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Salzbergwerk Dürrnberg

Begriffsklärung
Dieser Artikel behandelt die Geschichte des Salzbergwerks am Dürrnberg. Ein Artikel über das Schaubergwerk findet sich unter Salzwelten Hallein bei Salzburg.


Das Salzbergwerk Dürrnberg am Dürrnberg im Halleiner Stadtteil Bad Dürrnberg war eines der ältesten Salzbergwerke der Welt. Heute wird es nur mehr als Schaubergwerk geführt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vor Christi Geburt

Die geologischen Voraussetzungen, nahe der Erdoberfläche befindliche Salzlager, führten zu Salzquellen, die schon 2 500 bis 2 000 v. Chr. von Jägern und Sammlern genutzt wurden. Etwa 600 v. Chr. wurde dann mit dem Untertagbau auf dem Dürrnberg von den Kelten begonnen. Der dadurch erworbene Reichtum kann heute noch anschaulich im nahe des Bergwerks befindlichen Keltendorf bestaunt werden. Um Christi Geburt, als das Land ins römische Reich als Provincia Noricum eingegliedert wurde, wurde erstmals der Salzabbau eingestellt. Man vermutet, dass die Meersalzgewinnung der Römer günstiger und ergiebiger war als der beschwerliche Untertagabbau.

Zur Zeit der Fürsterzbischöfe

Wieder interessant schien der Abbau erst um 1198 unter Erzbischof Adalbert III. von Böhmen, der dem Abt von St. Peter, Wichpoto, die Salzlager am Dürrnberg bereits um 1185 abgekauft hatte. Denn im Jahr 1198 wurde erstmals eine Salzpfanne in "muelpach"[1], einem Ort im Bereich der aufgegebenen keltischen Talsiedlung urkundlich erwähnt. Diese Bezeichnung wird im Laufe des 13. Jahrhunderts durch die Namen Salina und schließlich Hallein (= kleines Hall) abgelöst.

Ende des 12. Jahrhunderts wurde in Gamp (heute Hallein), das Campus einer römerzeitlichen Straßenstation, die ersten Salzpfannen in Betrieb genommen. Eine Soleleitung über den Riesenweg im Raingraben brachte das flüssige Salz zu Tal.

Die Saline Hallein wurde zur führenden Saline im 13. Jahrhundert im süddeutschen Raum. Im Mittelalter bildeten die Bergwerke am Dürrnberg und zeitweise auch die von Berchtesgaden eine der wichtigsten Einnahmequellen der Salzburger Erzbischöfe.

Wer sottete Salz

Die Verteilung der Halleiner Pfannen sah Ende des 13. Jahrhunderts wie folgt aus: Das Erzstift sott auf den Pfannen Werch, Zistel, Haus, Tiling, Wieting und einem Viertel Niederhofs; die Erzabtei St. Peter auf der Pfanne Tacking, das Domkapitel und das Kloster Salmansweiler auf der Pfanne Oberhof, die Klöster Nonnberg und Raitenhaslach auf der Pfanne Niederhof und die Herren von Goldegg auf der Pfanne Altgoldegg.

Wie wurde Sole erzeugt

Hatte man zu vorchristlicher Zeit das Gestein in Brocken aus dem Berg geholt, brachte das so genannte Laugverfahren, das nun angewandt wurde, deutliche Erleichterung und höhere Ausbeute. Dabei wurden zunächst kleine Hohlräume im Berg geschaffen, die man mit Wasser voll laufen ließ. Nach etwa drei Wochen der Auslaugung des Gesteins wurde die Sole mit bestenfalls 26 Prozent Salzgehalt abgepumpt bzw. abgelassen und in Salzpfannen verdampft. Zurück blieb Grobsalz.

So wurden in Hallein 1542 rund 22 000 Tonnen Salz produziert (im Vergleich: Reichenhall: 12 000 Tonnen, Hallstatt: 11 000 Tonnen, Aussee 10 000 Tonnen und Schellenberg: 5 000 Tonnen). Vor dem Salzkrieg 1611 steigerte Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau die Produktion auf 36 000 Tonnen[2]. Nach der Auseinandersetzung sank aber die jährliche Produktion auf einen Durchschnittswert von 22 000 Tonnen.

