Joseph Greis

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das Gebäude in Steyr, ., in dem Joseph Greis zwischen 1827 bis 1835 den ersten Textdruck des Liedes „Stille Nacht!“ hergestellt hatte.
Titelseite des Buches, in dem sich der erst Textdruck des Liedes „Stille Nacht!“ befindet, den Joseph Greis zwischen 1827 bis 1835 hergestellt hatte.
Die Seiten des ersten Textdruckes des Liedes „Stille Nacht!“, die Joseph Greis zwischen 1827 bis 1835 hergestellt hatte.
Teil zwei der Strophen

Joseph Greis (* 1773; † Juli 1835 in Steyr, .) war Drucker und Buchhändler im oberösterreichischen Steyr. Von ihm stammt der erste Textdruck des Liedes „Stille Nacht!“, der in Wien aufgetaucht war und als Entstehungszeit mit 1827 bis 1835 identifiziert wurde.

Leben

Joseph Greis war im Haus Steyr, Grünmarkt 7, das schon lange eine Buchdruckerei beherbergte, als Setzer bei Franz Joseph Medter beschäftigt. Er erwarb das Haus 1804 und eröffnete im September 1827 im knapp 200 m entfernten Haus Stadtplatz 23 die erste Buchhandlung in Steyr, nun waren Drucke bei ihm auch „zu haben“. Im Heiratsvertrag vom Jänner 1827 wurde bestimmt, dass das Haus Grünmarkt 7 im Fall seines Todes an seinen Sohn Joseph jun. übergehen sollte. Joseph sen. starb 1835 im 62. Lebensjahr. Sein Sohn veräußerte das „Haus samt Gerechtigkeit“ 1837 an Michael Haas.

„Vier schöne neue Weihnachtslieder“

Im Juni 2016 tauchte in einem Wiener Antiquariat eine bisher nicht bekannte Flugschrift „Vier schöne neue Weihnachtslieder“ auf, auf dem Titelblatt ist auch „Das Vierte: Stille Nacht, heilige Nacht, alles schläft, etc“ angekündigt. Das Lied findet sich auf den (nicht nummerierten) Seiten 7 und 8 der Schrift im Format 10,5 cm breit und 17 cm hoch.

Das Titelblatt enthält auch die Herkunft: „Steyr, gedruckt und zu haben bei Joseph Greis.“, eine Jahreszahl scheint nicht auf. Die Flugschrift dürfte – 200 Jahre, nachdem Joseph Mohr 1816 das Gedicht in Mariapfarr schrieb, - der früheste bekannte Textdruck des Liedes sein, ein zweites Exemplar konnte der Verfasser dieser Information MMag. Michael Neureiter im Oberösterreichischen Volksliedwerk finden.

Gedruckt in Steyr Haus Grünmarkt 7

In diesem Haus in Steyr wurde der Text von „Stille Nacht!“ erstmals gedruckt.

Wenn „Vier schöne neue Weihnachts-Lieder“ mit „gedruckt und zu haben bei Joseph Greis.“ bezeichnet sind, verweist das auf den nun auch als Buchhändler tätigen Buchdrucker. Es ist also anzunehmen, dass diese nicht datierte Flugschrift nicht vor 1827, dem Jahr der Eröffnung der Buchhandlung, und nicht nach 1835, dem Todesjahr von Joseph Greis sen., entstanden ist. Möglicherweise stammt sie auch erst aus den zwei Jahren, in denen Joseph jun. Besitzer war, also zwischen 1835 und 1837?

Ein Text mit auffälligen Besonderheiten

Der Text von „Stille Nacht“ in der Greis-Flugschrift weist alle sechs Strophen auf, in der gleichen Reihenfolge wie das Mohr-Autograph und die vier Gruber-Autographe, von denen eines nur fünf Strophen aufweist. Anders die wohl älteste Liedfassung mit Noten, die 1832 bis 1834 von August Robert Friese in Dresden aufgelegt wurde: Sie enthält drei Strophen in der Reihenfolge 1,6, 2, die auch im Stammteil des „Gotteslob 2013“ aufscheint, während im Österreich-Teil sechs Strophen in der Reihung eins bis sechs enthalten sind, dazu jeweils drei Strophen in vier weiteren Sprachen.

„im lockichten Haar“

Auf der ersten Seite fällt in den ersten drei Strophen einiges auf: In der ersten Zeile der ersten Strophe erinnert „Stille Nacht, heilge Nacht,…“ an das um 1820 entstandene Mohr-Autograph. Kommt „heilge“ dort nur einmal für alle sechs Strophen vor – unter der Überschrift „Weynachts-Lied“ – so sind es hier bei den anderen fünf Strophen und auf der Titelseite sechs Mal „heilige“. Die vier Autographen Grubers haben drei Mal „heilige“ und einmal „heil’ge“ im Text.

In der ersten Strophe ist auch „holder Knabe im lockichten Haar“ erstmalig und einmalig: Während alle Autographe durchwegs „im lockigten Haar“ verwenden, heißt es in der ältesten Notenfassung von Friese bereits „im lockigen Haar“! Mohrs Autograph lautet „Knab‘“, Grubers Autographe wechseln zwischen „Knab“, „Knab‘“ und „Knabe“, bei Friese heißt es wie bei Greis „Knabe“.

„… aller Welt Schwung versprach.“

Wenn man den Text in der Greis-Flugschrift genauer anschaut, denkt man unwillkürlich an den Setzer in der Buchdruckerei am Steyrer Grünmarkt, der wohl eine handschriftliche und vielleicht schlecht lesbare Fassung vor sich hatte? In der 5. Strophe wird „lange schon uns bedacht“ zu „lange schon ausgedacht“. Und gleich darunter lesen wir nicht „aller Welt Schonung verhieß.“, sondern „aller Welt Schwung versprach.“!

In der 6. Strophe liegt eine weitere Abänderung vor, ein Lesefehler beim Setzen oder wohl eher ein Manuskript mit leicht anderem Text: „tönt es laut bey ferne und nah“ (in allen Autographen gleich!) wird zu „tönt es ferne, so wie auch nah“.

Die Flugschrift „Vier schöne neue Weihnachtslieder“ mit dem Herkunftshinweis „Steyr, gedruckt und zu haben bei Joseph Greis.“ ist sehr wahrscheinlich der früheste bekannte Textdruck des Lieds. Einige der angeführten Hinweise nähren diese Annahme.

Neben diesem Exemplar gibt es mindestens ein zweites beim Oberösterreichischen Volksliedwerk.

Quelle