Anonyme Geburt

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Seit 2001 besteht auch in Österreich eine gesetzliche Regelung, die die sog. Anonyme Geburt ermöglicht. Sie erlaubt schwangeren Frauen ein öffentliches Krankenhaus aufzusuchen, um dort ohne Angabe und Hinterlassung persönlicher Daten - also anonym - zu gebären und das Kind zur Vermittlung an Pflege-, bzw. an Adoptiveltern im Krankenhaus zurück zu lassen.

Vorgeschichte

Schon vor dieser gesetzlichen Regelung wurden an österreichischen Krankenhäusern ab dem Jahr 2000 - in Salzburg erstmals im Jahr 2001 - sog. Babyklappen eingerichtet, die es Frauen ermöglichen sollten, ihr Kind, das sie aus persönlichen Gründen nicht behalten konnten oder wollten, anonym, unbeobachtet und ohne später strafrechtlich wegen Kindesweglegung verfolgt zu werden, zur Vermittlung an andere Eltern abzugeben. Hintergrund waren die sog. Kindstötungen – „Tötung eines Kindes bei der Geburt“ (§ 79 Strafgesetzbuch) - die der Gesetzgeber vermeiden, bzw. deren Anzahl man begreiflicherweise womöglich verringern wollte.

Das Phänomen der Kindstötung bei oder nach der Geburt ist aus allen Zeiten und Kulturen bekannt. Gebärende, die sich in einer psychischen, sozialen, bzw. wirtschaftlichen Zwangslage befinden, ihre Schwangerschaft aus unterschiedlichen Gründen oft lange Zeit vor sich selbst verleugnen oder ihrem Umfeld verheimlichen und gelegentlich auch durch eine Frühgeburt überrascht werden, können in eine psychische Einengung geraten, aus der sie nur einen Ausweg sehen: die Tötung des Neugeborenen.

Was Babyklappen und Anonyme Geburt bewirken konnten

Die Babyklappe hat sich mittlerweile österreichweit bewährt, was die 19 Kindesablagen seit ihrer Einrichtung im Jahr 2000 belegen (Stand August 2016). Im LKH Salzburg wurde die im Jahr 2001 eingerichtete Babyklappe hingegen erst im Jahr 2007 zum ersten Mal genutzt. Im gleichen Zeitraum brachten mehr als ein Dutzend Frauen im selben Krankenhaus ihr Baby anonym zur Welt. Auch in anderen Krankenhäusern im Bundesland Salzburg – wie beispielsweise in Zell am See - fanden bereits anonyme Geburten statt. Insgesamt wurden bis August 2016 17 anonyme Geburten verzeichnet.

Positive und negative Folgen der Anonymen Geburt

Entgegen der Überzeugung der deutschen Gerichtspsychiaterin Dr. Sigrun Roßmanith, dass potentielle Täterinnen die anonyme Geburt aus Mangel an sozialer Kompetenz selten in Betracht ziehen, sind seit der Einführung der Anonymen Geburt im Jahr 2001 die Tötungen Neugeborener um die Hälfte zurück gegangen, d. h., dass diese gesetzliche Möglichkeit statistisch gesehen in der Hälfte der Fälle ein geeignetes Mittel zur Vermeidung von Panikreaktionen, die zur Tötung Neugeborener führen können, ist. Andererseits nimmt die anonyme Geburt den davon betroffenen Menschen von vorneherein jede Möglichkeit zur Information über ihre Herkunft und zwar ohne jedes Recht auf Mitsprache und Mitbestimmung.

Kinder, die mittels anonymer Geburt zur Welt gebracht wurden, sind gegenwärtig - im Jahr 2016 – in Österreich maximal 15 Jahre alt und leben in der Regel bei Adoptiveltern. Selbst wenn sie über die Tatsache der Adoption informiert sind, kommt der Tag, an dem sie über ihre Herkunft und damit über ihre leiblichen Eltern Bescheid wissen wollen. Wie aus Ländern wie Frankreich bekannt ist, in denen die Möglichkeit zur Anonymen Geburt schon sehr viel länger besteht, suchen anonym Geborene oft jahrelang verzweifelt nach einem Anhaltspunkt, der sie zu ihrer ursprünglichen Familie führen könnte.

Quellen

  • Salzburger Nachrichten vom 11. April 2012, Lokalteil, S. 4, „Totes Baby in Kasten entdeckt“, sowie vom 25. August 2012, S. 11, Anja Kröll, "Totes Baby in Donau gefunden"
  • Berufsbedingtes Wissen
  • Salzburger Nachrichten, S.11, 26. August 2016