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Mostbirnbaum

Mostbirnen
Mostbirnbaum mit Heustadel
Blühender Mostbirnbaum Hummersdorf
Birnbaumallee

„Alte Mostbirnbäume sind im Landschaftsbild rar geworden. Jeder der verbliebenen alten Bäume erzählt eine Geschichte. Mancher dieser Riesen ist weit über 100 Jahre alt und wurde vielleicht schon kurz nach der Bauernbefreiung 1848 gepflanzt.“ (Richard Hubmann)

Inhaltsverzeichnis

Standort

Mostbirnbäume stehen nicht nur im Flachland sondern wurden auch auf den Streuobstwiesen in den Gebirgsgauen angepflanzt. Auch wenn der Most im Salzburger Land nicht so populär war und ist wie in Oberösterreich, Niederösterreich oder in der Steiermark, dienten Mostbirnbäume vor der Kultivierung guter und ertragreicher Apfelsorten für manchen Bauern und Kleinhäusler zur Deckung des Jahresbedarfes an alkoholischen Getränken.

Zugehörigkeit

Die Mostbirnbäume zählen zur Familie der Rosengewächse, die an die dreitausend Arten umfasst, die hauptsächlich auf der nördlichen Halbkugel verbreitet sind. Zu den vier Unterfamilien der Rosengewächse zählt auch die Unterfamilie Kernobstgewächse. Dazu gehören Apfel, Birne, Quitte und Mispel.

Abkunft

Aus systematischer Sicht bilden die Mostbirnen der Ostalpen die Brücke zwischen den bodenständigen Wildbirnen und vielen Edelbirnen.

Die Kulturbirne kann in vier Gruppen unterteilt werden: die Primitivrassen, die Extensivrassen, die Extensiv-Intensiv-Rassen (Mittelintensive Rassen) und die Intensivrassen, zu diesen zählen die Edel- und Tafelbirnen. Die Mostbirnen sind teils reine Abkömmlinge der Holzbirnen, teils reine Abkömmlinge der Schneebirnen, teils reine Salbeibirnen und auch Hybriden zwischen den Genannten.

Klassifizierung und Sorten

Nach Löschnig-Kroneder werden die Mostbirnen nach inneren und äußeren Merkmalen der Frucht in Bratbirnen, Länglerbirnen, Landlbirnen, Scheibelbirnen, Kleinfrüchtige Holzbirnen, Schönbirnen (Rotbirnen) und Rotfleischige Mostbirnen eingeteilt. Jeder dieser Klassen gehören unterschiedliche Sorten an. Der Sortenreichtum spricht für sich.

