Natur- und Europaschutzgebiet Weidmoos

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im Weidmoos
im Weidmoos
im Weidmoos
Vierflecklibelle im Weidmoos
im Weidmoos
im Weidmoos, Vogelbeobachtungsturm

Das Natur- und Europaschutzgebiet Weidmoos ist ein ehemaliges Hochmoorgebiet, heute ein Vogelschutzgebiet und Europaschutzgebiet im nördlichen Flachgau.

Lage

Es erstreckt sich ca. 20 km nördlich der Stadt Salzburg nahe der Grenze des Bundeslandes Salzburg und des Oberösterreichischen Innviertels über die Gemeinden Lamprechtshausen und St. Georgen bei Salzburg.

Geschichte

Als Moor diente es dem Menschen zum Torfabbau vor allem in der Phase der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Zunächst, bis ins 18. Jahrhundert, blieb das Weidmoos, wie auch die anderen großen Moorkomplexe des Salzburger Alpenvorlandes, eine fast unzugängliche Landschaft. Erst im Jahr 1700 verordnetet Fürsterzbischof Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein, dass „… alle Möser in den Gerichtsbezirken vor dem Gebirge beschrieben und urbar zu machen seien. …“. Die Urbarmachung zog sich bis ins Jahr 1790, als man mit der Kultivierung des Weidmooses begann.

Die Industrialisierung benötige viel Brennmaterial und durch die damit einhergehende Verknappung von Brennmaterial begann man, den Rohstoff Torf zu entdecken. Im Raum Bürmoos entwickelte sich gerade die Glasindustrie, deren Rohmaterialen direkt vor der Haustür lagen: Kalk vom Haunsberg, Sand aus der Salzach und eben Torf aus dem Moor. Moriz Gelinek baute 1920/21 seine erste Lokomotive, die im Torfwerk Lamprechtshausen-Bürmoos zum Einsatz kam.

Nach dem Zusammenbruch der Glasindustrie 1930 wurde auch der Torfabbau eingestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die „Österreichische Stickstoffwerke AG Linz“ 1947 erneut mit dem Abbau von Torf, diesmal für die großindustriellen Erzeugung von Brenntorf und Torfmull. Das Hochmoor wurde nun endgültig zu einer Industrielandschaft. Mitte der 1950er Jahre wurde der Torf nur noch zur Herstellung von Blumenerde (Gartentorf) gewonnen. 2000 neigten sich die Torfvorräte dem Ende zu, man stellte den Abbau ein und nur noch ein kleiner Rest des Hochmoores blieb bis heute erhalten.

Mit dem Ende des Torfabbaues konnte ein neuer faszinierender Lebensraum entstehen - ein Rückzugsgebiet für viele europaweit selten gewordene Vogelarten. Allerdings wurde der "Rückbau" durch den Menschen mitbestimmt. Hätte man das ausgebeutete Hochmoor sich selbst überlassen, hätte es sich sonst sehr schnell zu einer einförmigen Waldlandschaft entwickelt. Die Vogelarten hätten so ihr neues Zuhause schnell wieder verloren.

2001 wurde es aufgrund der hier vorkommenden Vogelarten als „EU-Vogelschutzgebiet“ (Richtlinie 79/409/EWG) ausgewiesen und damit in das europäische „NATURA 2000“-Netzwerk aufgenommen.

Das LIFE-Projekt Habitatmanagement im Vogelschutzgebiet Weidmoos hatte in den Jahren 2003 bis 2007 durch aktives Biotopmanagement dazu beigetragen, den Lebensraum dieser bedrohten Vogelarten auf Dauer zu erhalten und für Besucher erlebbar zu machen.

Vogelarten

Nach mehr als 20 Jahren konnte das LIFE-Projekt im Jahr 2009 wieder brütende Schleiereulen nachweisen. Seit 2009 gibt es auch einen massiven Zuwachs der Lachmöwe. Mittlerweile sind diese Vögel das ganze Jahr über wieder da, man schätzt mindestens 700 Brutpaare, Tendenz stark steigend.

Interessantes

Im Sommer 2011 zählten Ornithologen die Population der Lachmöwen mit Hilfe einer Flugdrohne. Es wurde 2 300 Brutpaare gezählt. Die Vögel blieben trotz bienenschwarmartig summender Elektromotoren der Drohnen ruhig auf ihren Nestern sitzen. So konnten aussagekräftige, hoch aufgelöste Bilder angefertigt werden.

Im Frühjahr 2013 beherbergte das Weidmoos etwa 4 000 bis 5 000 Lachmöwen, die im Mai in die großen Feuchtgebiete in das Inntaldreieck und an den Chiemsee weiterziehen. Doch vorher fressen sie neben dem ausgebrachten Saatgut auf den umliegenden Feldern in großer Zahl Bodenlebewesen wie Regenwürmer und schmälern dadurch die Fruchtfolge. So jedenfalls argumentierten Bauern aus der Region. Die Sauergräser im Moor sind sehr silikathaltig und werden deshalb von den Vögeln nicht gerne aufgenommen[1].

Literatur

Weblinks

 Natur- und Europaschutzgebiet Weidmoos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Bildergalerie

Quellen