Hausschaf

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Alpine Steinschafe, die urtümlichste inneralpine Hausschafrasse
Alpiner Steinschaf-Widder
Widder in Schwarzenbach bei Uttendorf
"Schwarze Schafe" in Piesendorf
Schafe bei einer Viehtränke im Hüttwinkltal
Schafherde am Knappenbeutelsee
Ehemalige Pferchanlage auf der schon im 15. Jahrhundert nachweislich genutzten Weißeneckalm im hinteren Hollersbachtal, die vor allem mit Schafen und Ziegen bestoßen wurde
Dieses ehemalige Almgebäude war ein Hirtenunterstand auf der Weißeneckalm im Hollersbachtal
Schafwolle und Dung sind alles, was nach dem Almsommer zurückbleibt
Nach dem Almabtrieb weiden Schafe bis zum Wintereinbruch auf Talwiesen

Das Hausschaf stammt nach neuesten Erkenntnissen vom armenischen Wildschaf (Mufflon) ab und wurde vor etwa 10 000 Jahren zuerst in Anatolien (Türkei)domestiziert.

Bezeichnungen

Die männlichen erwachsenen Tiere werden als Böcke oder Widder bezeichnet, die weiblichen erwachsenen Tiere heißen im Bundesland Salzburg Mutterschafe und die Jungtiere werden meist als Lämmer bezeichnet, wobei Lämmer nach Alter und Geschlecht unterschiedlich gehandelt werden:

  • Milchlamm: nicht älter als sechs Monate, aber mindestens acht Wochen alt;
  • Mastlamm: Die Bezeichnung gilt für Lämmer bis zu einem Alter von einem Jahr;
  • Jungschafe werden auch als Jährlinge bezeichnet.

Weitere Bezeichnungen sind:

  • Hammel für das männliche, über ein Jahr alte und kastrierte Tier;
  • Bock für das männliche, über ein Jahr alte und nicht kastrierte Tier;
  • Schaf für das weibliche, über ein Jahr alte Tier. Mit dieser Bezeichnung ist das „Mutterschaf“, das heißt das zur Zucht eingesetzte Schaf, gemeint.

Eigenschaften und Nutzen

Seit etwa 3.000 vor Christus wird das Hausschaf wegen seines Fleisches und wegen der Wolle gehalten. Daraus folgt, dass das Hausschaf gemeinsam mit dem Hund, dem Schwein und der Ziege zu den ältesten Haustieren des Menschen zählt.

Schafe sind weltweit verbreitet. Sie sind robust, genügsam und in Bezug auf Klima und Nahrungsangebot anpassungsfähig. In praktisch allen Kulturen wurden und werden Schafe gehalten. Das Schaf dient lebend als Woll- und Milchlieferant, als Schlachttier als Fleischlieferant. Aus der Milch werden Erzeugnisse wie Joghurt, Kefir und Käse zubereitet. Neben Milch, Wolle und Fleisch liefern Schafe auch das Rohmaterial für Leime, Kerzen und Seife. Selbst der Darm wird bei der Wurstherstellung, als Bespannung von Tennisschlägern, als Saiten auf Musikinstrumenten und früher auch als Nähgut im medizinischen Bereich gebraucht. Der Schafskot ist darüber hinaus ein wichtiger Dünger.

In Europa wird vorwiegend das Fleisch der Schafe genutzt, in Asien nimmt die Wollproduktion den größeren Stellenwert ein. Neuseeland nimmt in beiden Produktionssparten einen Spitzenplatz ein. In Afrika ist die Produktivität geringer, wobei die dort gehaltenen Rassen mehr für die Haar- und Pelzproduktion gezüchtet wurden. Schafe sind auch als Kulturpfleger zur Kurzhaltung der Grasnarbe, beispielsweise auf Deichen, wo ihre Hufe auch die nötige Bodenverfestigung bringen, gefragt.

Verbreitung

Es gibt weltweit noch etwa eine Milliarde Schafe. Davon leben ca. 40 % in Asien, 20 % in Afrika und 15 % in Ozeanien – mehrheitlich in Neuseeland und in Australien. Der Rest entfällt auf Amerika und Europa. In Europa werden die meisten Schafe in Großbritannien gehalten. In den EU-Ländern sinkt der Bestand ständig. Dies führt man auf die Reform der gemeinsamen Agrarpolitik und die Entkoppelung der Prämien von der Produktion zurück.

Während es in Deutschland einige Wanderherden gibt, wird im Bundesland Salzburg gegenwärtig nur standortgebundene Schafhaltung praktiziert, wobei die Herden in den Gebirgsbezirken im Sommer meist in Almbereiche aufgetrieben werden und dort selbständig wandernd den Sommer über verbleiben. In den vergangenen Jahrhunderten wurden Schafherden auch in den Hohen Tauern von Hirten – sog. Haltern – betreut und bei Schlechtwetter, während der Nacht oder vor dem Viehtrieb zu ihrem Schutz gepfercht.

