Maria Etzer

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Maria Prieler-Woldan: Das Selbstverständliche tun, Studienverlag Innsbruck-Wien-Bozen 2018
Maria Etzer (* 1890; † 1960) war eine Bergbäuerin, die zur Zeit des Nationalsozialismus Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern half.

Leben

Maria Etzer, ledige Tochter einer Dienstmagd, wurde nach ihrer Hochzeit 1911 Bergbäuerin in Goldegg im Pongau. Ihr Mann verstarb infolge einer Verletzung aus dem ersten Weltkrieg und hinterließ sie als 35-jährige Witwe. Von acht Kindern blieben vier am Leben. Maria Etzer führte zwanzig Jahre allein den Hof und zog noch drei Enkelkinder auf. Sie war Mitglied der Katholischen Frauenorganisation und blieb ihrer religiösen Überzeugung treu. Das brachte sie von Anfang an in Opposition zum Nationalsozialismus, während ihre erwachsenen Kinder dessen Faszination erlagen. Als Ersatz für heimische Arbeitskräfte wurden den Höfen Zwangsarbeiter(innen) und Kriegsgefangene vermittelt. Ein näherer Kontakt zu diesen, ja sogar das gemeinsame Essen, war streng verboten. Maria Etzer jedoch widerstand der Nazi-Doktrin, indem sie gegenüber den Fremdarbeitern ihre Menschlichkeit bewahrte: >Dieser Franzose war mir als Hilfskraft für meine Landwirtschaft zugeteilt; er war ein fleißiger und williger Arbeiter, und so habe ich ihn auch behandelt.< Aus ihrem engsten Umfeld heraus wurde sie denunziert. Wegen ´verbotenen Umgangs´ 1943 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, blieb sie bis kurz vor Kriegsende inhaftiert.

Leben in der Nachkriegszeit und Antrag auf Opferfürsorge

Nach ihrer Heimkehr war sie weiterhin verfemt und konnte jahrelang nicht auf ihren Hof und in ihr Dorf zurück. 1960 starb sie in Goldegg.

Im Nachkriegsösterreich wandten sich nur wenige solcherart verurteilte Frauen – in der Regel erfolglos – an den Staat um Opferfürsorge. Maria Etzer war eine von ihnen. Ihr Ansuchen wurde abgelehnt: „Sie hatte sich nicht ´in Wort und Tat für ein freies und demokratisches Österreich eingesetzt´ – obwohl sie zu Unrecht im Zuchthaus inhaftiert gewesen war und damit ihren guten Ruf, ihre wirtschaftliche Existenz und ihre soziale Zugehörigkeit verlor.“ (Maria Prieler-Woldan)

Rehabilitierung

Brigitte Menne, eine Enkelin, beantragte 2018 ihre vollständige Rehabilitierung nach dem Aufhebungs- und Rehabilitationsgesetz von 2009. Dem wurde am 18. September 2018 stattgegeben: „Letztlich lag der primäre Grund für Verfolgung und Verurteilung von Maria Etzer darin begründet, dass sie auch während der NS-Diktatur ihren christlichen Wertvorstellungen treu blieb und sich auch gegenüber den als Zwangsarbeitern eingesetzten Kriegsgefangenen menschlich verhielt. Ein solcher Dissens mit der NS-Ideologie war den Machthabern ein Dorn im Auge und wurde schon als Form des Widerstands angesehen…“ (Landesgericht für Strafsachen Wien, 1082 Wien, Landesgerichtsstraße 11)

Literatur

  • Maria Prieler-Woldan: Das Selbstverständliche tun. Die Salzburger Bäuerin Maria Etzer und ihr verbotener Einsatz für Fremde im Nationalsozialismus. Mit einem Nachwort von Brigitte Menne, Studienverlag Innsbruck – Wien – Bozen 2018
  • Brigitte Menne: Die Gans ist ihr nachgeflogen in: „Wege für eine bäuerliche Zukunft“, Nr. 5/2017, Wien
  • Hannah Menne: ds. In „Augustin- Wiener Straßenzeitung“ Nr. 4572018

Quellen

  • Salzburg24NS-Urteil gegen Salzburger Bergbäuerin Maria Etzer aufgehoben (abgefragt am 5. Oktober 2018)
  • Maria Prieler-Woldan: Das Selbstverständliche tun. Die Salzburger Bäuerin Maria Etzer und ihr verbotener Einsatz für Fremde im Nationalsozialismus. Mit einem Nachwort von Brigitte Menne, Studienverlag Innsbruck – Wien – Bozen 2018
  • Brigitte Menne, Enkelin

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