Michaelskapelle Piesendorf

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Blick auf die Wandmalereien an der Rückwand der Kapelle
Rechts der hl. Michael (mit Schwert)
MichaelskapellePiesendorf2.JPG

Die Michaelskapelle in Piesendorf ist ein Anbau an der Südseite der Pfarrkirche Piesendorf und damit Teil der heutigen Kirche. Sie ist mit bemerkenswerten spätgotischen Wandmalereien ausgestattet, die bei der von 1989 bis 1995 durchgeführten Restaurierung der Pfarrkirche entdeckt wurden.

Dachkonstruktion und Grundriss

Das Dachwerk zeigte sich im ursprünglichen Zustand des Spätmittelalters. Die Dachkonstruktion ist aus Fichtenholz errichtet worden. Die gebeilte Oberfläche ist deutlich sichtbar, d. h. das Holz wurde nicht gesägt, sondern mit dem Beil zugerichtet. Die Hölzer des Dachstuhls der Michaelskapelle besitzen kaum Waldkanten, die für die zeitliche Zuordnung erforderlich sind. An zwei Proben konnten aber die Fälldaten 1434 und 1436 festgestellt werden. Das korreliert auch mit einem Datum in der Malerei, dem zwar die Einerstelle fehlt, das aber mit 143(.) zeitlich nicht weit von den festgestellten Fälldaten liegen kann.

Der Grundriss der Kapelle war als Rechteck geplant. Durch Ungenauigkeiten entspricht er tatsächlich einem Parallelogramm.

Die spätgotische Malerei

Die langjährige Vermutung, dass in dieser Kapelle umfangreiche Wandmalereien vorhanden seien, hat sich bei der Restaurierung der Kapelle bestätigt. Der Zustand vor der Restaurierung wies vielfache Übermalungen auf. Durch diese und die damit jeweils verbundenen Abspachtelungen wurden Teile der ursprünglichen Malerei beschädigt. Bei dieser handelt es sich um eine so genannte Kalksecco-Malerei, die sehr qualitätsvoll ausgeführt wurde. Die verwendete Technik war zum Zeitpunkt der Herstellung sehr gebräuchlich. Die Pigmente entstammen natürlichen und gebrannten Erden. Es wurde eine Vielzahl von Schablonen verwendet. Man vermutet aus mehreren Gründen einen Künstler, der auf Wandmalerei spezialisiert war. Die Wandmalerei in der Michaelskapelle wies unter den verwendeten Schablonen eine auf, die auch in der Filialkirche in Schwarzenbach bei Uttendorf im Pinzgau und in zwei bayrischen Kirchen Verwendung gefunden hatte. Die Wandmalerei stellt in Haupt- und Nebenszenen Christus und Heilige wie den namensgebenden hl. Michael, die Hl. Barbara, Johannes den Täufer, Maria Magdalena/Elisabeth, Stephanus/Laurentius, Maria mit dem Kind, u.a. dar. Die Schablonen wurden zur Dekoration von Umrahmungen, von Kleidung und des Hintergrundes eingesetzt.

Die Christophorusdarstellung

Der während der Restaurierung entdeckte monumentale Christophorus – seine Darstellung weist eine Größe von insgesamt 6 x 2,5 Metern auf – befand sich bereits vor dem Bau der Kapelle auf der südlichen Außenwand der Kirche. Das erhaltene Fragment befindet sich an der Nordwand der Kapelle.

Bildergalerie

Quellen