NS-Euthanasie-Mahnmal

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Das 2014 zerstörte und wiedererrichtete NS-Euthanasie-Mahnmal im Kurgarten nahe dem Schloss Mirabell
Der neu gestaltete Sockel des NS-Euthanasie-Mahnmals-Salzburg mit den Namen von 325 Salzburger Opfern, sowie Leerstellen für zusätzliche Namen

In der Stadt Salzburg befinden sich zwei NS-Euthanasie-Mahnmale, die an die Ermordung von mehr als 400 Salzburgern und Salzburgerinnen erinnern sollen.

Hintergrund

In der Zeit des Nationalsozialismus fielen mehr als 500 Kranke und Menschen mit Beeinträchtigung, die aus dem Bundesland Salzburg stammten oder dort wohnhaft waren, der NS-Euthanasie zum Opfer. Ihrer wurde in der im Jahr 2006 von der LAUBE 2006 gestalteten Ausstellung „LEBENS(UN)WERT – NS-Euthanasie im Land Salzburg“, die in allen Bezirken Station gemacht hat, in geeigneter Form gedacht.

Mahnmale und Stolpersteine

Die mehrfachen Versuche engagierter Salzburger Bürger und Bürgerinnen, den „Euthanasie“-Opfern auf dem Gelände der Christian-Doppler-Klinik ein würdiges Mahnmal zu schaffen, scheiterten am Widerstand prominenter Personen.

Seit dem 1. November 1989 befindet sich eine recht karg gehaltene Gedenktafel an der Außenfassade der Spitalskirche hl. Salvator auf dem Gelände der Christian-Doppler-Klinik.

Ein vom Linzer Künstler Otto Saxinger gestaltetes und zu Allerheiligen 1991 enthülltes Mahnmal, dessen Bedeutung sich in der ursprünglichen Gestaltung Laien nur schwer erschlossen hat, steht im Kurgarten nahe dem Schloss Mirabell. Zudem wurden für mehrere Euthanasieopfer aus der Stadt Salzburg und mittlerweile auch in Hallein, sowie in St. Johann im Pongau „Stolpersteine“ verlegt.

Anschlag auf das Mahnmal im Kurgarten

Das Mahnmal im Kurgarten wurde in der Nacht zum Mittwoch, dem 14. Mai 2014, brutal zerstört. Unbekannte haben den Glasaufsatz mit einem spitzen Gegenstand wie ein Stein oder ein Werkzeug (Meißel, Nothammer) mit wuchtigen Schlägen zertrümmert.

Am Tag danach rief die Stadt-SPÖ zu einer Mahnwache auf. Es versammelten sich mehr als 60 Menschen und Bürgermeister Heinz Schaden versprach, alles daran zu setzen, um das Denkmal so bald möglich wieder herzustellen.

Am 26. November 2014 fand anlässlich der Wiederherstellung des geschändeten Mahnmals ein Festakt statt, an dem auch Otto Saxinger teil genommen hat. Die Reparatur hatte beinahe ein halbes Jahr gedauert. Nun ist das Denkmal nicht nur wiederhergestellt, sondern in sinnvoller Weise erweitert worden. Um den Betonsockel wurden zudem Granitplatten verlegt, auf denen die Namen von 325 NS-Euthanasie-Opfern zu lesen sind. Neben den Namen befinden sich auch Leerstellen, die an jene Opfer, deren Namen möglicherweise noch nicht bekannt sind, gemahnen.

Die Kosten der Wiederherstellung betrugen € 15.000. Auch wurde nun von der Stadt Salzburg eine Videokamera installiert, die der Überwachung des Ortes dient.

Der oder die Täter konnten bis heute (9. Dezember 2014 Anm.) nicht gefasst werden.

Quellen

  • Wikipedia, Stichwort Universitätskliniken Salzburg – 2.1.3. NS-Zeit (und Vergangenheitsbewältigung), abgerufen am 9. Jänner 2014
  • Nöbauer, Christina, „Opfer der Zeit“ - Über das Schicksal ehemaliger BewohnerInnen der Caritas-Anstalt St. Anton in der Zeit des Nationalsozialismus. Unveröffentlichte Dokumentation für den Caritasverband Salzburg. Zell am See 2014.
  • Sprenger, Christian, Anschlag auf Mahnmal schockt Salzburg, Salzburger Nachrichten, Aus Stadt und Land, 15. Mai 2014, Titelseite und Seiten 4 und 5, sowie Freitag 6. Mai 2014 Mahnwache gegen den Hass in der Stadt, Lokalteil der SN, Seite 11, sowie derselbe Autor in Euthanasie-Mahnmal soll im Juni wieder stehen, SN, Lokalteil S. 8, 17. Mai 2014
  • Christian Sprenger, Die Euthanasie-Opfer haben wieder Namen, Salzburger Nachrichten 27. November 2014, S. 3 im Lokalteil