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Tennengau

Karte
TennengauSalzburgFlachgauPongauLungauPinzgauLage des Tennengau im Land Salzburg (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Straßennetz
Landesstrassen Tennengau.jpg
Basisdaten
Verwaltungssitz: Hallein
Fläche: 668,29 km²
Einwohner: 60 164
(1. Jänner 2018)
Bevölkerungsdichte: 90 Einwohner
je km²
Gemeinden: 13
KFZ-Kennzeichen: HA
Unselbständig Beschäftigte: 25 248
Das Bild zeigt Oberalmer Kühe und Strommasten, darunter das Wiestal, dahinter Adnet und im Hintergrund links das Tennen- und rechts das Hagengebirge
Blick vom Trattberg Richtung Abtenau

Der Tennengau ist eine Landschaft im Norden des Bundeslandes Salzburg. Als politische Verwaltungseinheit wird er nach seiner Bezirkshauptstadt Hallein als "Bezirk Hallein" bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Tennengau, Tännengau und andere Begriffe

Der Tennengau ist der jüngste Bezirk des Bundeslandes, er wurde erst 1896 endgültig vom Flachgau getrennt, mit dem er bis zur Teilung Salzburgs den Salzburggau bildete. Der Name des Gaus ist eine Begriffsfindung des 19. Jahrhunderts und setzte sich erst zögerlich durch.

Tannen gibt es zwischen Salzburg und dem Pass Lueg so manche, nicht mehr aber Tennen, also Dreschplätze. Von letzteren hat der politische Bezirk Hallein den Namen Tennengau erhalten. Die Bezeichnung taucht erst 1874 auf, damals noch mit „ä“ geschrieben - 1907 vom damaligen Landeshauptmann-Stellvertreter August Prinzinger als „sachlich wie sprachlich unmögliche Form“ abgelehnt. Dessen ungeachtet wurde Alt-Landeshauptmann Albert Schumacher zwei Jahre später als „Ritter von Tännengau“ in den erblichen Ritterstand erhoben.

Romanen betonten das Ende

Sprachforscher Ingo Reiffenstein ist im zweiten Band des Historisch-Etymologischen Lexikons der Salzburger Ortsnamen der Herkunft der Ortsbezeichnungen im Tennengau akribisch auf den Grund gegangen. So erfährt man, dass die Betonung auf der letzten Silbe ein Zeichen für einen romanischen Ortsnamen ist, wie etwa der Gollinger Ortsteil Torren oder Vigaun, bei denen ortsunkundige und Navi-Stimmen Gefahr laufen, mit ihrer Aussprache bei Einheimischen für Gelächter zu sorgen.

Kahler Göll und trockene Taugl

Die Taugl bei Trockenheit.

Eben hinter dem Torrener Berg – richtig ausgesprochen auf der zweiten Silbe – beginnt das bei Naturfreaks und Wanderern beliebte Bluntautal, dessen Name Reiffenstein aus dem Mittelhochdeutschen für „verfinstern“ herleitet. Was angesichts der eingepferchten Lage zwischen Hagengebirge und Göllstock nachvollziehbar erscheint. Der 2 522 Meter hohe Hohe Göll verdankt diesen Namen seiner unbewachsenen Gipfelregion, die slawische Bewohner mit ihrem Wort „galu“ für „kahl“ bezeichneten. Verborgen ist die Taugl, nämlich vollständig, wenn sie bei Trockenheit im Unterlauf versiegt. Kein Wunder also, dass das althochdeutsche „tougal“ für „verborgen“ und „geheim“ hier die Namenspatenschaft übernahm.

Hallein hieß früher Mühlbach

Bis 1249 gibt es schriftliche Belege, dass Hallein früher Mühlbach hieß. Die dortige Saline war danach namensgebend, aus dem deutschen Wort entwickelte sich schließlich Hallein, das jedoch nichts mit dem Wortstamm „sal“ für Salz, sondern „hall“ für Saline zu tun hat. Und wer meint, Hallein am Ende betonen zu müssen, liegt zumindest sprachhistorisch gesehen daneben. Die Stadtteile Gamp (von „campus“ für Feld) und Rif (von „ripa“ für Ufer) sind waschechte Römernamen.

Struppiges Krispl, Kuchl mit Kapuze und Rußbach mit weißer Weste

Die Gemeinde Krispl darf die Bezeichnung für das „struppige Unterholz“ als namensgebend für sich reklamieren. Kuchl hat dem aus der Talebene aufragenden Georgenberg, lateinisch „cucullus“ - Kapuze, seinen Namen zu verdanken. Rußbach am Paß Gschütt, erst seit 1903 als Gemeinde aus Abtenau herausgelöst, bezieht seinen Namen nicht vom schmutzigen Ruß, sondern von der althochdeutschen Bezeichnung für die Ulme, veraltet noch als Rüster bekannt.

Öfen mit Wasserspülung und Liebesspiel auf dem Berg

Dass in den Lammer- und Salzachöfen ebenso wie in der Ofenau nicht gebacken wird, sondern dort das Wasser aufgrund der engen Klamm brodelt, ist jedem spätestens nach einem Besuch dort klar. Der Spielberg in Krispl, benannt nach dem Liebesspiel der Birk- und Auerhähne, eignet sich nichtsdestotrotz dank seiner grasbewachsenen Hänge für Familien zum verspielten Wandern.

