Günther Reiffenstuhl

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Univ.-Prof. Dr. med. Günther Reiffenstuhl (* 30. November 1921 in Baden, Niederösterreich; † 21. Mai 2017) war ein angesehener Gynäkologe und langjähriger Primararzt der gynäkologischen Abteilung des Landeskrankenhauses Salzburg.

Leben

Reiffenstuhl entstammte einer angesehenen Arztfamilie. Er absolvierte in Baden Volksschule und Gymnasium. Danach wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Nach Ausbildung zum Marineoffizier steuerte er das größte Kampf-U-Boot der deutschen Kriegsmarine bis Südostasien und geriet in Singapur in britische Kriegsgefangenschaft. Nach Kriegsende kehrte er 1945 gesund und wohlbehalten in seine Heimatstadt Baden zurück.

Er absolvierte an der medizinischen Fakultät der Universität Wien ein Medizinstudium in bloß acht Semestern und anschließend unter den berühmten Professoren Amreich und Antoine die Facharztausbildung für Gynäkologie und Geburtshilfe. Im Jahr 1969 habilitierte er sich in diesem Fach und wurde ordentlicher Universitätsprofessor an der Grazer Universitäts-Frauenklinik. Im selben Jahr wurde er als Direktor an die Universitäts-Frauenklinik in Münster in Westfalen berufen. Hier wirkte er aus familiären Gründen nur zwei Jahre lang. 1972 übernahm er das Primariat der Geburtshilflich-gynäkologischen Abteilung des Landeskrankenhauses Salzburg; bis zu seiner Pensionierung leitete er die größte gynäkologische Abteilung Österreichs. In dieser Zeit wurden z. B. die bahnbrechenden Schwangerenuntersuchungen mittels Ultraschalls an seiner Klinik eingeführt.

Reiffenstuhl war Verfasser zahlreicher medizinischer Bücher und Fachbeiträge. Seine bekanntesten Werke sind das Buch „Die vaginalen Operationen. Chirurgische Anatomie und Operationslehre“, das in zehn Sprachen übersetzt wurde, und seine zahlreichen Veröffentlichungen zum weiblichen Lymphsystem.

Den Vater einer Tochter und dreier Söhne zeichneten besonders sein Humor, seine geschliffene Rhetorik und sein enormes Allgemeinwissen aus. Seine herzliche, besonnene und ruhige Art machten ihn in seinem privaten Umfeld wie auch in Fachgremien und bei Kongressen im In- und Ausland zu einem gern gesehenen Gast.

In den 1980er-Jahren stand Reiffenstuhl im Zentrum einer Kontroverse um den Umgang mit Patientinnen an der gynäkologischen Abteilung des Landeskrankenhauses Salzburg. Zahlreiche Patientinnen beklagten frauenverachtende Äußerungen und abwertende Behandlung seitens des Primars. Zudem hätten Gebärmutter-Operationen stark zugenommen und lehnte es der Primar lange Zeit ab, Ärztinnen zur Fachausbildung für Gynäkologie in der Klinik zuzulassen. In der Folge bildete sich die "Initiativgruppe Gynäkologie", die Unterschriften gegen die Zustände an der Gynäkologie sammelte. Die Folge war die Einleitung eines Disziplinarverfahrens vor einer (rein männlich besetzte) Disziplinarkommission, welches mit einem Freispruch für Reiffenstuhl endete. Kurz darauf wurde Günther Reiffenstuhl allerdings in den Ruhestand versetzt und die Landesfrauenklinik umstrukturiert.[1]

Günther Reiffenstuhl starb im 96. Lebensjahr. Seine letzte Ruhestätte fand er in Baden in der Familiengruft am Friedhof St. Helena.

Quelle

Einzelnachweis

  1. Stranzinger, Dagmar: Der Aufbruch der Frauen. In: Dachs, Herbert; Hanisch, Ernst: Die Ära Haslauer. Salzburg in den 70er und 80er Jahren. Wien: Böhlau Verlag (2001), S. 449f.
Zeitfolge
Vorgänger

Hanns Tasch

Primar für Gynäkologie und Geburtshilfe am LKH Salzburg
1972−198x
Nachfolger

Alfons Staudach