Almgebäude

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Almgebäude auf der Kallbrunnalm in Weißbach bei Lofer
Stallgebäude aus Klaubsteinmauerwerk, oberhalb der Waldgrenze im Wildkogelgebiet
In den Hang hinein gebauter Scherm im Felbertal
Sauscherm mit Pultdach auf der Schaunbergalm im Mühlbachtal (Hohe Tauern)
Dieses Almgebäude im Wolfbachtal wird durch einen massiven Erdwall vor Lawinen geschützt

Almgebäude dienen der Almwirtschaft und zählen zum Kulturerbe des Alpenraumes und auch des Nationalparks Hohe Tauern.

Einführung

Naturräumliche Voraussetzungen und Tradition bestimmen Konstruktion, Bauweise und Gestalt von Almgebäuden mehr als im Talbereich und sind Grundlage ihres regional geprägten Erscheinungsbildes. Größe und Aufteilung des Gebäudes orientieren sich an Gegebenheiten der Landschaft und sind von Klima, Höhenlage und Bodenverhältnissen abhängig. Vor allem anderen die Sicherheit vor Lawinen und Muren, aber auch das Vorhandensein von Wasser und die Erreichbarkeit der Nutzflächen sind dabei ausschlaggebend für die Platzwahl.

Standort

Zu den sichersten Lagen zählen Schwemmkegel, Geländekuppen und Hanglagen unterhalb von Waldflächen. Wenn möglich wurde auf ebenem Grund gebaut, um Erdbewegungen, die in Hanglagen erforderlich sind, zu vermeiden. In den raren geeigneten Bereichen entstanden daher mitunter ganze Almdörfer. Auf Almen ohne absolute Lawinensicherheit wurden Almgebäude unterhalb von Felsvorsprüngen erbaut oder mit künstlichen Schutzvorrichtungen versehen. In der Regel wurden die Almgebäude am unteren Rand des jeweiligen Almgebietes erbaut, um die kürzeste Verbindung zwischen Heimhof und Alm sicher zu stellen. Auch das benötigte Holz ist am unteren Rand von Almflächen leichter zu gewinnen.

Konstruktion

Ofneralm im Hollersbachtal, aus Klaubsteinen der Umgebung aus Lawinenschutzgründen in den Hang hineingebaut

Almgebäude müssen zweckmäßig sein, auch wenn sie nur drei bis vier Monate im Jahr Verwendung finden. Sie wurden und werden daher einfacher gebaut als Gebäude im Talbereich. Die drei Funktionsbereiche des Almgebäudes - der Wohnbereich, der Stall und der Lagerraum – wurden so groß wie nötig und so klein wie möglich gehalten. Für den Almhüttenbau im Mittelalter und der frühen Neuzeit wurde kein Eisen verwendet, nicht weil Metall zu teuer war, sondern weil das Baumaterial mangels Transportmöglichkeiten aus der nächsten Umgebung gewonnen werden musste.

Unterhalb der Waldgrenzen stellte man die Gebäude daher in der Regel aus Holz, oberhalb eher aus Stein her. Lange und gerade gewachsene Fichten- und Lärchenstämme, die in den Hohen Tauern vorkommen, ermöglichten langgezogene Konstruktionen in Blockbauweise.

Erst im 20. Jahrhundert hielt neben dem Blockbau auch der Ständerbau Einzug. Obwohl kein Holzmangel bestand, verwendete man wo möglich Holz aus älteren Hütten weiter, bzw. erneut, um Baumaterial und vor allem Arbeitszeit zu sparen. Alle Holzverbindungen wurden mit Holzteilen wie hölzerne Steckzapfen hergestellt, ja sogar die Türschlösser waren aus Holz. Lediglich die Schlüssel bestanden aus Eisen.

Die winzigen Fenster verfügten über eine einfache Schiebevorrichtung und waren ohne Glaseinsatz. Die Kleinheit der Fensteröffnungen ließ die Gebäude nachts weniger auskühlen. Die Gebäude wurden mit einfachen Zimmermannswerkzeugen meist mit Hilfe von Dienstboten oder der Nachbarn, hergestellt. Die robust hergestellten flachen Dächer boten den Witterungseinflüssen wie Wind oder Lawinen wenig Angriffsfläche.

