Anklöcklergruppe im Streik

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Anklöcklergruppe im Streik, weil Bramberg am Wildkogel im Pinzgau keine Flüchtlinge aufnehmen will (2015).

Bezirksblatt Pingzau veröffentlicht Leserbrief

Maria Oberleitner und Helene Bachler schrieben Anfang Dezember 2015 in einem Leserbrief an das Bezirksblatt Pinzgau, Anklöckler streiken, weil die Gemeinde sich nicht um Flüchtlinge bemüht.

Herbergsuche 2015: Bramberg nimmt keine Flüchtlinge auf

Der Advent ist in vielen Salzburger Orten auch eine Zeit für den Brauch des „Anklöckelns“. Die Mühsal, die Maria und Josef vor 2 000 Jahren erlebten, ist heute für viele Flüchtlinge wieder aktuell geworden. Unsere Anklöcklergruppe aus Bicheln kann und will keine Heuchelei betreiben in der Form, die biblische Herbergsuche zu Bethlehem nachzuspielen, wenn gleichzeitig den heutigen Flüchtlingen die Tür versperrt wird. Es ist für uns fragwürdig, sich die Herbergsuche von Josef und Maria anzuhören und den Wirt für sein Verhalten zu verurteilen, obwohl man selber nicht bereit ist, Herbergsuchende aufzunehmen. Leider haben wir den Eindruck dass unsere Gemeinde zu wenig tut, um Flüchtlinge unterzubringen.

"Wir weigern uns, öffentliche Auftritte zu machen und uns selbst der Scheinheiligkeit zu überführen…"

Wir Anklöckler aus Bicheln weigern uns daher, öffentliche Auftritte zu machen und die Herbergsuche aufzuführen und damit uns selbst der Scheinheiligkeit zu überführen.

Aufgrund der aktuellen Flüchtlingsbewegung, die Österreich zu bewältigen hat und der Weigerung unserer Gemeinde, Flüchtlinge aufzunehmen machen wir uns Gedanken darüber, wie auch wir unseren Beitrag dazu leisten können. Auch wir sind in Sorge und im Ungewissen angesichts der tausenden an Flüchtlingen, deren Integration, der Arbeitsplatz- und Wohnsituation, diese Sorgen sind ernst zu nehmen. Doch auch unsere Gemeinde soll, wie andere Orte, ebenfalls Flüchtlinge aufnehmen. Bei 4000 Einwohnern tun einige Flüchtlinge verteilt auf mehrere Häuser keinem weh. Es geht nicht nur um die gerechte Verteilung der Asylwerber sondern generell um Solidarität gegenüber Flüchtlingen, besonders jetzt in der Weihnachtszeit.

"Wir bitten die Verantwortlichen, Solidarität zu zeigen"

Wir bitten die Verantwortlichen, Solidarität zu zeigen und Möglichkeiten zur Unterbringung von einigen Flüchtlingen in Bramberg zu schaffen. Wir wollen keine Heuchler und Scheinheiligen sein, die gedankenlos die biblische Geschichte aufführen. Der Sinn der Herbergsuche soll auch auf die heutige Zeit übertragen werden.

Für die Gruppe: Helene Bachler und Maria Oberleitner

Streik zeigte Wirkung

Bei einer öffentlichen Bürgerversammlung in Bramberg am 2. Dezember 2015 wurde das Thema Flüchtlinge sachlich debattiert und die Gemeinde ist um eine Lösung bemüht. Damit zeigten sich die fünf streikenden Anklöckler zufrieden. Helene Bachler zeigte sich zuversichtlich, dass nun der Stein ins Rollen gekommen ist. Aber Anklöckeln werde die Gruppe aber heuer nicht mehr gehen.

Bürgermeister Hannes Enzinger (ÖVP) sagt klar, die erste Aufgabe der Gemeinde sei es, sich um notleidene Gemeindebürger zu kümmern. Da gebe es viel zu tun. Darüber hinaus könne man auch eine gewisse Zahl an Flüchtlingen aufnehmen, sofern man ein Quartier für sie findet. Schon in einer Gemeindevertretungssitzung im September 2015 habe man über das Thema diskutiert. Auf einen Postwurf der Gemeinde, in dem sie private Quartiergeber suchten, meldete sich niemand.

Quellen