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Dürrnberger Einhof

Der Dürrnberger Einhof in und um Hallein im Tennengau war die Hofform der Dürnberger Knappen, die Kleinbauern waren und als Zuerwerb das Recht hatten – und (theoretisch) heute noch haben – im Salzbergwerk zu arbeiten.

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Die Dürrnberger Knappen erwirtschafteten den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien als Kleinbauern, die im Zuerwerb als Knappen tätig waren. Sie konnten nicht mehr als zwei bis drei Kühe füttern und nur wenig Getreide anbauen. Der an die Bauerngüter (Lehen) gebundene Arbeitsanspruch im Salzbergwerk bestand in einer bestimmten Anzahl von Arbeitsschichten. Die Hofform entsprach wie überall den wirtschaftlichen Verhältnissen und den geographischen Gegebenheiten.

Die Bauweise

Größe und Einteilung des Dürrnberger Einhof wird vom geringen Raumbedarf bestimmt. Es ist zu vermuten, dass dieser Wohnraum- und Wirtschaftsraumbedarf schon zu Beginn der Rodungstätigkeit durch kleine Einfirstanlagen gedeckt werden konnte. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich diese zu den heute noch bestehenden Formen entwickelt. Der Dürrnberger Einhof ist ein sog. primärer Einhof, der typologisch dem Tennengauer Einhof zuzuordnen ist. Diese Hofform hat sich im 12. Jahrhundert und im 13. Jahrhundert „an der sonnigen Ostflanke des Salzachtales und in den nördlichen Ausläufern der Osterhorngruppe als typische Kolonisationsform herausgebildet.“

Der Stall

Der Stall des Dürrnberger Einhof liegt dem nur einraumtiefen aber zweigeschossigen Wohnteil unmittelbar an. Über dem Stall befindet sich als Heuboden der Bergeraum, der über die von der Bergseite zugängliche Hochtenne in den Wohnteil reicht. Wohn- und Wirtschaftsteil waren daher nie eigenständige Einzweckbauten, die später zusammen gefügt wurden, sondern schon von Beginn an unter einem Dach in ein gemeinsames Gebäude zusammen gesetzt. Der Grundriss ist allerdings sehr unterschiedlich, was zwei Ursachen hat: die oft steilen Hanglagen, die einen geordneten Grundriss verunmöglichen, und die Tatsache, dass nicht selten aus Kostengründen zwei Familien unter einem Dach hausten. Diese Höfe nannte man Gemeinhäuser. Das Zusammenleben zweier Familien erfolgte jedoch in getrennten Wohnräumen und bei getrennter Wirtschaftsführung in je eigenen Stall- und Bergeräumen.

Der Wohnteil

Die meisten Dürrnberger Einhöfe sind giebelseitig aufgeschlossene Mittelflurhäuser. Auf einer Seite lagen Küche, Stube, und Stübl, auf der anderen der sog. Gaden, in dem die Speisekammer und der Stall untergebracht waren. Vermutlich schon seit dem 16. Jahrhundert waren die Stuben als Kachelstuben mit Hinterladeröfen aus graphitierten Topfkacheln ausgebildet. Die sog. Riemlingdecke mit dem Wärmloch wird von einem Trambalken getragen, in den das Baujahr eingeschnitzt ist. Das hintere Ende des Flurs schließt die Küche mit schliefbarem gemauertem Kamin, der den Rauch über das Dach ableitet. Bis ins späte 19. Jahrhundert war der darunterliegende Herd offen. Sein Nachfolger wurde der in der Form des Sesselherdes aus Kacheln aufgesetzte Sparherd, der im 20. Jahrhundert oft in die Stube “wanderte“, was diese zur Wohnküche umwandelte. Im Obergeschoß verläuft über dem Flur der Söller, von dem auch die Stubenkammer, die Stüblkammer, die kleine Tenne und der Heuboden zugänglich sind. Die kleinen Heumengen wurden vielfach nicht eingefahren sondern mit Heunetzen eingetragen. Die Wände des Wohnteile waren stets in Blockbauweise gezimmert, während der Stall in verschaltem Ständerbau ausgeführt war.

Der Übergang zum Mauerwerk

Der Übergang zum Mauerwerk setzte erst im 18. Jahrhundert ein und zwar zunächst nur bei den erdgeschossigen Stallwänden. Die Blockwände des Wohnteiles wurden nach und nach innen und außen verputzt, um Mauerwerk vorzutäuschen. Schindeln als Außenverkleidung kamen erst im 19. Jahrhundert auf und diese haben sich aber in der Zwischenzeit zu einem charakteristischen Merkmal herausgebildet. Häuser mit Tür- und Fensterumrahmungen aus Marmor und mit steilen Schopfdächern standen im Besitz besser gestellter Bergleute, nämlich von Hutmännern und Bergmeistern. Die Legschindeln der flach geneigten Pfettendächer wichen im 20. Jahrhundert modernen Hartdachmaterialien. Das alte Pfettendach am Lechnerhaus Nr. 18 im Ortsteil Oberplaick, das jetzt Schaitbergerhaus genannt wird, hat sich sehr schön erhalten. Sein Hochfirst weist die Jahreszahl 1614 auf. Joseph Schaitberger, der seine Heimat 1686 verlassen musste, wurde jedoch in einem anderen Haus geboren, das durch einen Neubau ersetzt wurde.

Quellen

  • Kurt Conrad, „Der Bauer und sein Hof“ in „Reformation - Emigration, Protestanten in Salzburg“, Ausstellungskatalog zur Ausstellung 21. Mai bis 26. Oktober 1981, Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Amt der Salzburger Landesregierung – Kulturabteilung, Salzburg