Pferch

Aus Salzburgwiki
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Fast völlig intakte kleinräumige Pferchanlage im Umfeld des Maurerkogels in den Kitzbüheler Alpen
Großflächige Pferchanlage im Großglocknergebiet, die unter kluger Einbindung eines natürlichen Felsbandes und einer natürlichen Halbhöhle (Viehunterstand) errichtet wurde
Almleben heute: Die Momentaufnahme zeigt die Überreste einer historischen Pferchanlage am Südabhang der Hohen Penhab. Auf dem Almweg links läuft eine junge Einheimische mit Sportkinderwagen im Trainingstempo bergauf, in der Mitte sind Wandertouristen unterwegs und unten fährt ein Almbauer, der Elemente eines Elektrozaunes zur Errichtung eines mobilen modernen Pferches an einen anderen Standort transportiert.

Ein Pferch, mundartlich Pfrenga (von Pfrenger), ist in den Hohen Tauern, in den Pinzgauer Grasbergen und im Tennengebirge ein meist mit einem Steinhag aus Klaubsteinen eingefriedetes - d. h. umzäuntes Areal, das zum Sammeln und Zusammenhalten der Weidetiere zum Schutz vor Raubtieren während der Nacht, während eines Schlechtwettereinbruches, sowie vor dem Viehtrieb und auch während des Melkens genutzt wurde.

Einführung

Aufmerksamen Bergwanderern, denen das Gipfelerlebnis allein nicht genügt, fallen in Bergtälern, in denen oft heute noch Almwirtschaft betrieben wird, gelegentlich Strukturen im Gelände in das Auge. Manche bilden die Überreste verfallener Almhütten (Alm-Wüstungen) oder ehemaliger Hirtenunterstände (Halterhütten) und dort wo Goldbergbau betrieben wurde, auch Ruinen ehemaliger Berghäuser. Daneben finden sich andere Klaubsteingebilde, die aufgrund ihrer Größe und Lage nur als ehemals genutzte Viehpferche - auch Pfrenger genannt - gedeutet werden können.

Etymologie

Der Begriff Pferch, mittelhochdeutsch pferrich, althochdeutsch pferrih, pfarrih, mittelniederdeutsch perk, mittelniederländisch par(ri)c, per(ri)c, mundartlich je nach Region „Pförch“ oder auch „Pfrenga“ (Salzburger Pinzgau) genannt, ist eine gallo-romanische Ableitung zu einem iberischen parra (Spalier). [1]

Form und Lage

Pferche weisen unterschiedliche Größen und Formen auf. Sie können rundlich oder rechteckig sein. Auch gibt es unregelmäßige Formen. Sie können aber auch eine oder mehrere kleinere Anbauten aufweisen, die vermutlich dem Hirten als Unterkunft und Materiallager dienten. Pferche befinden sich in der Regel im Bereich einer Geländeverflachung, wobei dahinter das Gelände steil ansteigen kann. Sie wurden in der Nähe von Wasservorkommen und von Geröllhalden angelegt, die das Baumaterial für die Trockenmauern lieferten.

Funktion

Pferche dienten dem Zusammenhalten vor allem der Kleintiere wie Hausschaf und Hausziege während der Nacht und bei Schlechtwetter, zum Schutz vor Absturz und vor Raubtieren wie Bär, Wolf und Luchs, sowie dem Sammeln der Weidetiere vor dem Viehtrieb. In den Pfrengern wurden aber auch die Kühe gemolken.

Zeitstellung

Wie die im Zuge von hochalpiner Wüstungsforschung gewonnenen Fundzusammenhänge auf der Pitschenbergalm im Tennengebirge belegen,[2] stammen einzelne ehemalige Pferchanlagen aus Klaubsteinmauern in den Salzburger Almgebieten bereits aus der Bronzezeit. Andere Anlagen stammen aus keltischer Zeit, wieder andere aus dem Mittelalter.[3] Pferche wurden bis in die Neuzeit hinein errichtet. Moderne Pferchanlagen wie jener vom Elendboden - siehe Bildergalerie - stammen aus der Gegenwart.

Blick in die Zukunft

Angesichts der bevorstehenden Rückkehr des Wolfes – neben mehrfachen Wolfsnachweisen im Gebiet des Nationalparks Hohe Tauern im Jahr 2016 und in anderen Landesteilen, konnten im Gebiet des Truppenübungsplatzes Allensteig in Niederösterreich im August 2016 erstmals nach der Ausrottung der Wölfe vor 100 Jahren vier Jungwölfe, die hier geboren wurden, nachgewiesen werden – kommen neben Hirten und Herdenschutzhunden möglicherweise auch Pferchanlagen neuerlich eine Bedeutung zu. Diese werden wohl nicht aus Klaubsteinen, sondern wo ein Bedarf besteht, mittels mobiler Schutzelemente errichtet und mit Solarstrom betrieben werden.

Bildergalerie

Quellen

  1. Kluge, Friedrich, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Walter de Gruyter – Berlin – New York 1989, S. 539
  2. http://www.anisa.at/Tennengebirge_hochalpine_Wuestungsforschung_Archaeologie_ANISA_Forschungswoche_2016.html
  3. Markus Mahlknecht/Andreas Putzer, Strukturen im Hochgebirge - Beispiel Schlandraun Tal (Vintschgau, Südtirol), S. 117 - 130, in: Archäologie in den Alpen. Alltag und Kult, Hrsg. ANISA, Verein für alpine Forschung, Haus im Ennstal, Nearchos, Band 19, 2010