Die Stollen

Hauptartikel Salzbergwerksstollen am Dürrnberg

1315 begann man den sanft geneigten Hoswasch- (auch Raitenhaslach genannten) Stollen anzufahren, 1320 den Linderberg-Stollen und den Goldeggerberg-Stollen; später folgten noch der Melltheuer Tagschurf und andere Stollen wie der Johann-Jakobberg-Stollen.

Männer im Salz

Franz Dückher, der Salzburger Chronist, berichtet in seiner Saltzburgische Chronica von zwei Männern im Salz. 1573 wurde der der erste Mann im Salz gefunden, eine Leiche eines in keltischen Zeit verunglückten und in Salz konservierten Bergmannes. Aber der Salzburger Historiker Herbert Klein korrigierte dann das Funddatum auf das Jahr 1577[3]. Dückher berichtet noch von einem zweiten Fund 1616 in der Regierungszeit von Erzbischof Paris Graf Lodron.

Reichtum und Kriege

siehe auch: Salzkrieg

Die Salzburger Erzbischöfe, die mehr als die Hälfte ihrer Einkünfte aus dem Salzhandel auf der Salzach erwirtschafteten, waren natürlich an einer Monopolstellung interessant. Im Osten, im Salzkammergut, besaßen die Habsburger die Salzminen, im Berchtesgadener Land hatten die bayerischen Könige Einfluss. Durch geschickte Preispolitik gelang es so den Erzbischöfen im 16. Jahrhundert eine Vormachtstellung im gesamten Ostalpenraum zu bekommen. Vor allem Reichenhall litt unter dieser Wirtschaftspolitik. Es kam auch zu Salzkriegen, deren prominentestes Opfer Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau wurde. Nachdem die Habsburger ihre Salzminen besser vermarkteten und über Linz Zugang zu Böhmen bekam, ging Salzburg der wichtige Absatzmarkt Böhmen (der über Salzach, Inn und Passau versorgt wurde) verloren.

Diese wirtschaftlichen Einbußen führten zu einer weiteren Verarmung der ohnehin nicht reichen Bergknappen. Vorläufiger Höhepunkt des Niedergangs des Dürrnberger Salzbergwerks waren die Protestantenausweisungen in den Jahren 1731/32, bei denen auch 780 Dürrnberger Bergknappen mit ihren Familien das Land verließen.

Besucher im Dürrnberg

Im 18. Jahrhundert setzte langsam auch die Nachfrage nach Besuchen im Berg ein. Dies war jedoch damals nur mit einem Erlaubnisschein, ausgestellt vom Pfleger, möglich. Schließlich war der Berg und Salz so etwas wie die Schatzkammer der Erzbischöfe.

Die Besucher musste auf dem steilen Knappenweg den Dürrnberg erklimmen. Dieser war an morastigen Stellen mit Hohlbohlen ausgelegt. Die Gäste wurden auf Schlitten bergwärts gezogen und talwärts fuhren sie darauf.

Karl Graf von Zinzendorf besuchte am 2. April 1764 das Bergwerk. Angereist war er von Salzburg am Fürstenweg in Begleitung einer illustren Gesellschaft: Graf Auersperg, Fürst Lobkowitz, Graf Thun und andere des Salzburger Adels begleiteten ihn. Belsazar Hacquet|Belsazar Hacquet]], früher Alpinist aus der Bretagne, Frankreich ("Erstbesteiger" der Pasterze) war 1784 im Salzburger Land und stattete dem Bergwerk ebenfalls einen Besuch ab. Der Geograf Christoph Meiners schrieb in einem Reisebuch 1791 über das Salzbergwerk. Auch Franz Josef Graf von Sternberg veröffentlichte 1793 kritische Beobachtungen zum Gruben-Tourismus auf dem Dürrnberg. Weitere Persönlichkeiten, die das Bergwerk besuchten: Johann Georg Keyßler (1792), Joseph August Schultes (Reise durch Salzburg und Berchtesgaden, II. Band, Wien, 1804), Franz Sartori (1811), Ludwig Hermann Friedländer (1815), August Graf von Platen (um 1800).

Domherr Friedrich Graf Spaur brachte 1798 ein Dürrnberger Besucherbuch heraus. Franz Michael Vierthaler, Landschaftsmaler Franz Rechberger aus Berlin (1799), Daniel Busch und Carl Conjota (1799, beide aus München), sowie Lorenz Hübner finden sich als Besucher des Bergwerks im Besucherbuch.

