Asylquartier Straniakstraße

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Das Flüchtlingsquartier Kasern war ein Asylquartier im Salzburger Stadtteil Kasern für bis zu 246 Asylwerber, das mit Ende März 2016 in Betrieb gegangen war und Anfang 2019 geschlossen wurde.

Einleitung

Die bauliche Adaption der bereits bestehenden Betriebsgebäude an der Straniakstraße in Salzburg-Kasern erfolgte in den Wintermonaten 2015/16. Ab Ende März 2016 wurden 246 asylsuchende Frauen, Männer und Familien darin untergebracht. Das neue Quartier wurde von Anfang an von einem umfangreichen Betreuungs- und Sicherheitskonzept begleitet und rund um die Uhr betreut.

Aufgrund des starken Rückgangs an Asylwerbern schloss das Land Salzburg Anfang 2019 ihr größtes Asylquartier.

Neues Wohngruppenkonzept mit kleinen Betreuungseinheiten

Bereits bei den baulichen Adaptierungsmaßnahmen wurden die entsprechenden Grundlagen für eine intensive Betreuung gelegt. Auf je zwei Etagen wurden in den beiden Gebäuden Wohngruppen von jeweils rund 20 Personen eingerichtet. Dies ermöglichte den intensiven Kontakt mit den betreuten Asylwerbenden. Das Diakoniewerk Salzburg als Unterkunftsbetreiber brachte für das Wohngruppenkonzept bereits vielseitige wie langjährige Erfahrungen mit. Schon die Behinderten- und Seniorinnen- und Seniorenarbeit des Diakoniewerks baut auf kleinteilige Wohn- und Betreuungskonzepte auf. Dadurch werden Gemeinschaft, Selbstständigkeit und Normalität ermöglicht.

Das Freiwilligenkonzept in der Straniakstraß baute darauf auf, dass in den kleinen Wohngruppen schnell ein intensiver Bezug zwischen Betreuenden und den Asylwerbenden hergestellt werden konnte. Flüchtlinge wurden bei den wichtigen Fragen des Alltags, bei den regelmäßigen Sprachtrainings und bei der Freizeitbegleitung bedarfsgerecht unterstützt.

Wichtiger Bestandteil des Sprachtrainings war der aktive Austausch über Rechte und Pflichten. Erfahrungen aus dem Flüchtlingsquartier in Liefering zeigten, dass diese gut angenommen wurden. In den regelmäßigen Sprachtrainings wurden insbesondere Fragen rund um Werte und Kultur mit den Asylwerbenden diskutiert.

Klare Alltagsstrukturen schaffen

Großer Wert wurde auf eine klare Alltagsstruktur im Quartier gelegt: So waren zum Beispiel Angebote zur Freizeitgestaltung und der damit einhergehenden Integration auch im Quartier in Liefering bereits fest verankert.

An 365 Tagen im Jahr stand ein umfangreiches Fachkräfte-Team aus Quartiersbetreuern, Nachtdienstmitarbeitern sowie Sozialberatern als Ansprechpartner zur Verfügung.

Eine Hausordnung regelte die Verhaltensweisen innerhalb und außerhalb der Gebäude.

Demonstration

Am 26. Februar 2016 gingen rund 240 Anrainer auf der Straße demonstrieren. Sie wehrten sich gegen die Anzahl von Asylwerbern, die im Haus an der Straniakstraße untergebracht werden sollten. Asylwerber ja, aber nicht so viele, lautete ihrer Forderung. Die Salzburger Nachrichten zitierten Familie Meng aus China, die Sorge hat, dass ihre beiden Kinder auf dem Spielplatz nicht mehr so frei herumtollen können, und sie fürchtet sich, am Abend spazieren zu gehen. Eine Frau trug ein Transparent mit der Aufschrift "Schutz für unsere Frauen und Mädchen".

Sein Engagement gegen das Flüchtlingsquartier sei sinnvoll gewesen, sagte Alfred Lugstein gegenüber den Salzburger Nachrichten im Jänner 2019. Der Grünen-Gemeindevertreter der Gemeinde Bergheim war Sprecher einer Bürgerinitiative, die Anfang 2016 gegen die großen Asylquartiere in der ehemaligen Porsche-Informatik in Bergheim und an der Straniakstraße in Kasern gleich nach der Bergheimer Gemeindegrenze mobil machte. Die Initiative organisierte auch eine Demonstration. "Die Kommunikation im Vorfeld war einfach schlecht", sagt Lugstein. Der Protest habe die Verantwortlichen aufgeschreckt.

