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Drosselrohrsänger

Drosselrohrsänger im Natur- und Europaschutzgebiet Zeller See - Brutzeitbeobachtung am 2. August 2017
Drosselrohrsänger im Natur- und Europaschutzgebiet Zeller See
Drosselrohrsänger im Natur- und Europaschutzgebiet Zeller See

Der Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus) zählt zur großen Gruppe der Zweigsänger (Sylviidae).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der im Englischen Great Reed Warbler benannte Drosselrohrsänger erreicht eine Körperlänge von 16-20 cm und sieht wie eine Großausgabe des Teichrohrsängers aus. Er ist auch ähnlich gefärbt – oben braun und unten beige-weiß, hat einen ähnlichen Gesangsaufbau und vergleichbare Habitatsansprüche. Außer durch seine Größe und durch seine etwas rauere Stimme aufgrund seines proportional etwas größeren Kopfes und Schnabels – dieser ist drosselartig lang und kräftig mit einem meist dunklen Fleck an der Unterschnabelspitze, hat der Drosselrohrsänger auch einen etwas längeren Schwanz und eine etwas größere Handschwingenprojektion mit deutlich weißen Handschwingenspitzen. Auch der helle Überaugenstreif ist häufig etwas deutlicher und etwas breiter und im Durchschnitt sind Zügel und Augenstreif dunkler als beim Teichrohrsänger. Der Nacken ist braun, der Hinterhals oft etwas heller und grauer und aus der Nähe gesehen haben manche Individuen eine feine graue Strichelung auf der unteren Kehle, bzw. der oberen Brust. Seine Beine sind rosabraun oder braungrau. Beim adulten Vogel wirkt das Gefieder im Spätsommer meist etwas abgetragen, ist oberseits heller braungrau getönt und unterseits weißlicher. Der Gesang ist ähnlich dem des Teichrohrsängers. Beim juvenilen Vogel wirkt das Gefieder frisch, es ist oberseits warm rostbraun und unterseits beige getönt und die Handschwingen sind frisch und dunkel mit hellen Spitzen.

Brut und Überwinterung

Drosselrohrsänger benötigen zum Brüten hohes und dichtes Schilf und zwar genügen auch kleine Bestände, wie sie beispielsweise an Gräben vorkommen. Er baut im Schilfbestand ein stabiles Hängenest zwischen kräftigen Schilfhalmen. Der Drosselrohrsänger ist ein Sommervogel, der Ende April im Brutgebiet eintrifft und dort bis September verbleibt. Er überwintert im tropischen Afrika.

Brutverbreitung in Salzburg

Im Land Salzburg kommen nur mehr wenige Brutpaare vor. Die Wahrheit liegt zwischen einem und zehn Brutpaaren. (In ganz Österreich gibt es 1000 bis maximal 3000 Brutpaare.) Der Drosselrohrsänger gilt daher hier als akut gefährdet. Dem Ornithologen Viktor Ritter von Tschusi zu Schmidhoffen war der Drosselrohrsänger 1877 nur als Durchzügler bekannt. Es ist denkbar, dass die Art Salzburg vielleicht erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Zuge von Arealausweitungen wie beginnende Eutrophierung und vermehrtes Schilfwachstum erreicht hat. Ab den 1950er-Jahren liegen jedenfalls aus dem Salzburger Alpenvorland Bruthinweise vor. Brutnachweise gelangen erst ab den 1960er-Jahren, wobei in den 1970er-Jahren sogar ein Brutnachweis im Natur- und Europaschutzgebiet Zeller See – Seehöhe 760 Meter – gelungen ist. In den 1990er-Jahren verschwand die Art fast völlig, was mit dem großräumigen Schilfbestandsrückgang zusammenhängt. Seit dem Jahr 2000 nimmt die Anzahl der Brutzeitbeobachtungen wieder zu und zwar besonders im wiedervernässten Weidmoos. Hier konnten im Jahr 2007 drei Brut-Reviere festgestellt werden.

Von allen Rohrsängern ist der Drosselrohrsänger am stärksten von im Wasser stehenden, starkhalmigen Röhrichtbeständen des wasserseitigen Bereichs von Verlandungszonen abhängig. Durch Zerstörung und Beeinträchtigung von Röhrichtbeständen größerer Stillgewässer und Störungen von der Wasserseite durch Freizeitnutzungen kommt es zu den größten Lebensraumverlusten, woraus sich die Verantwortung des Menschen für den Bestand zweifelsfrei ablesen lässt. Maßnahmen zum Schutz dieser Art sind daher der Schutz bestimmter Gebiete, die Erhaltung seeseitiger Verlandungszonen mit Wasserschilf und Schilfinseln und das Verhindern von Beeinträchtigungen durch Freizeit- und Erholungsnutzungen mittels gewässerseitiger Ruhezonen.

Quellen

  • Slotta-Bachmayr, Leopold, Medicus, Christine, Stadler, Susanne: Rote Liste der gefährdeten Brutvögel des Bundeslandes Salzburg, Naturschutzbeiträge 38/12, HG Amt der Salzburger Landesregierung, Referat 13/02 – Naturschutzfachdienst, Salzburg 2012, S. 29 und S. 136.
  • Killian Mullarney, Dan Zetterström, Lars Svensson, Der Kosmos Vogelführer, Große Ausgabe, 2. Auflage des 2011 erschienenen KOSMOS-Vogelführers, S. 32-323.