Gebäudetypen

Die einfachste Form ist die Notunterkunft, die in extremen Hochlagen aus Klaubsteinen errichtet und mit Steinplatten abgedeckt wurde. Die großzügigste Anlage ist die relativ komfortable Almhütte, regional unterschiedlich auch Sennhütte oder Kaser genannt, die über Wohnraum für das Almpersonal, Arbeitsraum zur Verarbeitung der Milch, Lagerraum zur Lagerung der Milchprodukte und eine ausreichende Stallfläche verfügt. Die Grundrisse wiesen oft quadratische Form auf.

Dachformen

Ansdach

Die Dächer ergaben sich in ihrer Form aus der Gesamtkonstruktion des jeweiligen Gebäudes. Die ursprüngliche Form war das sog. Ansdach. Hier wurden die Blockwände bis zum Giebel hinauf gezogen. Die waagrecht verlaufenden Pfetten, die das Dach tragen, wurden auf die immer kürzer werdenden Querbalken der Blockwände aufgelegt.

Pfettendach

Heute ist nicht mehr das Ansdach, sondern das materialsparende Pfettendach üblich. Hier liegt die Dachlast auf drei bis fünf starken, waagrechten Balken, die Pfetten genannt werden, auf. Sie sind gegenwärtig in Form flacher Dachkonstruktionen mit weit vorspringenden Dachsäumen die charakteristischen Almgebäudedächer.

Sattel- und Pultdach

Neben den oben erwähnten Dachformen kommen auch das symmetrische Satteldach und das asymmetrische Pultdach auf Almen vor. Letzteres wird vor allem dann aufgesetzt, wenn das Gebäude aus Sicherheitsgründen direkt an einem Felsen errichtet werden muss.

Dacheindeckungen

Legschindeldach

Die Eindeckung der Dächer erfolgte in der Regel mit Holzschindeln ohne Verwendung von Nägeln, abgesehen von den Dachkanten, wo die Schindeln mitunter vernagelt wurden. Die Schindeln wurden auf einem Lattenrost sehr dicht verlegt und mit Bruchsteinen auf querliegenden Latten beschwert. Dieses Legschindeldach, auch Schwerdach genannt, ist aber an flache Dachneigungen gebunden.

Nagelschindeldach

Erst das später aufkommende Nagelschindeldach, bei dem die Schindeln vernagelt werden, erlaubt steilere Dächer. Die Schindeln bestanden üblicherweise aus Lärchenholz. Bemerkenswert ist, dass handgeklobene Schindeln eine Lebensdauer von bis zu 50 Jahren erreichen können.

Steinplattendach

Viel seltener und erst weit oberhalb der Waldgrenze finden sich Steinplattendächer. Diese sind aber an das Vorkommen plattig brechender Gesteine gebunden. Für einen Quadratmeter Dachfläche benötigt man ca. 4 m² an Steinplatten.

Moderne Dacheindeckungen

Heute werden zur Eindeckung von Almgebäuden meist Blech, Eternit oder Ziegel verwendet. Nur dort, wo traditionelle Dacheindeckungen gefördert werden, wie beispielsweise auf der Kallbrunnalm und im Nationalpark Hohe Tauern, werden weiterhin Schindeldächer verwendet.

Almgebäudefunktionen

Alle Almgebäude stehen mehr oder weniger in Zusammenhang mit der Viehwirtschaft. Fachleute unterscheiden drei Nutzungs-Grundtypen. Auf Sennalmen und gemischten Almen - früher die am meisten verbreitete Almnutzungsform – ist die zentrale Gebäudeform die der Sennerei. Auf den Ochsen-, Jungvieh- und Pferdealmen war früher die sog. Halterhütte üblich. Sie diente mangels Milchverarbeitung nur als Wohnraum und Unterstand für den Hirten. Darüber hinaus gibt es auf den Bergmahdflächen neben einfachsten Mähderhütten auch Heustadel und Tristen zur Lagerung des gemähten Grases.