Geografie

Der Tennengau grenzt im Norden an den Flachgau und erstreckt sich dabei beinahe bis zur Landeshauptstadt Salzburg. Im Süden trennen ihn das Tennen- und Hagengebirge vom Pongau. Im Westen grenzt er an den bayrischen Landkreis Berchtesgadener Land, während im Osten der oberösterreichische Bezirk Gmunden liegt.

Der Tennengau wird bereits von Bergen dominiert, nur Richtung Norden öffnet sich das Salzachtal ins Salzburger Becken. Im Süden und Westen ragen die ersten Gipfel der Nördlichen Kalkalpen wie der Göllstock oder die Berge der Osterhorngruppe wie der Schlenken oder der Schmittenstein empor, wobei Letztere der Flyschzone der Voralpen zugeordnet werden.

Die gesamte Fläche des Tennengaus beträgt 668,30 km². Hallein ist mit 21 150 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2018) die zweitgrößte Stadt des Bundeslandes Salzburg. Abtenau mit 186,95 km² die mit Abstand größte Gemeinde im Tennengau. Die kleinste Gemeinde ist Oberalm mit 6,39 km².

Gemeinden

Gemeinden Tennengau01.jpg
Blick auf den nördlichen Grenzbereich des Tennengaus zum Flachgau

Der Bezirk umfasst eine Stadt und 12 Gemeinden:

Stadt
Hallein
Marktgemeinden
Abtenau, Golling an der Salzach, Kuchl, Oberalm
Gemeinden
Adnet, Annaberg-Lungötz, Bad Vigaun, Krispl, Puch bei Hallein, Rußbach am Paß Gschütt, St. Koloman, Scheffau

Geschichte

Der Tennengau hat wesentlich zum Wohlstand der Salzburger Erzbischöfe durch sein Salzvorkommen am Dürrnberg beigetragen. Aber schon mehr als ein Jahrtausend früher konnten die Kelten am Dürrnberg Salz gewinnen und haben uns so zahlreiche Funde beschert, die man im Halleiner Keltenmuseum bewundern kann, im Keltendorf in Bad Dürrnberg wurde ihr Leben nachgestellt.

Noch zwei weitere geschichtliche Punkte rücken den Tennengau in den Blickpunkt Salzburger Geschichte. Im Freiheitskampf der Salzburger um 1800 spielte der Pass Lueg eine wichtige Rolle. 1809 fand am 25. September der Angriff der Salzburger Schützen unter Führung von Joseph Struber auf den französisch besetzten Pass statt, den Struber für seine Truppe entschied.

Im Stille Nacht Museum Hallein gedenkt man an Franz Xaver Gruber, Komponist des Liedes Stille Nacht, Heilige Nacht, der die letzten Jahre seines Lebens in Hallein verbrachte und dort begraben ist.

Wirtschaft

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert war Hallein bis in die 1980er Jahre ein wichtiger Industriestandort. Der Niedergang begann mit dem Ende der Salzproduktion der Saline Hallein 1987. Die Solvay Halvic Hallein schloss 1997 und 80 Arbeitsplätze gingen verloren. 1998 zog Reckitt Benckiser Austria Ges.m.b.H. seine Produktion aus Rif und weitere 70 Arbeitsplätze ab.

2002 ging die bekannte Stefanitsch Wurst- u. Fleischwaren Ges.m.b.H. & Co KG in Konkurs und 300 Menschen mussten sich um eine neue Arbeit umschauen. Die ROCO Modellspielwaren GmbH hatte am 15. Juli 2005 Konkurs beim Landesgericht Salzburg beantragt. Weitere 300 Arbeitsplätze gingen für Hallein verloren. Überraschend schloss 2007 die Schuhfabrik Rohde-Schuh Gesellschaft m.b.H. und hinterließ eine Lücke von 60 Arbeitsplätzen. Im Februar ging die Ära Modeversand La Redoute zu Ende, ebenfalls 60 Arbeitsplätze weniger. Und schließlich kündigte Johnson & Johnson Ges.m.b.H., die 2002 zum Staatspreis für Arbeitssicherheit wurde, 2009 weitere 150 Arbeitsplätze.

Neu entstanden war 1999 die MDF-Hallein GmbH & Co KG in Hallein-Neualm, ein Unternehmen der binderholz-Gruppe

Am 14. Jänner 2009 verkündete der Inhaber der M-real Hallein AG das Ende der Papierproduktion mit 30. April 2009 und den damit verbundenen Verlust von 485 Arbeitsplätzen.

Entwicklung Arbeitslose

  • 2001: 3,1 %
  • 2013: 4,7 %

Persönlichkeiten

Liste nicht vollständig, weitere Persönlichkeiten - siehe bei den einzelnen Orts-Artikeln.

Panoramaaufnahmen vom Tennengau

Rundsicht vom Untersberg bis zum Tennengebirge
Roßfeld Panorama nach Süden
Roßfeldpanorama in den Tennengau und die Osterhorngruppe u. Tennengebirge

Von der Roßfeld-Panoramastraße hat der Besucher auf der einen Seite die Berchtesgadener Alpenlandschaft und auf der anderen Seite einen Einblick ins über 1000 m tiefer gelegene Salzachtal und über den nördlichen Tennengau.

Bilder

 Tennengau – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki
 Tennengau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Literaturtipps

Quellen

Weblinks