Herdenschutz

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Frei lebende Wölfe
Es geht zum Beispiel um den Schutz für sie: Alpine Steinschafe, die urtümlichste inneralpine Hausschafrasse, eine der heute bedrohten Hausschaf-Arten.
Schafherde am Knappenbeutelsee. Für bisher unbetreute kleinere oder größere Herden wie diese müssen rasch Schutzmaßnahmen umgesetzt werden.
Von einem Hirten und mehreren Schutzhunden begleitete Schaf- und Ziegenherde in der Kerkiniseeregion in Nordgriechenland.
Fast völlig intakte kleinräumige historische Pferchanlage im Umfeld des Maurerkogels in den Kitzbüheler Alpen
Dieses ehemalige Almgebäude war ein Hirtenunterstand auf der Weißeneckalm im Hollersbachtal
Herdenschutzhunde in Nordgriechenland
Esel

Unter Herdenschutz versteht man die präventive Sicherung von Nutztieren vor Übergriffen durch große Beutegreifer, vor allem des Wolfes.

Erläuterung

Die offizielle Herdenschutz-Informationsplattform Österreichs – siehe Quellen – erklärt es so: „Nutztierhaltung und wildlebende Raubtiere im selben Lebensraum scheinen zunächst miteinander unvereinbar zu sein. Die Strategien der Tierhalter, um dieses Konfliktfeld zu entschärfen waren einerseits die intensive Bejagung der Raubtiere und andererseits der Versuch, eine Koexistenz zwischen Nutztieren und großen Beutegreifern zu ermöglichen. Diese Koexistenz funktioniert vielerorts durch den gezielten Einsatz von Herdenschutzmaßnahmen. Der Einsatz von Herdenschutzmaßnahmen soll das Risiko von Schäden an landwirtschaftlichen Nutztieren durch Raubtiere weitgehend verringern, um ein Nebeneinander von Tierhaltung und großen Beutegreifern zu ermöglichen.“

Klassische Methoden des Herdenschutzes

Hirten

Sie waren in historischer Zeit selbstverständlich, da bis vor etwa 150 Jahren Wolf und Bär im Salzburger Land heimisch waren und kein Mangel an Leibeigenen und billigen Dienstboten zur Herdenführung und -bewachung gegeben war. Von ihnen zeugen noch heute die Reste primitiver Unterstände in Almregionen. In der Gegenwart sind Hirten in süd- und osteuropäischen Ländern noch anzutreffen, jedoch in Mittel- und Westeuropa eine abgekommene Berufsgruppe. Zur Rekrutierung und Ausbildung von Hirten wurde in Österreich bis heute nichts unternommen, obwohl seit Jahren bekannt ist, dass der europaweit streng geschützte Wolf im Begriff ist, sich wiederanzusiedeln. Nun, da der Wolf da ist, fehlen die jahrelang versäumten Vorbereitungsmaßnahmen. Sowohl die Ausbildung als auch die Beschäftigung und Bezahlung von Hirten verlangt nach neuen Organisationsformen und nach entsprechenden Finanzierungshilfen durch die Allgemeinheit. Hirten könnten über ihre ureigene Tätigkeit hinausgehend auch noch andere wertvolle Dienste für die Allgemeinheit leisten, wie sie etwa in der Wildpflanzen- und Wildtierbeobachtung anfallen. Hirt sein war und ist – dort wo es ihn noch gibt – vielleicht eine als „primitiv“ eingeschätzte und schlecht bezahlte Tätigkeit, könnte aber auch ganz neu gedacht werden.