Schließung des Asylquartiers

Drei Jahre später schloß das Land das Quartier in der Straniakstraße. Mit maximal 246 Bewohnern war es das größte Asylquartier des Landes. Wegen der sinkenden Anzahl an Asylbewerbern baute das Land laufend Quartierplätze ab. Das Verteilzentrum des Bundes in der alten Porsche-Informatik blieb, jedenfalls 2019, noch in Betrieb.

Dass es kurz nach der Eröffnung der Quartiere ruhig blieb, bestätigt nicht nur Kritiker Alfred Lugstein. Auch an die Gemeinde seien wenig Beschwerden herangetragen worden. Bergheims neuer Bürgermeister Robert Bukovc (ÖVP) sagte im Jänner 2019, er habe seit seinem Antreten im Mai 2018 keine einzige Meldung von einem Bürger zu den Asylquartieren bekommen. "Die wenigen Probleme gab es im Quartier zwischen Bewohnern. Da musste auch einmal die Polizei schlichtend einschreitend. Aber davon haben die Bergheimer kaum etwas mitbekommen."

Keine ruhige Zeit waren die vergangenen drei Jahre für das Diakoniewerk. Die Organisation übernahm die Leitung des Großquartiers. Der Gegenwind aus der Nachbarschaft machte die Herausforderung, 246 geflüchtete Menschen aus unterschiedlichen Nationen zu betreuen, nicht leichter. "Wir haben von Anfang an vor allem auf eines gesetzt: auf Dialog", sagt Geschäftsführer Michael König. Den habe man auch mit den Demonstranten gesucht. Einzelne beunruhigte Nachbarn konnten so für die freiwillige Arbeit in dem Quartier gewonnen werden. Quartiersleiterin Eva Neußl-Duscher berichtet, dass man sich von Anfang an sehr um freiwillige Helfer bemüht habe. "Wir hatten teilweise 120 Helfer. Auch jetzt unterstützen uns noch 90 Leute."

Von den vielen Freiwilligen hat auch Said al Issa profitiert. Der 34-jährige Syrer kam 2014 nach Österreich. Nachdem er einen positiven Asylbescheid bekommen hatte, absolvierte er ein freiwilliges soziales Jahr beim Diakoniewerk. Dabei half er im Quartier in der Straniakstraße mit. "Im Kontakt mit den Kollegen und den Freiwilligen konnte ich so viel lernen, es half mir auch, mein Deutsch zu verbessern." Jetzt ist er vom Diakoniewerk für die Betreuung angestellt.

In der Gemeinde sei vor allem auf die Schulen eine große Herausforderung zugekommen, sagt Quartierleitern Eva Neußl-Duscher. "Es waren ja in fast allen Klassen Flüchtlingskinder. Teilweise haben die Direktorinnen selbst mit den Schülern Deutsch gelernt, um ihnen den Einstieg zu erleichtern."

In der Betreuung der Flüchtlinge hatte sich im vergangenen Jahr einiges geändert. Seither bekamen fast keine Flüchtlinge mehr positive Asylbescheide. Das wirkte sich deutlich auf die Integrationsarbeit aus, sagt Neußl-Duscher. "Viele wissen, dass sie das Land verlassen müssen. So haben sie natürlich keine Motivation, deutsch zu lernen. Das bekommen auch die freiwilligen Helfer zu spüren. Die merken: Es geht nichts mehr weiter."

Mit dem Schließen des Asylquartiers steigt das Diakoniewerk aus der Betreuung von Asylbewerbern aus. "Der Bedarf ist derzeit nicht mehr da", sagt Michael König. Integrationsprojekte betreibt die Organisation weiterhin. Derzeit habe man drei Projekte mit Land und Stadt Salzburg.

Auch der Syrer Said al Issa wird seine Arbeit in der Flüchtlingsbetreuung verlieren. Es schlägt ein neues Kapitel seines Lebens auf und startet eine Ausbildung als Obusfahrer bei der Salzburg AG.

Quellen