Eva Maria Filzmoser

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Eva Maria Filzmoser

Eva Maria Filzmoser (* 1980 in Palting, Innviertel) ist Direktorin von "CDM Watch".

Leben

Eva Maria Filzmoser studiert Jus in Salzburg, Wien, Spanien und Niederlande. Ihr Hauptwohnsitz ist aktuell (2011) die belgische Hauptstadt Brüssel.

Vorgestellt

Es geht um Geld, um sehr viel Geld. Es geht um den Missbrauch von in der EU gehandelten CO2-Zertifikaten und um den Klimaschutz. Und es geht um eine Salzburgerin, die "ein großes Rad ins Rollen gebracht hat", wie sie sagt. Eva Maria Filzmoser hat mit ihrer Brüsseler NGO "CDM Watch" federführend dafür gesorgt, dass die Europäische Union sogenannte Schwindelzertifikate vor allem aus Indien und China ab 2013 vom Markt nimmt: Chemiefirmen produzieren das hochaggressive Klimagift HFC 23, um es anschließend zu zerstören und sich dafür mit CO2-Zertifikaten belohnen zu lassen. EU-Industrien kaufen diese Zertifikate, um ihre eigenen Klimabilanzen aufzubessern. Für die Produzenten von HFC 23, einem Abfallprodukt bei der Kühlmittelherstellung, fallen satte Gewinne an. Ein Emissionsgutschein für eine Tonne CO2 bringt derzeit etwa zwölf Euro. Die entsprechende Entsorgung von HFC 23 aber kostet nur 17 Cent. Allein China kassiert so rund 650 Millionen Dollar pro Jahr. Mehr als 60 Prozent aller 2009 in der EU gehandelten Zertifikate stammen aus HFC-23-Projekten.

Filzmoser übernahm "CDM Watch" Anfang 2009 - soll heißen: den einzigen dort vorhandenen Job. "Ich habe die Stellenausschreibung gesehen und mich beworben", erzählt sie. Erst seit Ende 2010 hat sie drei weitere Mitarbeiter. EU-Regierungen und andere NGOs wollten die seit 2005 nicht mehr aktive "CDM Watch" wiederbeleben. "Man wollte jemanden, der den CO2-Markt kritisch analysiert", sagt Filzmoser. Immerhin gehe es ja auch um die Glaubwürdigkeit des gesamten "Clean Development Mechanism" (CDM), eines unter dem Dach der UNO entwickelten Systems des Ablasshandels: Wer im Westen nicht selbst Emissionen einsparen will, investiert in Klimaschutzprojekte in Schwellen- und Entwicklungsländern und lässt sich die Einsparungen gutschreiben.

"Der Betrug mit HFC-Projekten war bekannt", betont die Salzburgerin, allerdings sei das Problem, weil gleichzeitig ein hochprofitables Geschäftmodell, konsequent ignoriert worden, bis - ja, bis Filzmoser und der UNO-Experte Lambert Schneider ein eigenes, theoretisches, aber klimatechnisch sauberes HFC-Modellprojekt bei der UNO zur Genehmigung einreichten. Mit einem Schlag war die Weltpresse hellwach. Anfragen aus den USA, Fernost und Europa überschlugen sich. Der Druck wurde immer größer - vor wenigen Wochen dann beschlossen die 27 EU-Staaten den HFC-Bann.

Eva Maria Filzmoser aber ist schon wieder unterwegs. Sie organisiert gerade CDM-Workshops in Mexiko und San Salvador, baut lokale NGO auf, vermittelt Know-how, war zuvor noch in Belfast, das aber privat: Aufnahmen mit einer Band standen auf dem Programm. Am Saxofon: Filzmoser.

Die HFC-Sache sei ein Beweis, "wie viel kleine Organisationen erreichen können", meint sie, und fügt hinzu: "Eigentlich war ich ja allein." Aber die Klimapolitik sei halt auch eine Bastelwerkstatt. Wichtigste Erfahrung? "Glaub' nie, dass jemand mehr weiß als du", antwortet sie sofort: "Die meisten wissen gar nicht, wovon sie reden - sie tun nur so." Und dann: "Diese Erkenntnis ist wahrscheinlich der Schlüssel zum Selbstbewusstsein."

Er hat gut gepasst.

Quelle