Eva Bacher

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Eva Bacher als Zugbegleiterin in der Pinzgauer Lokalbahn

Eva Bacher (* 1967) aus Mühlbach im Pinzgau ist Mutter von zwei Kindern und seit 2012 Zugbegleiterin und Zugführerin bei der Pinzgauer Lokalbahn.

Leben

Eva Bacher wurde 1967 als Bauerntochter in Mühlbach im Pinzgau geboren. Kein Mensch hat sich damals gedacht, dass die „Mälz“ – wie man Mädchen im Pinzgau in althergebrachter Weise im Pinzgauer Dialekt benennt - einmal nicht so „tun“ wird, wie in ihrer Generation im Oberpinzgau noch üblich: Pflichtschule, Lehre als Verkäuferin oder Friseurin, Heirat, Kinder, Haushalt… Eva Bacher besuchte auch ordnungsgemäß die Pflichtschule und wollte dann eigentlich Fotografin werden, aber man war in der Familie der Meinung, dass sie so einen „Hungerleiderberuf“ nicht zu erlernen brauche, womit alle kreativen Berufe in Bausch und Bogen gemeint waren. Gerne wäre sie auch Tierärztin oder Hebamme geworden.

Beruf

Es wurde dann eine Lehre als Hotelassistentin im Hotel Alpin in Zell am See, denn auch durch diesen Beruf öffnet sich – wenn man es so will – ein Tor zur Welt. Nach Abschluss der Lehre ging Eva Bacher für neun Monate nach Frankreich, um dort Französisch zu lernen. Anschließend heuerte sie für ein halbes Jahr auf einem Kreuzfahrtschiff an, mit dem sie das Mittelmeer befuhr und u. a. auch in Israel und in Ägypten „landete“. Vom Schiff führte sie die Lebens- und Berufsreise in die Schweiz. Es folgten 1 ½ Jahre als Hotelbedienstete in Gran Montana und die Vertiefung der Französischkenntnisse.

"Die Eva ist in Holland"

Die Liebe führte Eva Bacher schließlich ins niederländische Rotterdam. Leider verstarb ihr Partner früh und Eva Bacher stand nach siebenjähriger Beziehung wieder allein im Leben. Beruflich hatte sie in den Niederlanden als Heimhelferin zu arbeiten begonnen, machte dann eine Ausbildung als „Aktivitätenbegleiterin“ für Senioren und beeinträchtigte Menschen und später eine Ausbildung zur Reisebegleiterin. Ihre persönliche „Reise“ hatte sie in der Zwischenzeit in eine neue Beziehung mit einem Niederländer aus der ehemaligen holländischen Kolonie Surinam und in eine Schwangerschaft geführt, sodass aus der beruflichen Reisebegleitung vorerst nichts wurde. Eva Bacher bekam ihren Sohn im Jahr 1998 und ihre Tochter im Jahr 2000. Sie hatte sich Kinder immer gewünscht. In diesen Jahren arbeitete sie beruflich in der Nachschulbetreuung mit Vier- bis Zwölfjährigen. Leider entwickelte sich im Privatleben nicht alles so wie erhofft und Eva Bacher entschied sich im Sommer 2006 schließlich nach 17 Jahren in den Niederlanden allein mit ihren beiden Kindern zurück nach Österreich zu gehen. Dieser Schritt bedeutete das Verlassen der Beziehung, des Kultur- und Freundeskreises und auch der mittlerweile vertrauten Sprache.

Zurück im Pinzgau

Das Glück in ihrer prekären Lebenssituation war, dass sie bei ihren Eltern Aufnahme fand und mit ihren beiden Kindern, die nun sechs und sieben Jahre alt waren, seit deren Geburt in den Niederlanden immer Deutsch gesprochen hatte. Eva Bacher war nun erneut auf der Suche nach einer passenden beruflichen Möglichkeit und entschied sich vorerst für das „Skilehrern“. Ein Kreuzbandriss, dem ein halbes Jahr Krankenstand folgte, machte ihr einen Strich durch die Rechnung und führte sie wieder in die Kinderbetreuung, nun im Pfifferlingplatzl in Mittersill. Dort konnte sie beruflich wieder Fuß fassen, weil es aber nur eine Teilzeitarbeit war, suchte Eva Bacher weiter nach geeigneteren beruflichen Perspektiven. Als Übergangslösung arbeitete sie eine Saison in der Kinderbetreuung in der Skischule Neukirchen am Großvenediger. Dem folgte eine AMS-Schulung für Frauen in Handwerk und Technik.

“Die Eva ist bei der Bahn“

Eigentlich brachte ein Zufall die entscheidende berufliche Wende. Ihre niederländische Schwägerin hatte sich bei der Pinzgauer Lokalbahn für die Ausbildung als Zugbegleiterin beworben und schreckte im letzten Augenblick davor zurück. Eva Bacher packte die Gelegenheit beim Schopf, bewarb sich kurzerhand selbst und fand sich urplötzlich in der Ausbildung zur Zugbegleiterin und Zugführerin vor. Sie absolvierte die vorgesehene Schulung, in der Theorie und Praxis von Anfang miteinander kombiniert waren, und kam so von einem Tag auf den anderen „auf den fahrenden Zug“. Sie hat alle Prüfungen bestanden und arbeitet seit Dezember 2009 als Zugbegleiterin und immer wieder auch als Zugführerin. Sie lebt mittlerweile auch wieder in einer Beziehung mit dem niederländischen Künstler Yves Abbink, der beruflich in Uttendorf in der Skifirma Keil arbeitet und sich künstlerisch mit Malen und mit Skulpturen beschäftigt.

Eva Bacher verdankt ihren Eltern viel. Hätten sie sie mit ihren beiden Kindern nicht wieder zu Hause willkommen geheißen und die Kinderbetreuung übernommen, wären ihr weder die berufliche Neuorientierung und Ausbildung, noch die volle Berufstätigkeit möglich geworden.

Eva Bacher gefällt an ihrem neuen Beruf, dass sie einen guten Vertrag hat, dass sie immer in Bewegung ist, dass sie sich unter Leuten aufhalten kann, Berufsbekleidung bekommt und Anspruch auf Gratistransport von und zur Arbeit hat. Anspruchsvoll sind die manchmal langen Dienste - an solchen Tagen verlässt sie das Haus um 5 Uhr früh und kehrt erst um 21 Uhr nach Hause zurück. Eine echte Herausforderung ist ihr die Verantwortung, die sie als Zugführerin hat: dazu zählen u. a. die Einhaltung der Abfahrtszeiten, die Gewährleistung der Sicherheit und mitunter auch der Verschub, das bedeutet das Auseinanderkoppeln und Zusammenstellen von Waggons, wobei die Fehlervermeidung überaus wichtig ist. Eva Bacher meint, dass ihr dazu noch ein wenig Routine fehlt, was aber täglich besser wird.

Eine interessante Erfahrung ist für sie, dass ihr die Uniform und die Ansage, „Die Eva ist bei der Bahn“ Respekt und Anerkennung verschaffen. Das sei im Pinzgau noch extrem: die Bahn habe noch ein hohes Image, das auch auf die Bediensteten abfärbe.

Quellen