Als Pionierin in Sachen Reisebeschreibungen besuchte Elisa von der Recke anlässlich einer Italien-Reise 1804 Salzburg und Hallein samt Bergwerk. Sie wohnte in Salzburg im Hotel zum Goldnen Schiff. Helmina von Chezy schrieb in Hallein ist gut rasten.

Der Salzburger Naturforscher Carl Ehrenbert Freiherr von Moll war als leitender Direktor im Bergwerk tätig.

Das 19. Jahrhundert

Nach dem Anschluss 1816 an die k. k. Monarchie Österreich mussten sich das Dürrnberger Bergwerk und die Saline Hallein in das bestehende österreichische Salinenwesen ein- und unterordnen und verloren gänzlich an Bedeutung.

1860 sind mehr als 200 Bergarbeiter im Salzbergbau tätig, die im Dürrnberg 27 Salzerzeugungswerke betreiben. Erzeugt wurden 40 000 Zentner offenes Salz, 186 000 Fässersalz, zusammen im Wert von 1.260 000 Gulden. Zudem wurden noch einige tausend Zentner an Vieh-, Dung-, Fabrik- und Steinsalz abgegeben. [4]

Das 20. Jahrhundert

Kunstschätze-Depot

Am 19. Juni 1945 stellte die US-Militärregierung die im Halleiner Salzbergwerk zu Kriegsende deponierten Kunstschätze, darunter Gemälde von Rembrandt, Rubens, Tizian, Velasquez und Bruegel, sicher; ebenfalls dort aufgefunden wird eine Radiummenge im Wert von 15 Millionen Dollar; im Oktober erhält das Wiener Radium-Institut das kriegsbedingt ausgelagerte Radium zurück;

Das Ende der Salzgewinnung

Am 27. Juli 1989 wird die Soleleitung unter Tag im Ruperti-Stollen abgedreht, am 31. Juli 1989 die Salzkompressoren in der Saline auf der Pernerinsel. Die 160 Mitarbeiter, die zum Zeitpunkt der Stilllegung noch bei den Salinenbetrieben angestellt waren, trugen an diesem Tag alle schwarze Krawatten oder Armschleifen. Zuletzt wurden im Salzbergbau etwa 270 000 m³ Sole gewonnen und daraus in der Saline 71 000 Tonnen Industriesalz erzeugt. Der Standort war für die Österreichische Salinen AG nicht mehr rentabel, die Technik veraltet, das Salzmonopol vor dem Fall.

Die rund 200 Grundbesitzer über den Gruben auf österreichischer und bayerischer Seite haben heute noch ein Recht auf Arbeit im Berg. Das erstritten sie sich nach der Privatisierung der Salinen AG 1997. Verbrieft sind diese "Schichtrechte" in der Salinenkonvention aus 1829, dem ältesten Staatsvertrag zwischen Österreich und Bayern. 2002 stellte der Oberste Gerichtshof den aufrechten Bestand dieser Rechte fest. Im Alltag lassen sie sich freilich nicht ummünzen. Auch Salzdeputate, 56 Kilo pro Jahr, stehen den Schichtberechtigten zu. Die Salinen Austria liefern das Salz aus Ebensee. Zusätzlich gibt es noch das "Kopfsalz" – 6,5 Kilo pro Kopf – für die Familien aller ehemaligen Salinenbediensteten.[5]

Technische Daten

Vom 64,72 Kilometer langen Stollensystem im Dürrnberg sind 11,88 Kilometer begehbar. Diese verteilen sich über 21 Horizonte (unterirdische Stockwerke des Salzbergwerkes), davon sind neun begehbar und heute wird auf keinem Horizont mehr Sole erzeugt. Der Salzgehalt beträgt durchschnittlich zwischen 30 bis 35 Prozent.

Siehe auch

Quellen

Einzelnachweise

  1. Mühlbach war der Name des Marktes, bevor Hallein um 1230 seinen Namen erhielt und zur Stadt erhoben wurde
  2. dieser Produktionswert wurde erst wieder in den 1960er Jahren erreicht!
  3. Quelle Gertraud Steiner Salz als Attraktion - Der Dürrnberg und seine Geschichte, 1998, Otto Müller Verlag, ISBN 3-7013-0969-8
  4. Auskunfts-Buch über alles Sehens- und Wissenswürdige in und um Salzburg von 1860, Seite 35
  5. Salzburger Nachrichten, 24. Juli 2009