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Zweiter Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg hinterließ auch in Salzburg seine Spuren. In Stadt und Land Salzburg waren 7 000 Menschen durch den Krieg umgekommen, rechnet man die Zahl der Vermissten hinzu, waren es fast 10 000. Insgesamt starben im Zweiten Weltkrieg 27 Millionen Soldaten und 25 Millionen Zivilpersonen, drei Millionen Menschen blieben für immer vermisst.

Inhaltsverzeichnis

Viel Jubel beim Einmarsch Hitlers

1938

Dass der Einmarsch deutscher Truppen in Salzburg am 12. März 1938 mit besonderem Jubel begrüßt wurde, hatte mehrere Gründe. Einerseits war schon am Ende des 19. Jahrhunderts der Liberalismus von einem entschiedenen Deutschnationalismus abgelöst worden, was im Ergebnis der Anschluss-Volksabstimmung von 1921 deutlich zum Ausdruck kam. Andererseits hatte die Arbeitsbeschaffungspolitik des NS-Regimes in dem Grenzland Salzburg, das zeitweise 32% Arbeitslose zählte, große Hoffnungen geweckt. Hitler selbst hielt sich häufig in unmittelbarer Nachbarschaft, auf dem "Berghof" am Obersalzberg oberhalb von Berchtesgaden, auf. Die Volksabstimmung am 10. April 1938 brachte in Salzburg 157 595 Prostimmen, nur 463 Personen waren gegen den "Anschluss" an Deutschland. Im April fand dann die Salzburger Bücherverbrennung, im Dezember die Thalgauer Bücherverbrennung.

Jüdische Geschäfte verwüstet

Anfangs schienen sich die großen Hoffnungen der Salzburger Bevölkerung auch zu erfüllen. Autobahnbau (Westautobahn, Tauernautobahn bis Anif/Grödig), Rüstungsindustrie (Grill-Werke in Hallein) und Kraftwerksbau (Tauernkraftwerke Kaprun) sorgten für Vollbeschäftigung. Aber bald zeigten sich auch die negativen Auswirkungen: in der so genannten Reichskristallnacht vom 10. zum 11. November 1938 wurden jüdische Geschäfte verwüstet und die Einrichtung der Synagoge zerstört. Kriegsgefangene, die zum Bau von Straßen und Brücken eingesetzt wurden, starben zu Tausenden.

Besonders hart traf es die Russen im Kriegsgefangenenlager "Markt Pongau", wie St. Johann im Pongau in der Zeit des NS-Regimes hieß. Für die Zigeuner gab es in Salzburg - Riedenburg (Rosittengründe) ein Lager (Zigeunerlager Maxglan), in dem viele ihr Leben ließen. Insgesamt 13 000 oppositionell gesinnte Personen wurden zwischen 1938 und 1945 verhaftet, darunter prominente Politiker wie der langjährige Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl. 1942 wurden acht Eisenbahner, die der Widerstandsbewegung angehörten, hingerichtet.

Blutzeugen des Glaubens

siehe auch Stolpersteine

Unterlagen des Konsistorialarchivs der Erzdiözese Salzburg kann man entnehmen, dass allein im Anschlussjahr 1938 in Salzburg 35 Personen verhaftet wurden. Während der Zeit des Nationalsozialismus insgesamt waren es 116. Viele von ihnen überlebten und konnten Zeitzeugnisse über jene sechs Salzburger Priester geben, die in Konzentrationslager umkamen.

Neben Felix Gredler, Coelestin Förtsch, Romuald Neunhäuserer und Sebastian Haselsberger waren vor allem die Schicksale von Heinrich Summereder und Johann Schroffner ein Kreuzweg der menschlichen Barbarbei im KZ Buchenwald[1]

Anton Brugger, ein gebürtiger Kapruner, war Reformadventist und wurde wie Franz Jägerstätter wegen Kriegsdienstverweigerung aus religiösen Gründen hingerichtet.

Deserteure und andere Opfer

Es kam zur NS-Zwangsarbeit in der Landwirtschaft im Pinzgau. Ein SS-Todesschwadron jagte Deserteure am Böndlsee, ein trauriges Kapitel Goldegger Geschichte, das sich am 2. Juli 1944 ereignete.

