Elmar Klingler

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Pater Elmar Klingler (eigentlich Johann Evangelist Klingler * 10. Dezember 1915 in Taxenbach; † 9. September 1995 in Taperas, Bolivien) war Missionar im bolivianischen Urwald.

Kindheit und Jugend in Taxenbach

Pater Elmar Klingler wurde als Johann Evangelist Klingler auf dem Gut Mitteraigen am Gschwandtnerberg in Taxenbach geboren. Er besuchte die Volksschule in Taxenbach und die Hauptschule in Lend. Er hatte ein beinahe fotografisches Gedächtis und merkte sich einmal Gelesenes. Im Alter von elf Jahren erlebte er die Primiz des Taxenbachers Eduard Angermann. Dieses Erlebnis beeindruckte ihn so, dass er selbst auch den Wunsch äußerte, Priester zu werden. Mit Unterstützung von Dechant Süß wurde er im Borromäum in Salzburg angemeldet, bestand ohne jedes Problem die Aufnahmeprüfung, konnte aber die Schule nicht besuchen, weil die Familie zu wenig Geld hatte. Die Unterstützung der Nachbarn nahm sein Vater aus dem ihm eigenen Bauernstolz heraus nicht an. So blieb der „Oagna Hansei“ nach der Pflichtschule als Knecht auf dem väterlichen Hof. Der intelligente junge Mann beschäftigte sich neben der Bauernarbeit mit dem Fliegen, einem anderen Traum, und baute gemeinsam mit seinem Freund Hölzl Gleitflugzeuge mit bis zu fünf Metern Spannweite. Aus ökonomischen Gründen wurde er mit 18 Jahren Zuchtbuchführer beim Pinzgauer Rinderzuchtverband, obwohl sein Berufswunsch, Priester zu werden, weiterhin aufrecht war.

Nationalsozialismus und Kriegseinsatz

Vor der Volksabstimmung im Jahr 1938 – Johann Klingler war damals 23 Jahre alt – ging er in der Taxenbacher Nachbarschaft von Hof zu Hof und versuchte die Bauern zu einer Stimmabgabe für ein selbständiges Österreich zu überreden. Als er dann selbst eingezogen wurde, sorgte die örtliche NSDAP-Leitung dafür, dass er bei den militärischen Behörden als religiöser Fanatiker und Regimegegner eingeführt wurde. Er musste in einer Strafkompanie dienen und wurde später an die Eismeerfront in Norwegen verlegt, wo er das Volk der Lappen kennen lernte und so beeindruckt war, dass er sich vornahm, nach dem Krieg zu ihnen als Missionar zu kommen. Er verlor während eines Fronturlaubes beide Eltern, überlebte den Krieg, war kurz in einem Kriegsgefangenenlager interniert und kam dann zurück nach Taxenbach.

Kriegsende, Ordenseintritt und Priesterweihe

Johann Klingler wurde nach seiner Heimkehr Zahlmeister bei der Raiffeisenkasse. Wenig später trat er in den Orden der Franziskaner ein, was in Taxenbach damals auf wenig Verständnis stieß. Im Ordenshaus hatte er die Möglichkeit Latein und Griechisch zu lernen, besuchte das Oberstufengymnasium, maturierte und konnte endlich Theologie und Philosophie studieren. Am 2. Juli 1953 wurde er zum Priester geweiht. Als Ordensmann nahm er den Namen Elmar an. 1954 wurde er von seinem Orden als Missionar nach Bolivien entsandt.

