Camp Hellbrunn

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Camp Hellbrunn war ein Flüchtlingslager in der Stadt Salzburg im heutigen Stadtteil Nonntal. Es bestand von 1945 bis zum Beginn der 1960er-Jahre.

Geschichte

Das Camp Hellbrunn wurde unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs in der Hellbrunner Kaserne an der Hellbrunner Straße und den anliegenden Baracken errichtet und von der UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration - eine UNO-Organisation) verwaltet. Beim Einmarsch der amerikanischen Truppen befanden sich dort noch 1 000 Mann der ungarischen Armee, die in Salzburg zu Pionierarbeiten eingesetzt waren. Diese wurden durch Flüchtlinge aus Osteuropa ersetzt. Das Camp ging am 5. Juni 1945 in Betrieb. Während der Sommermonate waren 4 000 Menschen hier untergebracht. Die im Sommer beginnenden Rücktransporte senkten die Belegzahlen bis zum Herbst auf etwa 2 000 Personen.

1946 waren 1 100 Polen und 700 Ukrainer im Lager. Es war eines de Zentren des polnischen Lebens in Österreich. Die Repatriierung wurde in diesem Jahr immer mehr ein Streitpunkt. In den Wintermonaten 1945/46 kamen die Rücktransporte nach Osteuropa zum Stillstand. Persönliche Gründe, die politische Entwicklung und die sich entwickelnde antikommunistische Gesinnung waren meist ausschlaggebend für die Weigerung. 1947 wurden einige Insassen ins Lager Asten verlegt. Dort schrieben sie sogar einen Protestbrief an Präsident Truman, dessen Folge war ihre Rückkehr ins Camp Hellbrunn.

1947 übernahm die IRO (International Refugee Organization - ebenfalls eine UNO-Organisation) die Lagerverwaltung. Schwierig war die finanzielle Frage. Die IRO versuchte durch Verhandlungen mit Österreich die Kosten zu teilen, während die Republik versuchte, ihre Kosten niedrig zu halten. Lager, die in österreichischer Verwaltung standen hatten einen Kostenaufwand von ca. 50 Schilling während der in den IRO-Lagern ca. 110 Schilling betrug. Zurückzuführen war das hauptsächlich auf die unterschiedlichen Betreuungsstandards, die angelegt wurden.

Ab 1952 stand das Lager unter österreichischer Verwaltung. Alle Flüchtlingslager in Salzburg wurden nun von der Landesregierung verwaltet. Bis zum Beginn der 1960er-Jahre löste sich das Lager auf, die Insassen emigrierten oder konnten in Wohnungen übersiedeln. Die Baracken verschwanden nun aus dem Stadtbild.

Lagerverhältnisse

Die Wohnverhältnisse waren sehr trist. 1947 wurden nach dem Höchststand von 4 000 Personen die Plätze auf 2 000 beschränkt. Durch die ursprüngliche Verwendung als Kaserne war es schwierig, so etwas wie eine Privatsphäre zu haben. Die Flüchtlinge halfen sich mit einer Unterteilung mit Wellblech und Holzfaserplatten. So entstanden bis zu 15 Wohneinheiten pro Baracke. Als Notunterkünfte dienten auch Baracken ohne Strom.

Ein Teil der Flüchtlinge arbeitete in lagereigenen Werkstätten, deren Produkte nicht nur dem Eigenbedarf dienten, sondern auch verkauft wurden. Daneben entwickelte sich auch ein kulturelles Leben. Medizinische Betreuung war durch das Rote Kreuz und der UNRRA (Flüchtlingshilfe der Vereinten Nationen) gewährleistet. Später gab es ein Spital, eine Ambulanz und ein Laboratorium. Die Ausspeisung erfolgte in drei Kantinen. Verschiedene Einrichtungen, wie z. B. der Kindergarten, wurden von privaten Hilfsorganisationen erhalten. Auch kulturelle Veranstaltungen gehörten zum Lagerleben.

Quelle

  • Gabriele Huber, Regina Thumser: Das Flüchtlingslager "Camp Hellbrunn" - Fremdsprachige Flüchtlinge im Salzburg der Nachkriegszeit in: Salzburg: städtische Lebenswelt(en) seit 1945, herausgegeben von Hanns Haas,Robert Hoffmann,Robert Kriechbaumer, Böhlau, Wien, 2000; S.75-101