Abstürze amerikanischer Bomber im Pinzgau 1944

Hauptartikel: Abstürze amerikanischer Bomber im Pinzgau 1944

Am 16. November 1944 stürzten bei Lofer und Saalfelden zwei amerikanische Bomber ab. Der eine Absturz ereignete sich bereits beim Anflug auf Ziele im Raum München, da die Maschine Motorenprobleme bekommen hatte. Der andere war auf einen Abschuss während des Rückfluges nach Bari (Italien) durch ein Fliegerabwehrgeschütz zurückzuführen.

US-Bomben zerstörten Dom

Übersicht der Bombenangriffe auf die Stadt Salzburg
Hauptartikel: Bomben auf Salzburg

Bei den 15 Bombenangriffen auf die Stadt Salzburg der Amerikaner, die im Oktober 1944 einsetzten, fielen in der Stadt Salzburg der Dom und 46 % der Wohnobjekte zum Opfer. Die gänzliche Zerstörung konnte dadurch verhindert werden, dass der gemäßigte Gauleiter, Dr. Gustav Adolf Scheel, und der Kampfkommandant, Oberst Hans Lepperdinger, die kampflose Übergabe der Stadt an amerikanische Truppen durchsetzten.

Nach dem Kriegsende erhielt Salzburg, das in der amerikanischen Besatzungszone und damit im "goldenen Westen" lag, bald wieder politische und wirtschaftliche Bedeutung. Hier fanden die "Länderkonferenzen" des Jahres 1945 statt, auf denen die westlichen Bundesländer von Salzburg aus ihren Beitritt zur Regierung Renner und damit zur Zweiten Republik vollzogen.

Zu einem Problem wurden dann nach Ende des Krieges Blindgänger. Es kam immer wieder zu Explosionen und Unfällen bei Entschärfungen.

Das Ende

Am 3. Mai 1945 gibt es erste geheime Parteiengespräche: im Café Posthof in der Kaigasse in der Altstadt von Salzburg beraten sozialistische Vertrauensleute über erste mögliche Maßnahmen nach dem Ende der NS-Herrschaft; in der Villa des Primararztes Josef Wegleitner kommen die Christlich-Sozialen Adolf Schemel und Martin Huber sowie der Sozialist Anton Neumayr zu einem ersten Gespräch zusammen.

Gauleiter Gustav Adolf Scheel hatte sich an diesem Tag bereits hinten den Pass Lueg in die Gemeinde Goldegg zurückgezogen, ebenso wie die SS vom Obersalzberg. Diese Truppen wollten unbedingt noch weiterkämpfen, obwohl die amerikanische Panzerspitze bereits über Piding hinaus in Richtung Salzburg vorgestoßen war. 200 Bomber standen bereit, um Salzburg aus der Luft anzugreifen und in Schutt und Asche zu legen.

4. Mai: Oberst Hans Lepperdinger überreicht an der Saalach bei Freilassing den Amerikanern das Friedensangebot einer kampflosen Übernahme der Stadt - Einmarsch der US-Truppen in Salzburg.

Kampfkommandant Oberst Hans Lepperdinger verweigert in den frühen Morgenstunden die Annahme des Befehls von General Max von Bork zur Verteidigung der Stadt. Er gibt um 6 Uhr über Rundfunk seine Entscheidung bekannt, die Stadt den US-Truppen kampflos übergeben zu wollen. Schon um 6:30 Uhr gelingt es Parlamentären, mit den US-Truppen an der Saalachbrücke Salzburg-Freilassing nach Freilassing Kontakt aufzunehmen und die kampflose Übergabe der Stadt anzubieten.

Ein amerikanischer Offizier kommt in die Stadt, um die Richtigkeit des Übergabeangebots zu prüfen. Kurz danach fährt Oberst Lepperdinger mit einigen Offizieren Richtung Saalach-Eisenbahnbrücke, wo um 09:30 Uhr die konkreten Übergabeverhandlungen stattfinden. Um 11:30 Uhr überquert der erste amerikanische Panzer die Staatsbrücke und amerikanische Truppen der 3. Infanterie-Division und der 106. Kavallerie-Gruppe mit Panzern und Kraftwagen aller Art ziehen in die Stadt.

