Anton Bucher

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Anton Bucher

Anton A. Bucher (* 1960 in Altbüron, Schweiz) ist Religionspädagoge.

Leben

Anton Bucher absolvierte nach der Matura 1980 das Studium der Theologie und Pädagogik an der Universität Fribourg und habilitierte 1990 an der Universität Mainz. Seit 1993 ist er Professor an der Universität Salzburg, ab 1998 Studiendekan der Katholisch-Theologischen Fakultät.

Vorgestellt

Anton Bucher hat ein gutes Gespür für Nischen. Hatte er schon immer. Die erste Nische, die er in seiner Schweizer Heimatgemeinde Altbüron besetzt hatte, war das Amt des Ministranten. "Ich habe das gern gemacht", sagt er. Nicht um es der Familie oder dem Pfarrer recht zu machen: "Das war die einzige Möglichkeit, echte Freude an der Messe zu haben. Ich durfte das Weihrauchfass schwenken, Glöckchen läuten – es gab immer was zu tun." Sein Mitgefühl galt währenddessen seinen Freunden: "Die mussten auf ihren harten Bänken sitzen."

Das Wort "mussten" kommt dem sonst so eloquenten Erzähler nur zögerlich über die Lippen. Das liegt daran, weil ihm jede Form von Zwang innerhalb einer Religionsgemeinschaft zuwider ist. Erst recht in seiner, der römisch-katholischen. In dieser hat Bucher heute eine neue Nische besetzt.

Denn die Kirche ist geteilt: Eine Hälfte lässt sich ohne Murren leiten, die andere verlässt schimpfend die Gemeinschaft. Bucher dagegen möchte vermitteln: "Man muss die Wurzel der Missstände suchen, sie beleuchten und dann eine Lösung finden." Er geht die Dinge prinzipiell positiv an.

So wie 2000, als ihm aufgefallen war, dass es auffallend viele Studien über Depressionen von Kindern gibt. Also ließ er 1000 Salzburger Kinder befragen, was sie glücklich macht. Das Ergebnis: "Am wichtigsten war ihnen eine intakte Familie und ein Haustier", antwortet er. So einfach wäre es also und so einfach war es auch bei ihm.

Bucher wuchs auf dem Bauernhof seiner Eltern mit fünf Geschwistern auf: "Drei Hektar, drei Kühe. Wir waren glücklich", sagt er.

Was er sich für die österreichischen Katholiken wünscht? "Dass sie so locker werden wie die Schweizer", sagt er. "Stellen Sie sich vor: Die Luzerner Landeskirche ließ eben erst 3000 Kondome mit dem Slogan 'Schütze Deinen Nächsten' verteilen. So was ist in Österreich nur schwer vorstellbar."

Liebe und Sünde. Über diesen Zwiespalt unter den Katholiken hat Bucher in den vergangenen Jahren viel nachgedacht. Herausgekommen ist dabei das faszinierende Buch Die dunkle Seite der Kirche (Galila Verlag). Das klingt nach Abrechnung – ist aber keine. Das Buch ist eine von Respekt und Liebe getragene Ursachenforschung aktueller Kirchenprobleme, allen voran der Kindesmissbrauch. Den führt Bucher unter anderem auf die "Verkindlichung" der Kirche zurück: "Da ist immer nur vom Heiligen Vater, der Mutter Kirche, von Sünde, Gehorsam und Unterwerfung die Rede." Da dürfe man sich nicht wundern, wenn die Kirche auch unreife Männer anziehe. Auch die Tatsache, dass die meisten Heiligen ein Einsiedlerimage haben, locke psychisch labile Männer in die Kirche. Was also tun?

"Die Ehe ist ein Sakrament", sagt Bucher. "Die Kirche sollte endlich einmal ein Ehepaar mit einem erfüllten Sexualleben heiligsprechen."

Quelle