Herdenschutzhunde

Hütehunde hat es früher immer gegeben und es gibt sie auch heute noch überall dort, wo Herden von Hirten geführt werden. Die Welpen von für die gegenwärtige und zukünftige Situation benötigten Hunden aus dafür geeigneten Rassen wachsen zusammen mit den Nutztieren auf, identifizieren sich mit ihnen, verteidigen sie daher ganz selbstverständlich und haben auch psychisch und körperlich das Potential das zu tun. Ihre Haltung kostet einerseits Geld und erfordert auch den richtigen Umgang der Herdenschutzhundebesitzer mit diesen Hunden. Die Züchtung und Haltung solcher Hunde zwecks Herdenschutz erfordert schon aus Kostengründen den Zusammenschluss von Herdenbesitzern und könnte aber letztlich für einzelne Bauern, die sich darauf spezialisieren, einen Nebenerwerb bringen. Eine weitere Herausforderung in touristisch genutzten Wandergebieten ist, dass diese Hunde ihre Herden auch gegen wandernde Touristen und bergsteigende Einheimische „verteidigen“. Der Einsatz von Herdenschutzhunden erfordert daher nicht nur Geld, Erfahrungswissen und die Zusammenarbeit mehrerer Herdenbesitzer, sondern auch das Neudenken von Gebietsnutzungen durch Wanderer und Bergsteiger. Analog zu zeitlich beschränkten forstlichen Sperrgebieten sind auch zeitlich beschränkte Herdenschutz-Sperrgebiete anzudenken. Es ist jedoch eine Frage der Information und Bildung, der Organisation und der Akzeptanz durch die davon Betroffenen, also großer Teile der Bevölkerung. Auch hier rächt sich das jahrelange Abwarten.

Zäune

Historisch gesehen waren das im Alpenraum Pferche aus Klaubsteinmauern, heute sind es vom Material her für diese Aufgabe speziell geeignete Elektrozäune, die je nach Terrain richtig aufgestellt, laufend kontrolliert und gewartet werden müssen. Auch sie kosten Geld und ihre Verwendung erfordern das nötige Fachwissen. Auch hier fehlt es bisher an der entsprechenden Beratung und Information und wohl auch an Finanzierungshilfen, die von der Allgemeinheit geleistet und akzeptiert werden müssen.

Andere Herdenschutzmaßnahmen

Es wird aber auch über andere Methoden diskutiert. Hier wurden bereits der Einsatz von Hauseseln und den aus Südamerika stammenden Lamas als Nutztierherdenschutztiere erwähnt. Hausesel gelten als Frühwarner, Lamas als standhaft mutig. Ob mit ihnen eine Herde geschützt werden kann, muss sich erst herausstellen.

Zusammenfassung

Die Wiederkehr des Wolfes und der daher erforderliche Herdenschutz sind keine mit Abwarten und Emotionen bewältigbare Aufgaben. Der Wolf ist weder ein „Mörder“ noch ein „Lustmörder“, wie er in letzter Zeit selbst von Landwirtschaftsfunktionären beschimpft wurde, sondern ein hier von jeher angestammter, lediglich in den letzten 150 Jahren vertriebener und jetzt zurückgekehrter Beutegreifer mit stark ausgeprägtem Jagdtrieb. Herden ohne Schutz sind daher für ihn buchstäblich ein „gefundenes Fressen“.

Herdenschutzmaßnahmen sind folglich für die Koexistenz von Beutegreifern und Nutztierhaltern in einer Region mit artgerechter Nutztierhaltung im Freien – vor allem in Almgebieten, aber auch in peripheren Siedlungslagen - unumgänglich. Die Kosten dafür sind nicht den Herdenbesitzern als Betroffenen anzulasten, sondern müssen von der Allgemeinheit getragen werden. Dazu braucht es in erster Linie ein neues Verständnis von der Sinnhaftigkeit einer durch Beutegreifer bereicherten Natur, die Akzeptanz der Gesamt-Bevölkerung und die massive Unterstützung der Nutztierhalter durch die öffentliche Hand. Die Rückkehr des Beutegreifers Wolf und parallel dazu die Artenverarmung durch die intensiv betriebene Landwirtschaft erfordern gleichermaßen, dass politisch und beruflich Verantwortliche im Bereich der Landwirtschaft von der Regierung und vom Ministerium abwärts bis hin zu den Bezirksbauernkammern rasch neue Wege gehen. Die Installation eines Wolfsbeauftragten ist ein zwar guter, wenngleich auch ein später Anfang, aber Hubert Stock und die betroffenen Bauern allein können diese Herausforderungen nicht bewältigen.

Quellen