Almgebäude haben meist vielfältige An- und Umbauten hinter sich. Die Gebäudeteile sind daher unterschiedlich alt. Ehemalige Schweineställe wurden zu Geräteschuppen oder Holzlagen umfunktioniert. Meist ist das Errichtungsdatum eines Almgebäudes nicht bekannt, da nichts dokumentiert wurde. Auch über das Ende der Nutzung heute verfallender Almhütten weiß man wenig. Der Bauzustand, bzw. das Verfallstadium sagt wenig aus, da das extreme Klima in Hochlagen den Gebäuden zusetzt und außerdem Teile alter Hütten abgetragen wurden und anderweitig Verwendung fanden.

Wohngebäude

Die zentralen Bestandteile eines Wohngebäudes auf der Alm sind Bettstatt, Feuerstelle und ein stabiles Dach über dem Kopf. Je nach Region und nach Funktion entwickelten sich zahlreiche Varianten an Wohngebäuden. Wohngebäude und Stall sind entweder unter einem Dach vereint oder wurden als eigenständige Bauten in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander errichtet. Sennereien sind aufgrund ihrer mehrfachen Funktion die größten Almgebäude.

Halterhütten

Mangels Milchverarbeitung dienten diese zur Übernachtung eines oder zweier Halter, der Zubereitung von Mahlzeiten und als Zufluchtsort bei schlechter Witterung. Sie waren daher einfach und klein und in der Regel aus Holz auf einem Steinfundament errichtet. Bei sehr alten Halterhütten bestehen auch die Grundmauern aus Trockensteinschlichtungen. Die Zimmerung war üblicherweise roh und die Wände bestanden aus wenig behauenen Balken.

Stall

Der Stall ist das Rückgrat der Vieh- und Milchwirtschaft auf den Almen. Er diente (und dient) in erster Linie zum Melken der Kühe. Die Ställe sind entweder mit einem eigenen Trakt oder im Untergeschoß der Sennhütten untergebracht oder stehen frei neben dem Senngebäude. Der Boden bestand früher aus fest gestampfter Erde oder aus dem sog. „Stecklboden“, der aus Aststücken, die senkrecht in den Boden getrieben wurden, gestaltet wurde. Der frei errichtete Stall wurde in ähnlicher Bauweise wie das Senngebäude konstruiert. Frei stehende Ställe verfügten meist über große Grundflächen. Sie sind heute meist verfallen. Die kleinsten Ställe, im Pinzgau Scherm genannt, hatten eine Grundfläche von bis 25 m² und dienten als Kälber oder Schweinestall, oder auch als Unterstand für Ziegen und Hühner. Rinderställe waren bis zu zehnmal so groß.

Pfrenger
Ehemalige, auch heute noch fast intakte Pferchanlage im Hollersbachtal

Pfrenger sind Pferche, in denen das Vieh, zu seinem Schutz und um es zusammen zu halten, nachts, bei Schneefall während Gewittern und vor dem Viehtrieb untergebracht wurde. Ihre Bauweise orientierte sich am Gelände und war nicht streng rechteckig. Sie lagen an einem zentralen Punkt der Almfläche und in der Nähe einer Wasserstelle. Pfrenger sind letzte Reste ursprünglichster Almwirtschaft, in der es noch keine überdachten Stallgebäude gab. Beispielsweise im Tauerntal bei Mallnitz sind die Überreste von alten Pferchen meist in Höhen von 2 000 m ü. A. zu finden. Sie markieren dort die oberste Stufe der Almwirtschaft.

Einfacher Unterstand
Ehemaliger einfacher Unterstand eines Schafhirten auf der Weißeneckalm im Hollersbachtal

Einfache Unterstände für Hirten und für Mäher in der Zeit der Bergmahd dienten meist nur für wenige Tage ihrem Zweck und waren mehr als schlicht. Solche Unterstände sind die einfachsten Formen von Almgebäuden. Hirtenunterstände bestanden aus einem einzigen Raum, oft nicht größer als 2 m² und kaum mannshoch.

