Streuobstwiese

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Streuobstwiese mit blühenden Obstbäumen und mit Weidetieren beim Gut Endfelden in Piesendorf
Steuobstwiese mit reichlich fruchttragendem Apfelbaum in Kaprun
Streuobstwiese mit herbstlich verfärbtem Kirschbaum und mit Weidetieren auf 1.000 Meter Seehöhe beim Bauerngut Brandstätt in Taxenbach
Monokultur moderner Obstbau. Hier eine Plantage in der Südost-Steiermark

Streuobstwiesen sind meist hofnahe Grünflächen, auf denen unterschiedlich alte Bäume mit unterschiedlichen Obstsorten wachsen.

Beschreibung und Nutzung

Es ist eine traditionelle, extensive Form des Obstbaues mit hochstämmigen Bäumen, meist im näheren Umfeld der Bauernhöfe und Weiler. Es finden sich dort robuste und widerstandsfähige Bäume mit unterschiedlichen Sorten von Äpfeln, Birnen, Mostbirnen wie die Grüne Pichelbirne und die Schmotzbirne, Zwetschgen und je nach Gunstlage auch Kirschen und Nüssen. Das dort geerntete Obst dient als Tafelobst, sowie als Basis für Most, Säfte und Brände.

Die Fläche selbst wird mehrfach genutzt. Neben der Obstgewinnung diente sie früher der Blattstreugewinnung, als Mähwiese oder als Viehweide für Rinder, Schafe und früher auch für Schweine. Die Bäume auf Streuobstwiesen wirken landschaftsprägend und haben auf Hängen auch eine Haltefunktion. Die Obstbäume auf Streuobstwiesen sind oft mit mehreren Sorten (auf ein und demselben Baum) veredelt. Die regional und örtlich unterschiedliche Sortenvielfalt mit ihrer Anpassung an Standort und Klima stellt auch ein großes genetisches Potential dar. Zwecks Bestäubung ist die Imkerei im Umfeld von Streuobstwiesen essentiell.

Selbst im Salzburger Bergland, das aufgrund seines raueren Klimas für Obstbau weniger geeignet ist, wurden Streuobstwiesen angelegt, die der Versorgung der Bevölkerung mit Obst (in fester und flüssiger Form) diente.

Ökosystem und Genpool Streuobstwiese

Streuobstwiesen sind landschaftsprägend, bilden ein eigenes Ökosystem und sind ein wichtiger Lebensraum für Insekten und Vögel, wie beispielsweise für den Grünspecht. Die Obstbäume auf Streuobstwiesen können Hänge festhalten, damit eine nachhaltige Weidewirtschaft sichern und sind daher mitunter auch bedeutsam für den Landschaftsschutz. Sie bilden in bestimmten Lagen auch einen wichtigen Windschutz und bewirken daneben eine Frostminderung. Die auf Streuobstwiesen wachsenden Sorten sind vielfältig und widerstandsfähig. Jede einzelne Streuobstwiese hat ihren eigenen Charakter und ihre eigene Obstbaumgesellschaft. Streuobstwiesen sind aufgrund ihrer regionalen und örtlichen Vielfalt daher auch das Genreservoir alter Obstsorten. Unterschiedliche Baumwuchsformen, Blühzeiten und die herbstliche Laubfärbung wirken darüber hinaus landschaftsgestaltend. Das fortschreitende Abkommen von Streuobstwiesen bedeutet somit auch eine Verarmung der Landschaften. Streuobstwiesen zählen heute zu den am stärksten gefährdeten Biotoptypen im europäischen Raum.

Entwicklung in der Gegenwart

Heute erfolgt der Obstbau in Regionen mit Gunstlagen wie in der Steiermark (4.800 ha), in Niederösterreich (503 ha), im Burgenland (364 ha) und in Oberösterreich (225 ha) und zwar in Form von maschinell bearbeiteten Plantagen mit niederstämmigen Bäumen in Intensiv-Monokultur mit allen negativen Folgen wie Sortenarmut, Insektizid-Einsatz, Zerstörung der Pflanzenartenvielfalt und negativer Auswirkung auf den Bienenbestand.

Mehr und mehr Streuobstwiesen verwahrlosen mangels Nutzung und Pflege oder müssen anderen Funktionen weichen. Die Bäume werden gerodet und das Obst wird im Supermarkt erstanden, was letzlich auch eine dramatische Verarmung an Sorten bedeutet. Denn alte Obstsorten verschwinden zunehmend und es bedarf besonderer Anstrengung vieler, um das Kulturgut Obst auch nur annähernd in seiner einstigen Vielfalt zu erhalten. Die Sortenvielfalt ist regional durch die unterschiedlichen Standorte und Nutzungen geprägt. Von den mehr als 3.000 Apfelsorten, die in Mitteleuropa heimisch sind, finden beispielsweise heute nur mehr rund 60 Arten Platz im Obsthandel Deutschlands. In Österreich und im Bundesland Salzburg ist die Situation ähnlich.

Quellen

  • Deutschsprachige Wikipedia, Stichwort Streuobstwiesen
  • "Ein Apfel deckt ein Viertel des Vitamin-C-Bedarfs", SN, 9. November 2012, S. 15