Es gibt die Betzelsbirne, die Champagner Bratbirne, die Crnivka, die Gelbe Wasserbirne, die Hartberger Mostbirne, die Hirschbirne, die Rastlerbirne, die Schneiderbirne, die Steirische Scheibelbirne, die Tepka, die Welsche Bratbirne, die Winterhonigbirne, die Amstettner Mostbirne, die Gensbirne, die Feldbirne, die Herbstlängler, die Honnelbirne, die Kalchbirne, die Knausbirne, die Konstanzer Längler, die Lange Wasserbirne, die Machländer Mostbirne, die Rorregger Mostbirne, die Rote Pichelbirne, die Späte Rotbirne, die Steinbirne, die Wittenberger Glockenbirne, die Bergbirne, die Eckerbirne, die Grabenbirne, die Große Landlbirne, die Kleine Landlbirne, die Weiße Hanglbirne, die Amlisberger Mostbirne, die Baldschmiedler, die Bierbaumer Mostbirne, die Euratsfelder Mostbirne, die Gelbe Holzbirne, die Gelbe Scheibelbirne, die Grünmostler, die Hitzendorfer Mostbirne, die Kapellen-Mostbirne, die Pomeranzenbirne vom Zabergäu, die Rosenhofbirne, die Rote Scheibelbirne, die Ruhschiebler, die Rummelterbirne, die Schöberlbirne, die Weiße Kochbirne, die Wolfsbirne, die Gelbe Leutsbirne, die Gelbmostler, die Graue Holzbirne, die Große Leutsbirne, die Große Mostputzer, die Grubbirne, die Grüne Pichelbirne, die Grüne Wiedenbirne, die Grüne Winawitz, die Karchenbirne, die Lehoferbirne, die Luxemburger Mostbirne, die Sauerbirne, die Schlachersche Holzbirne, Schleichers Mostbirne, die Schmotzbirne, die Speckbirne, die Träublesbirne, die Unterlaibacher Mostbirne, die Weiße Pelzbirne, die Zieregger Mostbirne, die Dorschbirne, die Gassenbirne, die Gelbe Landlbirne, die Gemeine Kochbirne, die Goldwörther Lederbirne, die Graue Pelzbirne, die Kleine Füchselbirne, die Kleine Leutsbirne, die Kolmasbirne, die Metzer Bratbirne, die Normännische Ciderbirne, die Roggenhoferbirne, die Sülibirne, die Theilersbirne, die Ungerbirne, die Weilersche Mostbirne, die Weiße Fuchsbirne, der Wildling von Einsiedel, die Grazbirne, die Knollbirne, die Linzer Mostbirne, die Palmischbirne, die Pöckelbirne, die Rote Carisi, die Rote Hanglbirne, die Rote Holzbirne, die Rote Kochbirne, die Rote Lederbirne, die Rote Winawitz, die Schweizer Wasserbirne, die Sievenicher Mostbirne, die Sirningers Mostbirne, die Steyregger Mostbirne, die Tollbirne, Trockener Martin, die Blutbirne und die Rotfleischige Mostbirne.

Pflanzung

Mostbirnbäume sind gemeinsam mit anderen Obstbäumen meist Teil von Streuobstwiesen. Man findet sie aber auch Alleen bildend, wie z. B. die Pfarrhof-Birnenallee in Thalgau. Mostbirnbaumreihen säumten auch Straßen und Wege und fanden sich auch im Einzelstand in Hausnähe.

Verwertung

Aus Mostbirnen werden Süßmost, Most, Schnaps oder „Kletzen“ erzeugt. Dass der Most seit einigen Jahren in einzelnen Fremdenverkehrsregionen in Mostheurigen angeboten wird, ändert nichts an der Tatsache, dass der Most als für alle erschwingliches alkoholisches Volksgetränk Vergangenheit ist.

Der Birnenschnaps war von jeher ein Nebenprodukt, wegen mangelhafter Sorgfalt bei der Erzeugung oft minderwertig und konnte dann nur zum „Einreiben“ verwendet werden.

„Kletzen“ sind gedörrte Birnen. Auch sie waren einmal fester Bestandteil unserer Ernährung. Das Dörren erfolgte einst in Backöfen, wo man die Restwärme nach dem Brotbacken zum Dörren nutzen konnte. Später verwendete man mit Strom betriebene Dörrapparate. Kletzen werden als Dörrobst gegessen und sind namengebender Bestandteil des Kletzenbrotes. Das Kletzenbrot ist ein „Gebildbrot“, das früher nur zu bestimmten Anlässen gebacken wurde und heute vor allem vor Weihnachten erzeugt wird.

Kulturlandschaft

Mostbirnbäume mit ihrem landschaftsprägenden charakteristischen Erscheinungsbild, mit ihrer Blütenpracht im Frühjahr und mit ihren Früchten und deren Nutzungsmöglichkeiten sind ein bäuerliches Kulturgut. Das zunehmende Verschwinden der Mostbirnbäume, die ihre ökonomische Bedeutung verloren haben und oft nur mehr als Verkehrshindernis betrachtet werden, ist ein schmerzlicher Verlust für unsere Kulturlandschaft und damit für uns Menschen.

Quellen

  • Josef Löschnig, „Die Mostbirnen“, Hrsg. Mit Unterstützung des Ackerbauministeriums von der Österreichischen Obstbau- und Pomologen-Gesellschaft. Druck und Verlag von Friedrich Sperl in Wien III/4., 1918
  • Lotte Gutmann, Gerhard Politschnig, „Die Birn“, Eine oststeirische Spurensuche, Hrsg. ARGE Region Kultur, Horn, 1995