Antlassei

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Das Antlassei ist ein weit verbreiteter Osterbrauch.

Inhaltsverzeichnis

Name

Sein Name leitet sich vom "Antlasstag", dem Gründonnerstag, der im Land Salzburg auch "Weichenpfingsttag" heißt, ab.

Geschichte

Bis ins späte Mittelalter war das der Tag, an dem öffentlich von der Kirche verurteilte Personen aus der Kirchenbuße entlassen wurden und ab dann wieder am Gottesdienst teilnehmen durften. Am Karsamstag wurden sie neu getauft.

Brauch

Das Antlassei ist als Segensbringer, der Gesundheit und das Ausbleiben von Unglück verheißt, für Mensch und Tier seit vielen Jahrhunderten bekannt.

Roh und gekocht, gefärbt und weiß – Einigkeit über das Antlassei herrscht allein darin, dass es eine segen- und schutzbringende Besonderheit der Karwoche ist. Diese Eier müssen von den Hennen am Gründonnerstag gelegt werden. In vielen Orten können auch karfreitags und am Karsamstag gelegte Eier als Antlasseier Verwendung finden. Aber schon bei der Frage, ob diese Eier gekocht oder roh, ob sie gefärbt oder ungefärbt ihre Wirkung tun, gibt es regionale Unterschiede. Grün und violett, als die heiligen Farben der Karwoche, dominieren bei Antlasseiern jedenfalls vor Rot. Ein Antlassei ist aber jedenfalls auch ohne priesterliche Weihe gesegnet, denn es trägt eine natürliche Weihe, weil es von der Henne an diesem besonderen Tag gelegt wurde, in sich.

Recht spektakulär in der Reihe des Segens- und Abwehrzaubers ist der Wurf eines Antlasseis über das Dach eines Hauses, wovon das Ausbleiben von Muren, Unwettern und allen sonstigen Schäden des Gebäudes erwartet wird. Ein Ei kann auch gemeinsam mit einem Holzstück, das von der "Scheitlweihe" anlässlich eines Osterfeuers stammt, vergraben werden. Dann schützt es vor Feuer und Blitzschlag. Das Ei, in der Nähe eines Baches vergraben, soll vor Hochwasser, Überflutung und zu viel Regen schützen. Ein Antlassei, auch mehrere, im Dachboden auf die Firstpfette gelegt, oder, um Haltbarkeit zu erzielen, in Kalkmilch eingelegt, schützt vor Feuer und Blitzschlag, vor Sturmschäden und Hagel.

Eingelegte Antlasseier wurden früher bis Weihnachten aufbewahrt und dann verkocht, speziell auch zum Keksebacken verwendet. Antlasseier werden auch heute noch an Patenkinder verschenkt. In Mattsee war es üblich, dass Gründonnerstags-Eier den Männern, die Freitags-Eier Frauen und Kindern gegeben wurden. An anderen Orten war es wiederum genau umgekehrt. Auch im Lungau haben die Eier der drei Kartage oft unterschiedliche Bedeutungen, die aber in den Familien nicht einheitlich sind. "Ontlaseier" wurden auch für die österliche Speisenweihe und das Ostermahl ausgewählt. Die "Benedictio ovorum", die Eierweihe, stammt aus dem Mittelalter.

Eier galten den Ahnen als "flüssiges Fleisch" und durften deshalb erst ab Ostern wieder verzehrt werden.

Ein Beispiel, dass sich Bräuche wandeln, aber nicht aussterben, ist, dass in neuerer Zeit zum Schutz auch im Handschuhfach eines Autos Antlasseier deponiert werden.

Quelle