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Schnee-Lagerwirtschaft

Schneedepot (fern und nah gesehen) auf der Reiteralm, Sommer 2013
Schneedepot auf dem Schmiedinger Kees
Schneedepot auf dem Schmiedinger-Kees
Schneedepot im Umfeld der Großglockner Hochalpenstraße

Schnee-Lagerwirtschaft (engl. snow farming) nennt man das Anlegen von Schnee-Depots für schneearme Winter.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Formen der Schnee-Lagerwirtschaft gibt es unter anderem in so manchem Gletscherskigebiet Tirols, in Kitzbühel, im Salzburger Saalbach-Hinterglemm sowie in der steirischen Ramsau.

Schnee Lagerwirtschaft in Salzburg

Vorreiter spielte hier die Pinzgauer Fremdenverkehrsgemeinde Saalbach-Hinterglemm.

Bereits im Winter 2009/10 legte man in Saalbach-Hinterglemm ein Schneelager von 15 000 Kubikmeter an. Diese wurden für den sicheren Saisonstart 2010/11 für ein Snowmobil-Rennen benötigt. Da eine Absage nach Auskunft von Josef Kröll, Bergbahnen, einen wesentlich größeren wirtschaftlichen Schaden wäre, investierte man zunächst 10.000 Euro für das Lagern von Schnee unter einer Spezialfolie und einer 20 Zentimeter dicken Schicht aus Hackschnitzeln. Mittlerweile sind die Kosten jedoch bereits auf 50.000 Euro angestiegen, da mehr Folien-Meter und Arbeitsstunden notwendig waren als kalkuliert. Das Depot befindet sich im Bereich der Talstation der Zwölfer-Nordbahn.

Mitte November 2010 wurde dann das Depot freigelegt. Von den 15 000 Kubikmeter Schnee waren noch 12 500 vorhanden. Genug, um die Pisten für das Snowmobil-Rennen vom 3. bis 5. Dezember präparieren zu können (wofür etwa 7 000 bis 8 000 Kubikmeter benötigt werden, der Rest reicht dann auch noch, um nachpräparieren und Steilkurven einbauen zu können)[1].

Zukunftsinvestition

Längerfristige Erfahrungswerte gibt es bereits aus Finnland und aus der Schweiz. Dort wird Schnee-Lagerwirtschaft bereits seit längerem in größerem Ausmaß angewendet. Dabei geht es um die Saisonsicherung sowohl auf ausgewählten Skipisten, Langlaufloipen und Sprungschanzen. Die Kosten für derartige Depots belaufen sich derzeit auf 50 bis 60 Euro pro angelegtem Kubikmeter Schnee.

Das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos hat vor sieben Jahren (2009) eine richtungsweisende Studie vorgelegt, derzufolge die Anlage von mit einer 30 bis 40 Zentimeter dicken Schicht aus Sägemehl oder Spänen abgedeckten Schneedepots sich im Vergleich zur Abdeckung mit Planen, die bisher hauptsächlich verwendete Methode, überlegen ist. Den vergleichsweise geringeren Schneeverlust bei der Sägespäne-Abdeckung – 20 bis 25 Prozent – führten die Forscher auf den effektiveren Strahlenschutz zurück. Das SLF berät sowohl Schweizer als auch internationale Wintersportgebiete, wie zum Beispiel das Südtiroler Martelltal.

Schnee-Lagerwirtschafts-Methoden wurden in Antike zur Kühlung verwendet

Die Wurzeln der Schnee-Lagerwirtschaft reichen, der gängigen neudeutschen Bezeichnung (snow-farming) zum Trotz, bis weit in die Vergangenheit zurück. In Europa legte man spätestens in der Antike, in Griechenland und auch im alten Rom Eis- und Schneedepots an, die im Sommer zur Kühlung von Lebensmitteln, zur Klimatisierung von Räumlichkeiten und sogar zur Herstellung von Speise-Eis verwendet wurde. Als Abdeckung verwendete man damals allerdings Materialien wie Torf oder Erde.

Auch in Fernost wurden ähnliche Methoden angewandt. In Afghanistan ging es vorwiegend um die Bereitstellung von Trinkwasser-Reserven in Dürreperioden und in besonders heißen Sommern.

In den Alpenländern, so auch in Österreich, fand vor allem Eis zur Kühlung von Bier Verwendung.

Quelle

Einzelnachweise

  1. Quelle Salzburger Nachrichten, 20. November 2010