Leben als Missionar

Wenn ich bedenke, dass ich eigentlich zu den Lappen wollte, so sehe ich meinen Weg als Verrücktheit Gottes“, so sagte Pater Elmar, als er statt zu den Lappen nach Bolivien entsandt wurde. In Bolivien begegnete er an seiner ersten Einsatzstelle den Ayoreos, einem indigenen nomadischen Volk im Urwald des Gran Chaco. Bedrängt von Ölgesellschaften und abgelehnt von den „zivilisierten“ Bolivianern gingen sie bereits sehr dezimiert ihrem Untergang entgegen. Pater Elmar machte es sich zu seinem Herzensanliegen, den überlebenden Ayoreos zu helfen. Neben der Arbeit in seiner ihm anvertrauten Pfarre unternahm er nun mit Erlaubnis seiner Vorgesetzten Expeditionen in den Urwald und suchte nach den letzten Stammesangehörigen. Erst nach Jahren fand er eine Gruppe von etwa 40 Leuten. Pater Elmar, der ihre Sprache ein wenig beherrschte, versuchte sie dazu zu bewegen mit ihm zu kommen und auf einem Grundstück, das er bereits für sie erworben und vorbereitet hatte, sesshaft zu werden. Es fiel ihnen schwer ihr Nomadenleben aufzugeben, obwohl ihr Lebensraum zunehmend vernichtet wurde.

Letztlich ging die Gruppe, die aus sieben Familien bestand und keine Alternative hatte, mit Pater Ellmar und siedelte sich in Santa Teresita, wie das Dorf, das er gemeinsam mit ihnen auf dem erwähnten Landstück aufbaute, genannt wurde, an. Nun war Pater Ellmar mit den naturreligiösen Stammessitten konfrontiert, die unter anderem darin bestanden, dass jedes Erstgeborene aus rituellen Gründen lebendig begraben werden musste.

Das größte Problem war aber die Gewöhnung an die Sesshaftigkeit und an den Ackerbau. Die Begabung des Paters war sein Charisma, er war beliebt, vermochte zu überzeugen und versuchte nichts zu erzwingen. Es entstand ein Dorf mit der nötigen Infrastruktur. Das Dorf bekam nach und nach eine Krankenstation, eine Schule, eine Kirche, eine Wasserleitung, elektrisches Licht u.a.m. Das Dorf wurde schließlich vom Staat anerkannt und die Ayoreos erhielten zusätzlich 40.000 ha Urwald mit verbrieftem Jagdrecht. Das Dorf wurde zu einem Zufluchtsort für die noch lebenden Ayoreos.

Kontakte nach Taxenbach

Eine Gruppe von Taxenbacher Pfarrangehörigen hat Pater Elmar in Bolivien besucht und seine Arbeit wurde von vielen Taxenbachern und Taxenbacherinnen unterstützt. 1980 wurde sein Wunsch, noch einmal in seinen Heimatort zu kommen Wirklichkeit und er feierte sein 25jähriges Priesterjubiläum in seiner Heimatgemeinde. Die Taxenbacher würdigten sein Lebenswerk durch die Herausgabe eines Buches über Leben und Werk des Paters (siehe unter Quellen).

Seelsorger und Adoptivvater

Pater Elmar adoptierte drei Ayoreo-Kinder, deren Mutter als einkommenslose Sklavin auf einer Estancia[1] diente, ihre Kinder nicht mehr versorgen konnte und sie ins Dorf zu Pater Elmar brachte. Ein Adoptivsohn wurde später Lehrer, ein zweiter arbeitete in der Mission mit und der dritte wurde Priester. Pater Elmar selbst litt jahrelang an einem Raucherbein und wurde in Santa Cruz amputiert. Nun im Rollstuhl lebend ging er weiter seinen Aufgaben in Santa Teresita nach. Er war nicht nur beliebt, er wurde auch eine weit um bekannte und geachtete Persönlichkeit und erhielt vom Staat Bolivien eine hohe Auszeichnung.

Am 9. September 1995 verstarb er an einer Lungenentzündung und wurde in seiner Pfarre Taperas in Bolivien begraben.

Quellen

  • Hans Wartbichler, Altbauer vom Greinsberggut am Taxenbacher Sonnberg
  • „Eine Verrücktheit des lieben Gottes“ Pater Elmar Klingler, Mein Leben mit den Ayoréos, Arbeitskreis 3. Welt, Pfarre Taxenbach, Eigenverlag 1995

Fußnote

  1. spanisch/portugiesisch, deutsch: Rinderfarm (in Südamerika)