Mähderhütten waren bis zu 10 m² groß. Geschlafen wurde auf einer mit Erlenreisig bedeckten Bettstatt. Im vorderen Hüttenbereich befand sich die Feuerstelle. Der Rauch zog kaminlos durch das Dach ab. Der Hüttenboden bestand aus gestampfter Erde. Im Lungau gab es eine Sonderform der Mähderhütten, die „Mankai-Hütten“. In ihrer einfachsten Form bestanden sie aus einem Erdloch von 0,5 bis 0, 75 cm Tiefe, das entweder völlig flach oder mit vorne etwas aufgestützten Brettern bedacht und innen mit Heu ausgelegt war. Bei einer zweiten Form wurden kleine rechteckige Rasenstücke zu einer Mauer oder einem kleinen Erdwall aufgeschichtet, darauf kamen die Dachbrettter zum Liegen. Bei einer dritten Form wurde außer den Rasenstücken kaum Erdreich ausgehoben und diese Hütte misst dadurch etwa 80 cm Höhe über dem Erdboden. Mankai-Hütten dienten ausschließlich zum Schlafen. Es wurden daher daneben sog. Kochhütten gebaut: eine Feuerstelle, mit zwei beidseitig in die Erde gerammten Pflöcken, mit einem Querbalken verbunden, von dem zwei Stangen schräg nach hinten auf den Erdboden führten, auf denen dann die Deckbretter befestigt wurden, die einen primitiven Schirm bildeten.

Im Felbertal und im Amertal bestanden oft überhaupt keine Unterstände für Mäher. Sie mussten daher unter Felsvorsprüngen oder unter einer „Scherm-Tax“, einer bis zum Boden beasteten Fichte, Schutz suchen und dort die Nacht verbringen.

Heustadel und Heutriste
Ein einst der Bergmahd dienender Heustadel auf einer Alm bei Hollersbach im Pinzgau

Heustadel oder Heuhütten und Heutristen dienten als Zwischenlager von der Mahd bis zum Abtransport im Winter. Hütten und Tristen waren nicht für die Almwirtschaft gedacht sondern für den Heimhof. Sie zeigen heute noch an, wie weit verbreitet einst die Bergmahd war. Heuhütten sind einfach gezimmerte Rundholz-Blockbauten. Erst im 20. Jahrhundert wurden sie auch in Ständerbauweise errichtet. Abgesehen vom Fundament sind es reine Holzbauten.

In Heutristen, in Salzburg auch „Triststatt“ genannt, wurde das Heu unter freiem Himmel gelagert, wobei zum Schutz vor Bodennässe entweder Fichtenreisig oder Steine ausgelegt wurden. In der Mitte der Triste befand sich eine Triststange, die senkrecht in den Boden gerammt war und der Triste so die nötige Stabilität verlieh. Auf das Fundament schichtete man das Heu in Kegelform auf und bedeckte die Spitze des Kegels mit einem Rasenziegel.

Mit dem Ende der Bergmahd, das im Bundesland Salzburg nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzte, verloren diese Heuhütten ihre Funktion.

Besondere Gebäude
Ruine des Hieronymus-Berghauses auf dem Gasteiner Radhausberg

Zusätzlich zu den geschilderten Gebäuden fanden sich auf Almen viele Gebäude, die mit almwirtschaftlicher Nutzung nur mittelbar zu tun haben und heute meist nur mehr als Almwüstung bemerkbar sind. Es waren dies vor allem der Viehwirtschaft dienende Schwaighöfe, dem Schutz von Tauerngehern dienende Tauernhäuser, sowie Berghäuser, die einst dem Tauernbergbau dienten.

Siehe auch

Quellen

  • Michael Jungmeier und Judith Drapela, Almen im Nationalpark Hohe Tauern. Wissenschaftliche Schriften, S. 80. Nationalpark Hohe Tauern. Universitätsverlag Carinthia, 2004, Nationalparkrat
  • Salzburgwiki, Stichworte Almwirtschaft und Pferch