Alpine Klüfte

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Alpine Klüfte sind meist sogenannte Zerrklüfte, die durch Dehnung des festen Gesteins entstanden sind und vor allem wegen der darin vorkommenden Kluftminerale Bekanntheit erlangt haben.

Entstehung

Zerrklüfte in den Hohen Tauern und damit auch im Gebiet des Nationalparks Hohe Tauern sind in der Spätphase der alpidischen Gebirgsbildung und Metamorphose, als die Alpen durch Ausgleichsbewegungen herausgehoben wurden, durch tektonische Zerrung (Dehnung) entstanden.

Beschreibung

Zerrklüfte verlaufen praktisch senkrecht zur Schieferung des Gesteins. Sie sind von wenigen Zentimetern bis zu einigen Metern in die Tiefe verfolgbar und maximal zwei Meter breit. Vorwiegend sind es die breiten Zerrklüfte, die eigentlich als Spalten zu bezeichnen sind, die einen Hohlraum bergen, in dem sich alpine Kluftminerale ohne gegenseitige Behinderung in wunderbaren Kristallformen ausbilden konnten. In den meisten Fällen erscheinen alpine Klüfte aber vollkommen auskristallisiert, ohne einen Resthohlraum aufzuweisen.

Art und Größe der Klüfte ist vom Gestein abhängig, genauso wie die darin vorkommenden Mineralien vom Nebengestein abhängig sind.

Die Entstehung alpiner Kluftminerale

Aus heutiger wissenschaftlicher Sicht wurden die Klüfte nach ihrer Entstehung mit heißen, wässrigen Salzlösungen gefüllt. Durch Freisetzung und Aufheizung dieser Lösungen wurden aus dem jeweiligen Nebengestein noch andere Elemente heraus gelöst. Druck- und Temperaturabnahme führten schließlich zur Auskristallisierung der alpinen Kluftminerale. Dieser Prozess erfolgte bei Temperaturen zwischen 600 und 100 Grad Celsius und bei einem Druck von bis zu rund sechs Kilobar. Untersuchungen lassen darauf schließen, dass sich die Kluftmineralbildung im westlichen Tauernfenster über einen Zeitraum von 15 bis 20 Mill. Jahren erstreckt hat.

Alpine Kluftminerale

In allen alpinen Klüften treten unabhängig vom Nebengestein die Minerale Adular, Albit, Calcit, Chlorit und Quarz (in Form von Bergkristall) auf. Rund 80 % der Kluftminerale bestehen aus Quarz und Feldspäten wie Adular und Albit und Karbonate wie Calcit. Sie sind bei Temperaturen zwischen 600 und 400 Grad Celsius entstanden.

In Klüften des Zentralgneises finden sich als zusätzliche charakteristische Minerale Apatit, Fluorit, Hämatit, Monazit, Muskowit, TiO2-Minerale, Titanit und Zeolithe. In Klüften im Bereich von tonalitischem Gestein und in Amphiboliten treten die Minerale Aktinolith, Epidot, Phrenit, Scheelit, Titanit und Zeolithe auf. In Schiefergneisen und Glimmerschiefern finden sich Beryliumminerale, Biotit, Monazit, Scheelit und TiO2-Minerale. In Kalksilikaten und ultramafischen Gesteinen ist mit Epidot, Diopsid und Granat zu rechnen. Karbonatgesteine bringen neben Calcit und Quarz vorwiegend Dolomit und Eisenkarbonate hervor.

Beryll tritt in einigen alpinen Klüften als Mineral, das als erstes aus einer Lösung auskristallisiert, auf, da es bei hohen Temperaturen gebildet wird.

Andere Kluftformen

Neben Zerrklüften existieren auch Kluftrisse und Kluftspalten. Im Unterschied zu ersteren – hier haben sich die beiden Gesteinskörper auseinander bewegt – entstanden Kluftrisse und Kluftspalten auch durch laterale (seitliche) Gegeneinanderverschiebung.

Quellen

  • Karl Krainer, Die Geologie der Hohen Tauern, Hrsg. Nationalparkfonds der Länder Kärnten, Salzburg und Tirol, Universitätsverlag Carinthia, 1994