Rassen

In Europa steht mit Ausnahme der Berggebiete die Intensivhaltung zwecks Fleischproduktion an erster Stelle und werden daher diesem Ziel entsprechende Rassen gehalten. Somit ist die Lämmermast der wichtigste Zweig der Schafhaltung.

Bis in die 1950er-Jahre des 20. Jahrhunderts stand der Wollertrag im Fokus der Schafhalter. Baumwolle und chemische Fasern haben die Wolle von ihrem früheren Platz verdrängt. Vorher bestand der wirtschaftliche Ertrag zu 90 % aus Wolle und die restlichen zehn Prozent brachten die Lämmer. In der Zwischenzeit hat sich das Verhältnis umgekehrt. Wenige Züchter arbeiten auf die Steigerung der Milchleistung hin. Die extensiven Rassen werden zur Landschaftspflege eingesetzt und erhalten dadurch beispielsweise in Deutschland die Heideflächen. Ohne sie käme es zu einer Versteppung und Verwaldung der Heide.

Fortpflanzung

Der Menstruationszyklus bei Schafen kann saisonal oder auch asaisonal sein. Der Zyklus beträgt 21 Tage und die Empfängnisbereitschaft je Zyklus drei Tage. Die Tragezeit umfasst ca. fünf Monate (150 Tage), kann aber nach Rasse leicht variieren.

Krankheiten des Schafes

Die unterschiedlichen Krankheiten beim Hausschaf werden durch Bakterien, durch diverse Virusarten und durch andere Erreger verursacht. Allgemeint bekannt sind die Maul-und Klauenseuche und die Blauzungenkrankheit.

Schafrassen

Die Schafrassen können nach unterschiedlichen Kriterien benannt und eingeteilt werden. Das sind Wolltyp (Langhaar, Kurzhaar), Nutzungsrichtung (Fleisch, Wolle oder Milch) und der Grad der züchterischen Bearbeitung. Traditionelle europäische Rassen, die sich mehr für die extensive als für die intensive Haltung eignen, sind vom Aussterben bedroht. Das gilt auch für das in den österreichischen Berggebieten heimische Steinschaf. Es gab und gibt zahlreiche Versuche, das genügsame und robuste Steinschaf durch das Einkreuzen von Schwarzkopfschafen oder anderer Rassen im Fleischertrag zu verbessern.

Das Schaf und sein Niederschlag in Berg-, Flur-, Hof- und Ortsnamen

Das Schaf spiegelt sich in zahlreichen Namensgebungen wider. Nicht nur Bergnamen wie der Lammstein in der Hundsteingruppe, oder der Schafelkopf, einer der Gipfel der Drei Brüder, aus denen der Wortbezug für Jedermann sofort erkennbar ist, auch andere Namen verweisen auf das Hausschaf.

In der Pinzgauer Mundart wird das Mutterschaf Aa, bzw. d`Ä oder Eb genannt. Diese Bezeichnung "Ä" zeigt sich in in der Bezeichnung Asten für Schafstall, in Hofnamen, Bergnamen und in Flurnamen wie Amoos, Areit, Abreder, Aberg oder Asitz. Daraus wird ersichtlich, welche Bedeutung der Schafhaltung und Schafzucht in den Gebirgsgauen einst zugekommen ist.

Schafe oder Ziegen werden im Pinzgau mundartlich auch als Graggviich oder Graggarach bezeichnet.

Das Schaf als Gegenstand von Kunst und Kultur

Die Metapher „Hirt und Herde“ wird für Christus und die Menschen und in der Pfarrgemeinschaft für Priester und Gläubige verwendet. Bekannt ist auch das Lamm (Gottes), das die Kirchenfahne trägt.

Das Schaf im Volksmund und in wissenschaftlichen Studien

„Seine Schäfchen ins Trockene bringen“ und das „schwarze Schaf“ sind bekannte Redensarten.

Schafe gelten häufig als dumm und furchtsam. Forschungsergebnisse beweisen aber, dass sich Schafe über 50 Gesichter von Artgenossen über zwei Jahre lang merken können.

Bereits Lämmer sind in der Lage, unbekömmliches Futter zu vermeiden und für sie bekömmliche Pflanzenteile zu erkennen. Schafe lernen aus Erfahrung und sind in diesem Sinne keineswegs dumm. Legendär ist der Kreis, den die Schafe bei starker Sonneneinstrahlung ohne Sonnenschutz bilden, dabei ihre Köpfe zwischen die Vorderbeine senken und die Atmung reduzieren.

Bildergalerie

weitere Bilder

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Quellen

  • Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Hausschaf"

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