein auch alle anfallenden Schulkosten übernimmt. Vier Studenten, die 2017 Stipendien erhalten hatten, hatten 2018 erfolgreich abgeschlossen und begannen nun den Weg in eine berufliche Karriere. 2018 konnten 19 Stipendien für neun junge Frauen und zehn junge Männer vergeben werden sowie 24 Schüler im Ten plus Two. Einige studieren Hotel Management, viele machen eine Krankenpflegeausbildung, einige besuchen eine College für Management oder Computer Science.

In Indien gibt es eine Zentralmatura wie in Österreich. Kinder aus der Gegend rund um Little Flower sind hier sehr benachteiligt, da der Schulstandard im nördlichen Bihar sehr niedrig ist. Hier ist der Verein dankbar für die gute Zusammenarbeit mit Neeraj Kumar in Patna, der nun ein Hostel und eine entsprechende Versorgung für die ersten Kinder organisiert hat. Der Verein übernahm 2018 die Kosten dieses Hostels für ein Jahr und motivierte die 16-Jährigen, in die Hauptstadt zu kommen, um dort unter besserer Betreuung diese letzten zwei Schuljahre zu absolvieren.

Hier unterstützten auch Lalita und Sandeep, ehemalige Dorfbewohner von Little Flower, die einerseits als MTA, andererseits als Ausbildner für eine anerkannte Krankenpflegeschule in Patna tätig sind und mit ihren Familien leben. Je nach College variieren die Stipendien der Studenten zwischen € 1.000,00 und € 1.500,00 für ein Jahr, das beinhaltet alle Kurs- und Prüfungsgebühren sowie Hostel-Kosten.

Spendendaten

Von 1983 bis 2008

Seit 1983 konnte Claudia Vilanek insgesamt eine Summe von rund 720.000 Euro an Little Flower überweisen.

Unterstützung 2009

Rund € 81.700.-- an Spendengelder konnte Claudia Vilanek 2009 in Österreich sammeln. Die Kosten für den Betrieb von Little Flower betrugen im Monat rund € 15.000.--, wobei die Hälfte von einer kanadischen Hilfsorganisation kam. So betrachtet konnte Mag. Vilanek mit ihren Spendengeldern das Dorf fast ein Jahr finanzieren. Die interessanteste Hilfsaktion dieses Jahres startete das Sportgymnasium Stams in Tirol. Eine Marathon-Veranstaltung brachte € 6.000.-- an Spendengeldern.

Unterstützung 2010

2010 waren es 65.000 Euro an Spendengelder aus Österreich.

Unterstützung 2013

Das Ergebnis der Spendentätigkeit 2013 lag bei Euro 189.000 und war damit das weit höchste, das je in einem Jahr in Österreich gesammelt wurde.

Im wesentlichen haben sich Mag.a Vilanek und ihre Mitstreiter vier Projekten gewidmet:

- der Aktion "140 Krankenhausbetten für Little Flower" im Gesamtwert von 40.000€
- dem Bauprojekt Panapane in Zusammenarbeit mit der Kunstuni Linz/Architektur
- dem Werben um Patenschaften für die Kinder in Little Flower
- der Schalproduktion in der Weberei, und den Schals, die in Österreich als Träger der Botschaft Little Flowers viel Freude bereiten; in der Weberei arbeiteten rund 60 Arbeiter;

Die Krankenhausbetten konnten zur Gänze finanziert werden, das Bauprojekt war gut im Gange und Bauleiter Franz Landl aus Linz steuerte bis Mitte März 2014 dort die Geschicke, die bis zum Sommer nach Meinung der österreichischen Unterstützer, einen erfolgreichen Abschluss fanden. Die Patenschaften für die Kinder in Little Flower konnten auf in Summe 73 zu je 30 € aufgestockt werden. Die Schalproduktion konnte wesentlich ausgebaut, an Menge nahezu verdoppelt, die Schalgalerie fand mehr und mehr Interessenten und die Schals sind Spender von Freude und Genuss.

Das war das Jahr 2022

Es war ein ereignisreiches Jahr 2022, das Little Flower erlebt hat. Mit bis Mitte Dezember 114.000,00€ Spendengelder, konnten weiteren acht jungen Menschen der Eintritt ins Studium ermöglicht werden. Nun waren es bereits 37 Personen seit 2017, die sich erfolgreich und stolz ins Berufsleben verabschiedet haben, 33 Jugendliche waren mitten in der Ausbildung. Es gab 30 Volksschulkinder, denen die Grundschulausbildung finanziert werden konnte.

Darüber hinaus startete im Herbst ein Frauenprojekt, das jungen Frauen den Einstieg in die Berufstätigkeit ermöglicht. Die Frauengruppe hält Workshops in den Dörfern ab, um für Hygiene- und Gesundheitsthemen zu sensibilisieren.

Daneben finanziere der Verein Little Flower die medizinische Versorgung in den 21 Leprakolonien, individuelle Unterstützung bei Operationen oder der Installation von Wasserpumpen, bei Renovierungsarbeiten u. a. Außerdem wurde ein Stück Land gekauft, auf dem ein Kuhstall entsteht. Auch damit sollen Einnahmequellen geschaffen werden. Das Ziel ist es, im Frühjahr 2023 fünf Milchkühe zu erwerben und die notwendige Infrastruktur – für eine erste Anschubfinanzierung werden 7.000 Euro benötigt.

Lepra

Mehr zur Krankheit kann man im Wikipedia[1]] nachlesen. Darüber hinaus informiert der Salzburgwiki-Artikel Lepra nicht nur über die Krankheit im geschichtlichen Rückblick im Land Salzburg, sondern gibt einen kurzen Einblick in diese nicht leicht zu bekommende und durchaus heilbare Krankheit. Bruder Christdas meinte zur Krankheit selbst: „Wenn du Lepra unbedingt haben willst, ich muss dich enttäuschen, sie ist sehr schwer zu bekommen.“

Spendenkonto

Name: Verein Little Flower
Bank: Bawag P.S.K
IBAN: AT80 14 000 56310 748 736
BIC: BAWAATWW

Videolink

  • im Facebook gibt es ein 28minütiges, sehr eindrucksvolles und berührendes Video in englischer Sprache über Little Flower

Bilder

 Little Flower – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Weblinks

Quellen

Einzelnachweise