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Das Selbstverständliche tun

Maria Prieler-Woldan: Das Selbstverständliche tun, Studienverlag Innsbruck-Wien-Bozen 2018

Das Selbstverständliche tun

Autorin: Maria Prieler-Woldan
Verlag: Studienverlag
Erscheinungsjahr: 2018
ISBN 978-3-7065-5664-4

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsangabe des Verlages

Die Salzburger Bergbäuerin Maria Etzer, Witwe und bereits Großmutter, wurde 1943 bei der Gestapo denunziert und wegen „verbotenen Umgangs“ mit einem Kriegsgefangenen zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt: „Dieser Franzose war mir als Hilfskraft für meine Landwirtschaft zugeteilt; er war ein fleißiger und williger Arbeiter und so habe ich ihn auch behandelt“, so Maria Etzer.

Wer hat sie denunziert? Ein Nachbar oder gar jemand aus der Familie?

Aus Erinnerungen der Enkelgeneration sowie aus Justiz- und Opferfürsorgeakten wird das Schicksal der Bergbäuerin nachgezeichnet. Das Buch entwirft ein neues Konzept von weiblichem Widerstand als „Lebenssorge“ und rückt eine bislang kaum untersuchte Opfergruppe des Nationalsozialismus in den Fokus, deren öffentliche Rehabilitierung noch aussteht.

Auszug aus einer Rezension in den Salzburger Nachrichten

Hedwig Kainberger, Redakteurin der Salzburger Nachrichten, ist der Ansicht, dass der Inhalt dieses Buch herzergreifend und exzellent recherchiert ist. "Das himmelschreiende Unrecht, das dieser Goldegger Bäuerin widerfahren ist, als sie in Salzburg im März 1943 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, schildert die Sozialforscherin Maria Prieler-Woldan. Sie bettet ihren Bericht über diese tapfere Salzburgerin in eine umfassende zeithistorische Darstellung des bäuerlichen Lebens der 20er- und 30er-Jahre im Pongau, des Nationalsozialismus in Innergebirg und einer der monströsen Absurditäten des NS-Regimes: des sogenannten verbotenen Umgangs mit einem Kriegsgefangenen."

Rezension 1

Die Enkelin Mag.a[1] Brigitte Menne aus Werfen sammelte unter zum Teil widrigen Umständen seit Jahren Material über ihre mütterliche Großmutter Maria Etzer, bevor ihre Freundin und Studienkollegin Mag.a Dr. Maria Prieler-Woldan die Aufgabe übernimmt, das Schicksal von Maria Etzer wissenschaftlich aufzuarbeiten und das Ergebnis zu publizieren. Die Sozialforscherin Maria Prieler-Woldan schildert in ihrem Buch mit dem Titel Das Selbstverständliche tun. Die Salzburger Bäuerin Maria Etzer und ihr verbotener Einsatz für Fremde im Nationalsozialismus das Leben der Pongauer Bergbäuerin Maria Etzer, die wegen ihrer religiösen und antinazistischen Haltung mit dem ihr zugeteilten französichen Kriegsgefangenen einen menschlichen Umgang pflegt. Nach Denunziation aus ihrem engeren Umfeld wird ihr ein „Geschlechtsverkehrsverbrechen“ unterstellt und Maria Etzer wird zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. 1945, nach ihrer Entlassung aus der Haft, sieht sie sich aufgrund der moralischen Verurteilung, die das Leben ehemaliger NS-Zuchthaus-Häftlinge und KZ-Insassen nach Ende des Nationalsozialismus meist lebenslänglich prägt, nicht imstande, auf ihren Hof zurückzukehren.

Der Autorin gelingt es mittels genauer Recherche und durch Gespräche mit noch lebenden Zeitzeugen und Zeitzeuginnen hervorragend, Maria Etzer und ihr ländliches Umfeld in der Zeit der NS-Diktatur zu portraitieren. Sie hat Maria Etzers Schicksal stellvertretend für eine ganze Gruppe von verdrängten NS-Opfern, nämlich jener Personen – es sind in der Mehrzahl Frauen -, die aufgrund von angeblichen Liebesverhältnissen mit Vertretern oder Vertreterinnen des „Feindes“ als politische Verbrecher verurteilt und inhaftiert wurden, aus der kollektiven Verdrängung in die Mitte unserer Gesellschaft zurückgeholt. Dieses Buch stellt nicht nur die Ehre von Maria Etzer - Bergbäuerin in Goldegg im Pongau - wieder her, es ist darüber hinaus dazu geeignet, die längst überfällige Rehabilitierung dieser Opfergruppe, die in der Rangordnung noch niedriger als die ebenfalls tabuisierten Wehrmachtsdeserteure gereiht zu sein scheint, auszulösen und voranzutreiben.

Quellen

  • Buch-Vorab-Besprechung Mag.a Hannah Menne, Die Gans ist ihr nachgeflogen, Wiener „Augustin“, Ausgabe vom 9.4. 2018
  • Das erwähnte Buch mit dem Titel Das Selbstverständliche tun. Die Salzburger Bäuerin Maria Etzer und ihr verbotener Einsatz für Fremde im Nationalsozialismus. Mit einem Nachwort von Brigitte Menne. Studienverlag 2018.
  • Hedwig Kainberger, Eine Goldegger Bäuerin stürzt ins Unglück, SN, 30. Juni 2018
  • Gespräche zum Thema mit Enkelin Mag.a Brigitte Menne und mit der Autorin Mag. Dr. Maria Prieler-Woldan

Einzelnachweis

  1. Bis 2006 war "Magister" (männlich) bzw. (seit 1993) "Magistra" (weiblich) der übliche akademische Grad für die meisten Studien auf Master-Niveau. "Mag." ist die gesetzliche (§55 Universitätsgesetz 2002) Abkürzung sowohl für "Magister" als auch für "Magistra", wohingegen aber auch (aus gleichstellungspolitischen Motiven) die Abkürzung "Mag.a" für "Magistra" propagiert und verwendet wird.