Kampf auf der Schlaberstatt

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Der Kampf auf der Schlaberstatt war ein legendärer Raufhändel zwischen Pinzgauern und Tirolern.

Geschichte

Raufereien zwischen Pinzgauern und Jochbergern an der Grenze zwischen dem Tiroler Achental und dem Glemmer Vogelalpgraben waren im 16. und 17. Jahrhundert eigentlich normal.

Noch lebende Zeitzeugen berichten davon, dass es noch bis ins 20. Jahrhundert zu Schlägereien nach Wallfahrten oder Kirchtagen gekommen war.

Was sich aber am 22. August 1706 auf der Schlaberstatt abgespielt hatte, war aber wohl einmalig.

Die Schlaberstatt

Unter dem Geißstein in den Kitzbüheler Alpen, an der Grenze zwischen dem Glemmer Vogelalpgraben und dem Tiroler Achental, befindet sich eine kleine Hochebene, Schlaberstatt genannt, früher Schläpperstatt.

Das Jahr 1706

Seit Jahrzehnten trafen sich im Spätsommer die Almleute beider Täler auf der Schlaberstatt zu einem Frey-Tanz, auch Hüata-Tanz genannt. Dieser Tanztreff wurde immer beliebter und so verwundert es nicht, dass auch am 22. August 1706 sich rund 300 Pinzgauer, meist Bauernsöhne und Knechte, überwiegend junge Menschen, trafen. Man feierte ausgiebig, wohl auch mit Schnaps, als es zu Auseinandersetzungen zwischen lödigen Tiroler Bauernknechten aus Jochberg und Pinzgauern kam.

Den polizeilichen Niederschriften nach sollen dabei 22 Jochberger dermaßen „tractiert worden seyn, dass an ihr Aufkommen noch für Stundt gezweyfelt werden muss“. Es war wohl die Übermacht der Pinzgauer mit „gewöhr, pistollen, Knittlen und Denglstöckhen“, die die Jochberger so furchtbar zugerichtet hatte.

Was diesem „Gemetzel“ folgte, war ein jahrelanger Streit vor Gericht. Letztendlich wurden 108 Mann aus dem Pfleggericht Mittersill mit einer Geldstrafe von insgesamt 191 Gulden belegt (wobei der Jahresverdienst mancher Knechte wohl kaum mehr als ein paar Gulden betragen hatte). Kerkerhaft erhielten die Anführer vom Mittersiller und Stuhlfeldener Sonnberg, der Harlandbauer und der Mayersbergbauer.

Der Grund der Auseinandersetzung

Die Pinzgauer Bauern hatten oft ihre Almweiden im Tiroler Sintersbach und Achental. Im Gegenzug bewirtschafteten die Tiroler Bauern Almen im Glemmtal im Almschluss. Noch heute gibt es einige derartige Fälle in diesem Gebiet. So lässt sich etwa in den Büchern die Alm Pfondeben bis ins Jahr 1440 zurückverfolgen. Sie gehörte den Mittersiller Bauern auf dem Pass Thurn. Grundherrschaft war damals das Stift Baumburg nördlich des Chiemsee.

Bei diesem wechselseitigen Almbetrieb kam es auch vor, dass das Weidevieh unerlaubter Weise auf die Nachbarsgründe getrieben wurde. Auch Wild- und Waldfrevel kamen immer wieder vor. Manchmal hatten diese Übergriffe dann gerichtliche Folgen.

Vor 1706 regelte man manches ohne Gericht

Eine große Auseinandersetzung wird bereits aus dem Jahr 1676 berichtet. Damals blieben die Jochberger klare Sieger. Der Jochberger Schmied und zwei Bauernknechte galten damals als die unbesiegbaren, starken Männer weitum. In Stuhlfelden kam es sogar vor, dass die Jochberger die Kirchgänger nach der Messe verdroschen. Dabei kamen auch unschuldige Beamte und Schreiber des Pfleggerichts zum Handkuss, was als besonders schändlich von den Pinzgauern empfunden wurde.

Quelle