Paul Herbst

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Der Kugelmüller vom Teufelsgraben, 01:07 min min Video

Paul Herbst (* 1970) ist der Kugelmüller vom Teufelsgraben. In dem Video erzählt der 49-Jährige, wie er das alte Handwerk erlernte - und wie lang es dauert, bis aus Kalkstein runde Kugeln werden.

Vorgestellt

Paul Herbst betreibt die Kugelmühle seit 2011. Mittlerweile weiß er genau, wie viel Wasser er vom Fluss in die kleine Hütte leiten muss, um das Laufrad aus Eichenholz anzutreiben. Der 49-jährige Seekirchner hebt nun das Rad an. Darunter bewegen sich die Steine in einer Furche aus Quarzstein im Kreis, durch die stete Reibung werden sie zu Kugeln.

Wie sich Mühle und Müller fanden? Herbst hatte vor, seine eigene Mühle zu bauen. Bei einer geologischen Führung erzählte er von seinen Plänen. Eine Teilnehmerin erklärte, dass es in Seeham eine Kugelmühle gebe, die niemand mehr benütze. Herbst musste nicht lang nachdenken. Zudem bekomme er Unterstützung von der Gemeinde: "Sie helfen mir immer, wenn etwas baulich zu reparieren ist."

Ein Jahr lang hatte Herbst gebraucht, um seine Mühle zu verstehen. Er hatte zwar Hilfe vom Kugelmüller aus Fürstenbrunn, aber jede Hütte habe ihre Eigenheiten. "Ich war knapp an der Verzweiflung, ich hatte 80 Prozent Ausschuss."

Schließlich hat er herausgefunden, wie er die Steine zuschneiden muss: Mit einem Würfel mit einer Kantenlänge von 6,5 Zentimetern erhält er die besten Ergebnisse. "Ich schneide die Steine dann noch grob rund, so funktioniert das am besten", sagt der 49-Jährige. Er weiß auch, wie er die Rohlinge auswählen muss. Die Härte des Gesteins und die Homogenität spielen eine Rolle. "Sonst zerbrechen die Kugeln."

Die Steine sammelt Herbst direkt beim Wildkar-Wasserfall. "Das ist ein Lithothamnienkalk, die Rotalgen machen schöne Wölkchen in den Stein." Aber auch dank seines Berufs findet der 49-Jährige manchmal Steine: Er ist Geologe bei einem technischen Büro.

Trotz seines Jobs kommt er 300 Tage im Jahr zur Mühle. Wenn kleine Kugeln im Quarzstein die Runden drehen, sogar zwei Mal. "Drei Zentimeter große Kugeln sind in zwölf Stunden fertig, die größeren brauchen schon drei bis sechs Tage." Er produziert 800 bis 1 000 Kugeln im Jahr, die er als Dekoration in Gasthäusern sowie im Tourismusverband Seeham und während der Handwerksausstellung auf der Schallaburg verkauft. Hin und wieder gibt er Führungen.

Seine Mühle im Teufelsgraben sei eine von nur zwei an einem historischen Standort. Sieben bis acht, schätzt Herbst, gibt es insgesamt noch im Flachgau. Der Gau sei der Ursprung des Handwerks: Im 18. Jahrhundert gab es 100 Kugelmühlen hier, allein im Teufelsgraben sechs. Sie produzierten Kugeln zur Munition für Gewehre und Schleudern, aber auch als Ballast für Schiffe und als Kinderspielzeug. 1797 wurden die Betriebe jedoch versteuert, viele sperrten zu. 1981 begann Herman Rosenstatter vom Biohotel Schießentobel die Mühle an der historischen Stätte wieder aufzubauen. "Man sieht sogar noch einen Teil der alten Mauer", sagt Herbst.

Dann holt er zwei Kugeln aus seiner Tasche. Eine davon ist aus Untersberger Marmor, hell, mit rosa Struktur. Herbst streicht mit dem Finger darüber. "Es ist schon ein lässiges Produkt. Die Oberfläche ist nie gleich, es ist immer wieder überraschend, wie die Kugel am Ende aussieht." Die perfekt gerundeten Steine seien sehr ästhetisch, manchmal erkenne er sogar Fossilien. "Es ist eine lokale Spezialität", sagt Herbst. "Und ein altes Handwerk, ein altes Wissen. Wir sollten es nicht verschüttgehen lassen."

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