Der Schatzfund von Bruck an der Großglocknerstraße

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Der Schatzfund von Bruck an der Großglocknerstraße, Schmuck einer vermögenden Dame aus der Zeit um 100 n. Chr., bestand aus fünf Gewandspangen (Fibeln) aus Silber.

Auffindungsort und Fundumstände

Im Jahr 1997 erfolgten Drainagearbeiten auf einer Wiese in der Nähe von Schloss Fischhorn in Bruck an der Großglocknerstraße. Die Grabungsarbeiten erregten die Aufmerksamkeit des Pinzgauer Archäologen Robert Krauß aus Saalfelden, dessen Hauptinteressen die Prospektion und Feldforschung in Salzburg und Tirol sind. Gemeinsam mit Martin Seiwald jun., Mitarbeiter des Bergbaumuseum Hütten, Leogang, nahm er die Stelle näher in Augenschein. Bei der Absuche des Aushubmaterials entdeckten Robert Krauß und Martin Seiwald Keramikbruchstücke, darunter auch Terra sigillata, das rote Tafelgeschirr der Römer, die aus dem Zeitraum 1. Jahrhundert bis 3. Jahrhundert stammen. Sie fanden auch Fundamentreste einfacher Holz- oder Steinbauten, die als Nachweis einer bis dahin unbekannten römerzeitlichen Ansiedlung gelten. Schließlich entdeckte Martin Seiwald innerhalb dieses Fundareals den Silberschatz.

Fundort und geschichtlicher Hintergrund

Fritz Moosleitner, ehemaliger Landesarchäologe, vermutet im Raum Bruck/Schloss Fischhorn eine römerzeitliche Straßenstation. Das Schloss liegt an einem wahrscheinlich schon in prähistorischer Zeit bedeutenden inneralpinen Verkehrsknotenpunkt. Dort kreuzen sich die Nord-Südroute über den Tauern im Süden und Zell am See/Saalachtal im Norden und die Ost-Westverbindung aus Richtung Bischofshofen im Osten in Richtung Oberpinzgau/Tirol im Westen. In unmittelbarem und mittelbarem Umkreis des Schlosses weisen zahlreiche andere Funde aus prähistorischer und frühgeschichtlicher Zeit auf die Bedeutung der Kleinregion als Verkehrsknotenpunkt, deren Erforschung noch lange nicht abgeschlossen scheint. Eine spätere archäologische Grabung im Wiesengelände im Nahbereich des Schlosses unter der Leitung von Peter Höglinger, deren Befund- und Fundauswertung noch nicht abgeschlossen ist, hat weitere Belege für eine römerzeitliche Ansiedlung erbracht.

Der Schatzfund, sein Ursprung und die Vergrabung

Der Schatz besteht nach Moosleitner aus fünf römerzeitlichen Silberfibeln. Es wird vermutet, dass sie die Schmuckausstattung einer vermögenden Frau bildeten. Bei den Schmuckstücken handelt es sich um zwei norisch-pannonische Flügelfibeln, eine kräftig profilierte Fibel, eine sog. Doppelknopffibel und eine Omegafibel, alle aus Silber. Die norisch-pannonischen Gewandspangen gehören der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. an. Die aufgefundene Doppelknopffibel ist ein Typus, der im gesamten Zeitraum des 1. Jahrhunderts getragen wurde. Die „Omegafibel“, eine ringförmige Gewandspange mit Drehverschluss, hatte ihr Hauptverbreitungsgebiet in der Schweiz und in Südwestdeutschland. Das älteste Stück des Hortfundes ist die kräftig profilierte Fibel. Sie wird von Moosleitner dem ersten Drittel des ersten nachchristlichen Jahrhunderts zugeordnet. Als Vergrabungszeitpunkt kämen die Unruhen nach der Ermordung Kaiser Neros in Frage, die am Beginn des letzten Drittels des ersten Jahrhunderts in nur einem Jahr drei Kaiser an die Macht brachte.

Quellen

  • Gesprächskontakte von Christina Nöbauer mit Fritz Moosleitner, mit dem Grabungsteam unter Peter Höglinger und mit Robert Krauß