Hauptmenü öffnen

Bombenanschlag in Piesendorf

Nach einem Bombenanschlag in Piesendorf gab es 1994 zwei Verhaftungen.

Der Anschlag

Ausländerschweine raus. Die Erinnerung an diese Parole auf dem Glaserhäusl in der Pinzgauer Gemeinde Piesendorf erwachte in jenen Tagen 1994. Erst ein Jahr zuvor wurden die Buchstaben überpinselt. Damals war dem Schriftzug nicht allzuviel Bedeutung beigemessen worden. Damals - und noch bis vor wenigen Wochen im Oktober 1994 - wohnte eine vierköpfige Gastarbeiterfamilie aus Kroatien im Glaserhäusl. Ob die Sprühaktion auf das Konto jener Jugendlichen ging, denen der Bombenanschlag vom 10. Oktober 1994 angelastet wurde, ist unklar.

Zwei 17jährige, ein Lehrling und ein Hilfsarbeiter, wurden ausgeforscht. Den entscheidenden Tipp gab ein 14jähriger. Er gehörte einer Clique an, die seit Monaten bei diversen Sachbeschädigungen etwa eine Million Schilling (rund 72.700 Euro) Schaden angerichtet hatten. Ein Gendarm berichtete von "zig Probesprengungen" auf Almen und an einem Bach.

Beide 17jährigen sind in Untersuchungshaft. Sie haben laut Exekutive ein Geständnis abgelegt, die Eigenbau-Bombe in den hölzernen Briefkasten beim Glaserhäusl gesteckt zu haben. "Hass auf Ausländer" habe der Lehrling als Motiv für den Anschlag genannt. Ein 18jähriger Mechaniker wurde auf freiem Fuß angezeigt. Er sei nur bei der Vorbereitung dabei gewesen.

Die hochexplosive Mischung handelsüblicher Materialien in einem Metallrohr verfehlte ihre Wirkung. Es kam nur zu einer Verpuffung. Diese hob kurz den Deckel des aus Spanplatten zusammengefügten Postkastens. Eine zirka einen Meter hohe Stichflamme sei entwichen, sagten Augenzeugen.

Einen Zusammenhang mit der Briefbombenserie schließt die Sicherheitsdirektion aus. Der Anschlag war Tage geheimgehalten worden. Piesendorfs Bürgermeister Peter Junger war vertraulich eingeweiht worden.

Quelle