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Ischler Originale

Inneres Salzkammergut
Dieser Artikel behandelt ein Thema aus dem inneren Salzkammergut in Oberösterreich. Dieses innere Salzkammergut hat zwar keine besonderen historischen Salzburgbezüge, grenzt jedoch unmittelbar an das Bundesland Salzburg und ist heute im Zusammenhang mit dem touristischen Salzkammergut mit der Salzburger Wirtschaft verbunden.


(1) Der Gamsjager
(2) Der Eisstockschütze
(3) Der Bauer

Ischler Originale ist eine Sammlung von sechs Miniaturen des Künstlers Max von Chèzy aus der Zeit um 1836. Sie zeigen Charaktere, wie sie im Salzkammergut bis Strobl herauf anzutreffen waren.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Name "Salzkammergut" für das Besitztum um Ischl wird 1656 das erste Mal urkundlich erwähnt. Als Ischl Kurort und der Lieblingsaufenthalt des Hofes und der Hofaristokratie wurde, die Herrschaften mit Equipagen, Dienerschaft und Leibarzt anreisten und die Zahl der jährlichen Badegäste auf fast 500 anstieg, suchten sich die Schöpfer der Kunst die malerischsten Plätze aus. Volkskundliche Vereine schilderten Bräuche und Trachten damit diese nicht der Vergessenheit anheim fallen. Besonders die Ischler sind bestrebt, die alte überlieferte Tracht "frei von jeder fremdländischen Beimischung" zu erhalten.

Wer den neuen Badeort, das Sommerstädtchen Ischl um 1836 besuchte, hatte reichlich Gelegenheit nicht nur den internationalen Adel, nein auch berühmte Künstlerpersönlichkeiten im Leben und Treiben zu beobachten. Dichter, Tonkünstler und Opernstars wie auch die "Meister des Pinsels" suchten sich die malerischen Plätze in Jausenstationen, Salettln, Landhäusern und der traumhaften Umgebung am Fluss aus. Künstler wie Ender, Fischbach, Gauermann, Ferdinand Georg Waldmüller; Rudolf von Alt und der Miniaturenmaler Max von Chèzy reihten sich in die Welt der Dichter, Literaten und Musiker ein.

Schöne Beispiele der Ischler Salzkammergut Menschen mit ausdrucksstarken, eigenwilligen und schrulligen Charakteren sind die sechs Miniatur Blätter von Max von Chèzy: mit Bauer, Bäuerin, Gamsjaga, Holzknecht, Dirn und jugendlichem Eisstockschützen, die sich mit akribischer Sorgfalt gemalt durch sichere Erfassung für das traditionelle, ländliche Milieu der Biedermeierzeit auszeichnen.

Der 1808 in Paris geborene Max Chèzy, Sohn des französischen Orientalisten Antoine Leonard de Chezy malte 1836 einen "in Ischl renommierten Gemsenjäger", mit Schildhahnstoß und Raubvogelkralle am grünen Filzhut. Grün ist auch die vorherrschende Farbe der Tracht des Gamsjagers (1).

Der so unternehmend dastehende junge Ischler Eisstockschütze Caspar Handel der in der althergebrachten verkleinerten Männersonntagstracht gemalt wurde, ist seinem Leibl schon etwas entwachsen, da man auch die "Hosenkraxn" darunter sieht. Etwas "schlamperd" ist auch das offene Hosenband des rechten Fußes (2).

Der Salzkammmergut-Bauer Michael Rodauer, trägt ein dunkles Seidenwams mit kugelförmigen Silberknöpfen, weißes Pfad mit rotem Seidentuch, den mit Pfauenfedern schön bestickten breiten Leibgurt, eine kurze Jacke und enge schwarze Lederhose. Lichtblaue Strümpfe und hohe Bundschuhe, den zylindrischen Filzhut mit buntem Gesteck hält er in der Hand (3).

Fröhlich und selbstbewusst zeigt sich der "famose Ischler Holzknecht Nahmens Hanns Beinsteiner". Den Dachsbart am grünen Plüschhut, die Axt schulternd, den hohen Stacklstock mit eisernem Spitz in der Hand, den ledernen "Zöger oder Ranzen" für den Wochenproviant um die Schulter gehängt, ein weitärmeliges Leinenpfoad, Steigeisen an den genagelten Bergschuhen, als Schutz der Füße die noch heute gebräuchlichen lodenen Gamaschen. Am rechten Oberschenkel in der Tasche der "irchernen " Kniehose Besteck und Eisenstreicher (4).

Ein Salzkammergut-Mädchen unter dem Namen "Stieger Dirn" im dunklen Dirndlkleid mit "Schinkenärmeln", blauer Schürze, tiefem Ausschnitt, dem rotem Busentuch und dem breitkrempigen weißen Filzhut auf dem hübschen Köpfchen. Auf der Bank neben der Rastenden ein Brotlaib und ein Gebetsbuch (5).

Alte Bäuerin am Spinnrad genannt "Sofia" trägt ein tief ausgeschnittenes dunkles Spencer-Leibchen oder "Schlawanka" mit buntseidenem Busentuch und einem blauen "Fürchta", eine aus der Stirn gerückte, bestickte Otterfell- oder Öhrlhaube deren Boden mit Goldstickerei verziert war. Die lederbesetzten, kunstvoll bestickten Schuhe treiben das Spinnrad an (6). Zur "alten Sofia" ist noch ein Gedicht übermittelt:

Oft a stoanalte Dudl
Mid an gfaltratn Gsicht
Trägt an seidan Schlawanka 
Mit Franzn und Spitz 

Diese Aquarell - Miniaturmalereien wurden 1836 "als volkskundliche Trachten des Salzkammergutes angekauft". "Herr Graf von Weißenwolff hat das halbe Honorar für den Künstler als Geschenk beygetragen." Graf Ungnad von Weißenwolff hatte ein lebhaftes Interesse für alpenländische Volkskunde. Jedes winzige Detail, auch die Lässigkeit der jungen Burschen ist ausgesucht hervorgehoben und exakt gemalt. Die gräflichen Geschlechter von Ungnad hatten einen Sitz im österreichischen Reichsrat. Vorbildcharakter hatte für ihn die großzügige Tätigkeit Erzherzog Johann auf diesem Gebiet. Die Werke des Künstlers Max Chèzy befinden sich heute in musealem Besitz. Diese Blätter sind ein wertvoller Beleg zur Ischler – Salzkammergut Trachtenvolkskunde.

Bildergalerie

Quellen

  • Adalbert Depiny: Heimatgaue 1919

Verfasser

Dieser Artikel wurde von Adele Sungler verfasst und als Word-Dokument an das Salzburgwiki gesandt. Alle Bilder aus dem Archiv Adele Sungler.