Armeleuthäusl

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Freithofkramerhäusl Maria Alm
Freithofkramerhäusl Maria Alm Schattseite
Beim Freithofkramer

Das hier beschriebene „Armeleuthäusl“ in Maria Alm ist eigentlich namenlos. Sein Standort wird aber als „beim Freithofkramer“ bezeichnet, weil der ehemalige Besitzer „Freithofkramer“, abgeleitet von „Kramer beim Friedhof“, genannt wurde.

Lage

Das Häusl steht auf der Schattseite am orographisch linken Ufer der Urslau in der Nähe der Straße zwischen Maria Alm und Hinterthal direkt an einem Karrenweg, der über eine Brücke von der Straße über den Fluss führt und der Bewirtschaftung der dort liegenden Weiden dient. Das Gebäude fällt Vorbeifahrenden einerseits aufgrund seiner Form und Ärmlichkeit, andererseits wegen seiner Alleinlage ins Auge.

Beschreibung

Das kleine Gebäude ist nach Nord-Süd ausgerichtet und besteht aus einem straßenseitig gelegenen Wohn- und aus einem hangseitigen Stallteil mit darüber liegendem Bergeraum. Der schmale Wohnbereich weist einen kleinen Raum im Erdgeschoß und darüber liegend einen Raum im ersten Stock auf. Der Wohnteil ist in Billigstbauweise als Ständerbau ausgeführt, der außen mit Brettern verschlagen und darüber verputzt ist. An der Stirnseite des Erdgeschosses befindet sich ein „Gangl“ (kleiner Balkon). Der Eingang liegt ostseitig. Der etwas breitere Stallteil besteht aus verputztem Natursteinmauerwerk. Der Zugang für das Vieh befindet sich auch auf der Ostseite, eine kleinere Stalltür auf der Westseite ermöglicht auch dort den Zutritt. Der darüber liegende Bergeraum ist ebenfalls als Bretter verschlagener Ständerbau ausgeführt und weist hangseitig ein Tor auf. Der Wohnteil scheint bereits längere Zeit ungenutzt und ist sichtlich vernachlässigt.

Entstehung und Verwendung

Das kleine Anwesen wurde entweder im Jahr 1912 oder im Jahr 1913 vom damaligen bäuerlichen Grundbesitzer, „Freithofkramer“ genannt, errichtet und diente ursprünglich dem „Futterer“ (Dienstbote, der für die Viehversorgung zuständig war) als Wohnstatt. Im Stallteil wurden vom Futterer zwölf Rinder versorgt, was angesichts der Kleinheit schwer vorstellbar ist. Das Vieh war nicht ganzjährig in diesem Stallgebäude untergebracht sondern nur während der Weidezeit. In späteren Jahren wurde das Häusl von einem Melker bewohnt und hatte auch einmal einen Bergmann, der im Kupferbergbau in Mühlbach am Hochkönig beschäftigt war, als Mieter. Ob Futterer, Melker und Bergmann dort allein hausten oder mit Familie ist offen.

Der derzeitige bäuerliche Besitzer hätte es gerne, wenn der Stall etwas größer wäre. Abreißen will er das Häusl aber nicht, weil er dann dort nichts mehr bauen dürfte. Oft ist der Grund für das unbenutzte Stehenlassen solcher Objekte auch der mit dem Abriss verbundene Verlust der Rechte, die auf dem Haus eingetragen sind (Wasserrecht, Holzbezug).

Ein Dach über dem Kopf

Ähnlich wie noch früher eine Bergmannssölde haben solche Behausungen in ländlichen Regionen mittellosen Familien als Unterkunft gedient. Als noch die Einteilung nach dem Hoffuß gegolten hat, wäre dieses Häusl als Leerhäusl zu bezeichnen gewesen. Das Häusl mit der Bezeichnung „beim Freithofkramer“ steht exemplarisch für viele andere, die bereits abgerissen wurden oder leer stehen und verfallen und im 20. Jahrhundert zur ländlichen Hauslandschaft gehörten. Einige wurden auch hergerichtet und werden noch bewohnt oder als Ferienhaus genutzt.

Quellen

  • Eigenartikel von Christina Nöbauer
  • Gespräch mit dem gegenwärtigen Besitzer, Viehhofbauer in Maria Alm