Goldener Steig

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Goldener Steig, Zeichnung von Andreas Hirsch

Als Goldener Steig (tschechisch Zlatá stezka) wird ein historischer Handelsweg zwischen Passau und Südböhmen bezeichnet, auf dem jahrhundertelang als wichtigste Fracht Halleiner Salz transportiert wurde.

Allgemeines

Der Goldene Steig war über Jahrhunderte hinweg einer der bedeutendsten Handelswege Süddeutschlands. Der seit dem 16. Jahrhundert gebräuchliche Name bezeichnet ein System von Saumwegen zwischen Passau und Südböhmen. Auf ihm wurde vor allem das per Schiff über Salzach und Inn nach Passau verbrachte „Weiße Gold“ über den Böhmerwald ins salzlose Böhmen weiter transportiert. Ursprünglich handelte es sich dabei allein um Salz aus der Saline Reichenhall. Ab etwa 1200 konnte die Saline Hallein die Marktführerschaft im Salzhandel übernehmen. Dem entsprechend ging in der Folge fast ausschließlich Halleiner Salz und später zusätzlich Berchtesgadener Salz aus der Saline Schellenberg über diesen Weg nach Böhmen. Als Rückfracht brachten die Säumer vor allem böhmisches Getreide mit.

Geschichte

Der älteste Weg von Passau nach Prachatitz (Prachatice) entstand wohl im 10. Jahrhundert und wurde im Jahr 1010 erstmals urkundlich erwähnt. Um 1300 entstand eine zweite Route nach Winterberg (Vimperk) und vor 1356 wurde noch ein Weg nach Bergreichenstein (Kašperské Hory) angelegt. Einer Hochblüte des Handels auf diesem Weg im 14. Jahrhundert folgte der allmähliche Niedergang. Auf der so genannten „Gulden Straß“, einer Konkurrenzroute auf bayerischem Gebiet über Grafenau, wurde das Land Passau, das damals nicht zu Bayern gehörte, umgangen. Seit 1526 regierten die Habsburger in Böhmen und versuchten, das Halleiner Salz durch extrem hohe Einfuhrzölle vom böhmischen Markt zu verdrängen, um das Salz aus ihren eigenen Salinen im Salzkammergut in Böhmen zu etablieren. Ein generelles kaiserliches Einfuhrverbot vom Jahre 1706 brachte das endgültige Ende des Goldenen Steigs als Salzhandelsweg.

Bedeutung

Über Jahrhunderte hinweg war der Goldene Steig eine wichtige Verbindung zwischen Bayern und dem Hochstift Passau auf der einen und Böhmen auf der anderen Seite des Böhmerwaldes und hatte enorme wirtschaftliche und kulturelle Auswirkungen. Dieser Weg bildete die Basis für die Rodung des Urwaldes und die Schaffung einer Kulturlandschaft und wurde zur Lebensader des Passauer Landes.

Sonstiges

Seit 1982 sind die drei Routen des Goldenen Steigs als Themenwanderwege ausgewiesen. Auf der böhmischen Seite finden sie heute als „Zlatá stezka“ ihre Fortsetzung. Das „Museum Goldener Steig“ in Waldkirchen vermittelt die Geschichte des Handelsweges und zeigt seine enorme Bedeutung für die Region auf. Seit den 1990er-Jahren wird der Verlauf des Goldenen Steigs von tschechischen Wissenschaftlern historisch und archäologisch erforscht und dokumentiert.

Bildergalerie

Ausführlicher Artikel über Salz für Böhmen

Quelle

Hirsch, Andreas: Reichenhaller Salz für Böhmen – vor 1000 Jahren wurde der Goldene Steig zum ersten Mal erwähnt, Heimatblätter (Beilage zum Reichenhaller Tagblatt) Nr. 2, 2010