Um 13:30 Uhr spricht Brigadegeneral Robert N. Young mit Oberst Hans Lepperdinger im Hotel Österreichischer Hof. Ab 13:45 Uhr wird durch Lautsprecher ein Ausgehverbot ab 18 Uhr und für den nächsten Tag eine Ausgeherlaubnis von 11 bis 13 Uhr angeordnet. Alle Geschäfte und Gaststätten bleiben geschlossen. Die Amerikaner beschlagnahmen für ihre Zwecke sofort Häuser und Wohnungen, die von den Bewohnern innerhalb weniger Stunden geräumt werden müssen. Es gibt Klagen der Bevölkerung über die gewaltsame Abnahme von Uhren und Wertgegenständen durch amerikanische Soldaten und andere Übergriffe.

Alle früheren Kriegsgefangenen werden freigelassen. Unzählige Flüchtlinge befinden sich in Salzburg. Soldaten der Wehrmacht werden in Kasernen und Lagern interniert. Den US-Soldaten sind persönliche Kontakte zur Zivilbevölkerung verboten (Fraternisierungsverbot).

Nach dem Zweiten Weltkrieg

5. Mai: Richard Hildmann wird von den US-amerikanischen Besatzern wieder als Bürgermeister der Stadt Salzburg eingesetzt

10. Mai: das Gut Taxham in der Stadt Salzburg wird von freigelassenen Russen, Polen und Serben geplündert; auch andere landwirtschaftliche Betriebe klagen über Plünderungen, vor allem im Norden der Stadt und der Umgebung, durch frühere, jetzt schwer bewaffnete Insassen des Lagers Plain, die Polizei ist ohne eigene Bewaffnung machtlos;

11. Mai: Gründung der SPÖ Salzburg: bei der ersten Konferenz der sozialistischen Vertrauenspersonen im Chiemseehof mit fünfzig Anwesenden konstituiert sich eine provisorische Landesparteivertretung, zu dessen Vorsitzenden Franz Peyerl gewählt wird, zum Landesparteisekretär Franz Rauscher bestellt;

12. Mai: überträgt die US-Militärregierung die Zivilgewalt im gesamten Stadtgebiet von Salzburg an Bürgermeister Richard Hildmann, behält aber das volle Kontroll- und Weisungsrecht; am Abend verkünden Lautsprecher die Ausdehnung der Ausgeherlaubnis auf die Zeit von 6 bis 20 Uhr;

23. Mai: Adolf Schemel übernimmt als Landeshauptmann die Führung der Landesregierung, die von ÖVP, SPÖ und KPÖ gebildet wird.

Am 8. Juli wird in Tirol mit der Verlegung der 42. US-Infanterie-Division (auch Rainbow-Division genannt) nach Salzburg begonnen; die Regenbogen-Division unter ihrem Kommandanten Generalmajor Harry J. Collins soll hier die bisherigen Kampftruppen ablösen; das Land Salzburg gehört nun – nach der Einigung der vier Siegermächte in London – definitiv zur amerikanischen Besatzungszone;

Die Salzburger Festspiele, die auch von den Nationalsozialisten sehr geschätzt worden waren, brachten bald wieder internationales Publikum in die Landeshauptstadt.

Auch der von den Amerikanern ins Leben gerufenen Marshall Plan führte zu Neubauten und Firmengründungen in Salzburg.

1955

Am 15. Juli wurde mit einer Abschiedsparade im Camp Roeder und der Auflösung der Kommandostäbe die Besatzungszeit offiziell beendet. Generalleutnant William Howard Arnold erklärt, die Mission der USFA, die Unabhängigkeit Österreichs zu sichern, sei erfüllt. Empfänge im Hotel „Österreichischer Hof“ und im Offiziersklub im Camp Roeder ergänzen die Feierlichkeiten.

Weblinks

Quellen

Fußnoten

  1. Salzburger Woche Blutzeugen des Glaubens am 28. Februar 2008