Margaretha Moises

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Margaretha Moises

Margaretha Moises (* März 1932 in Bad Hofgastein) ist Franziskaner-Missionsschwester und seit 1953 als Entwicklungshelferin in Kolumbien tätig.

Leben

Aufgewachsen als eines von sieben Geschwistern in einer religiös wie sozial engagierten Familie bei Bad Hofgastein, tritt die Bauerntochter Margaretha Moises mit knapp 18 Jahren in den Orden der Franziskaner-Missionsschwestern ein. Sie folgt damit dem Beispiel ihrer älteren Schwester Maria Herlinde – in der Hoffnung, in Ländern wie Brasilien und Kolumbien als Entwicklungshelferin tätig sein zu können. 1953 überquert Margarete Moises von Le Havre aus mit einem Schiff den Ozean. Nach drei Wochen kommt sie in der kolumbianisch-karibischen Hafenstadt Cartagena an, wo sie heute noch tätig ist.

Die Franziskanerinnen und Franziskaner in Kolumbien betreiben Eliteschulen für die reiche Oberschicht. Der Konflikt mit den zwei österreichischen Schwestern ist programmiert. Diese fühlen sich berufen, den Ärmsten und Ausgegrenzten Zugang zu Bildung zu verschaffen. Schließlich kommt es zum Eklat: Ende der 1970er Jahre wird Margarethas Schwester Maria Herlinde inhaftiert.

Margaretha Moises tritt wie ihre Schwester aus dem Orden der Franziskanerinnen aus. Bis heute gilt die Beziehung zu der Gemeinschaft als wunder Punkt in ihrer Biografie. Doch die Kämpferin für soziale Gerechtigkeit gibt sich nicht geschlagen – obwohl sie sich wegen eines Einreiseverbots längere Zeit in Österreich aufhalten muss. Die Sehnsucht nach ihrer "Heimat Kolumbien" treibt sie an.

Nach Kolumbien zurückgekehrt, gründet Margaretha Moises 1980 zuerst CEDAL, eine Bildungs- und Kommunikationseinrichtung für Menschen, die niemals eine Schule besucht haben. Wenig später ruft sie FUNSCRI – Fundación Social Cristiana – ins Leben. Dort werden die Ideale der Franziskaner-Gemeinschaften – allerdings außerhalb des Ordens – gelebt. Bildungsarbeit und die Gründung von Schulen und Krankenstationen stehen auf dem Programm. CEDAL wird 1998 mit dem Erzbischof-Romero-Preis der Katholischen Männerbewegung Österreich ausgezeichnet.

Vorgestellt

Die kleine Dorfschule besteht nur aus einem Klassenzimmer. Als die Besucher aus Salzburg zu Mittag dort ankommen, mampfen die Kleinen gerade ihre Mahlzeit. Für die 40 Mädchen und Buben ist es das einzige Essen am Tag, das sie satt macht. Es kostet hier nur 500 Pesos (etwa 30 Cent), an den öffentlichen Schulen ist es drei Mal so teuer. Das ist einer der wesentlichen Gründe, warum die Kinder in die Schule geschickt werden.

Den zweiten Grund nennt Margaretha Moises. Die Bergbauerntochter aus Bad Hofgastein ist 1953 nach Kolumbien gegangen, zuerst als Missionarin, dann (sie studierte Theologie und Erziehungswissenschaft) als Entwicklungs- und Bildungsexpertin. Auf die Frage, was sich seither in Südamerika verändert habe, sagt Moises: "Die Eltern wollen heute, dass ihre Kinder in die Schule gehen, damit sie etwas lernen, damit sie eine Berufsausbildung bekommen, damit es ihnen einmal besser geht."

Margaretha Moises ist für ihre vielen Bekannten und Unterstützer in der "alten" Heimat der Inbegriff einer Salzburgerin, die ihr Leben in die Missions- und Entwicklungsarbeit investiert hat. Die Mittsiebzigerin lebt in zwei Welten und ist in ihrer zweiten Heimat Kolumbien mit jedem kleinen Fortschritt zufrieden. "Früher ist die Schule den Eltern gleichgültig gewesen. Die Kinder wurden daheim zum Arbeiten benötigt. Jetzt gehen die Schulen über vor Kindern. Das ist die Hoffnung, die ich für dieses Land habe", sagt Moises.

"Morgen sehen wir uns wieder", ruft die Lehrerin vorsichtshalber einem Mädchen nach, das sich nach dem Mittagessen auf den Heimweg macht. Samira San Martin unterrichtet am Nachmittag die Parallelklasse. Wie überall an der Karibikküste in Kolumbien ist die Schule zu klein. Nur wenn täglich zwei Schichten gefahren werden, können die meisten Kinder Platz finden.

Ein Dutzend Mütter drückt zur selben Zeit im Gemeindezentrum der "Fundación Social Cristiana" (FUNSCRI) die Schulbank. Hier geht es nicht mehr um Lesen und Schreiben lernen, sondern um die ersten Schritte in Betriebswirtschaft. Kleine Geldsummen werden addiert und subtrahiert – in der Hoffnung, dass unter dem Strich ein Gewinn bleibt. "Wir wollen den Frauen helfen, dass sie ihre Produkte auf den Markt bringen und finanziell auf eigenen Beinen stehen können", sagt Margaretha Moises. "Die Frau in Kolumbien ist ein Mensch, der sehr, sehr viel ertragen muss. Die Kinder erziehen, in dieser Armut zu leben, und trotzdem ein großes Gottvertrauen haben. Diese Frauen sind Lebenskünstler."

Bei FUNSCRI können Frauen einen Mikrokredit zu 1,5 Prozent Zinsen aufnehmen. Ab 55 Euro gibt es eine Starthilfe dafür, dass sie als Kleinunternehmerinnen selbst ihren Kaffee verkaufen können. Vorher müssen sie aber den Buchhaltungs- und Verwaltungskurs machen. Die Sorge, dass das geliehene Geld nicht mehr zurückkommt, hat Carlos Acuna nicht. "Die Armen zahlen ihre Kredite ehrlicher zurück als die Reichen", sagt er – wer wollte ihm da nach der weltweiten Finanzkrise widersprechen.

Die Sozialorganisation hat ihren Sitz in Pasacaballos, einem kleinen Küstendorf nahe der Großstadt und Handelsmetropole Cartagena. Gründerin war Maria Herlinde Moises, die 2006 in Kolumbien verstorben ist. Die führenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von FUNSCRI verehren die Schwester von Margaretha Moises wie eine Heilige.

Ehrungen

Anlässlich ihres 80. Geburtstages wurde Margaretha Moises von Erzbischof Alois Kothgasser mit dem Rupert- und Virgilorden in Großgold und von LH Gabi Burgstaller mit dem Großen Verdienstzeichen des Landes ausgezeichnet.

Quellen

Weblink