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Reinanke

Die Reinanken – auch Maränen, Renken, Felchen, Coregonen – (Coregonus sp.) sind eine Gattung von Fischen aus der Ordnung der Lachsartigen (Salmoniformes).

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Innerhalb der Ordnung der Lachsartigen (Salmoniformes ) gehört die Gattung Coregonus zu den „Renken und Verwandten“, die als Unterfamilie Coregoninae der Lachsfische (Salmonidae) oder als eigenständige Familie Coregonidae klassifiziert werden. Mit der Gattung Coregonus gehören die Gattungen der Weißfische (Prosopium sp.) und der Weißlachse (Stenodus sp.) zu den Coregoninae bzw. Coregonidae, die den Lachsfisch-Unterfamilien der Salmoninae (Großmaul-Salmoniden [also „Großmaul-Lachsfische“]; z. B. Lachse, Forellen, Saiblinge, Huchen) und der Thymallinae (Äschen) nahesteht.[1]

Coregoninae haben große Schuppen, die anders als bei den Heringsartigen fest sitzen. Sie haben entlang der deutlich sichtbaren Seitenlinie weniger als 110 Schuppen. Die Rückenflosse ist kurz und wird von weniger als 16 Flossenstrahlen gestützt. Die Bauchflossen sitzen niedrig. Die Schwanzflosse ist gegabelt oder deutlich eingebuchtet. Die Zugehörigkeit zu den Lachsartigen sowie allenfalls den Lachsfischen zeigt sich an der Fettflosse, die sich zwischen der Rückenflosse und der Schwanzflosse befindet. Die Tiere sind einfarbig grau, weißlich oder braun gefärbt. Sie leben im Süßwasser oder in brackigen Küstengebieten.[2]

„Coregonus“ (griech. κορέγονος) bedeutet „Winkelpupille“ – denn die Pupille ist nicht kreisrund, sondern hat (wie allerdings bei den meisten Fischen) einen Ausschnitt in die Richtung, in der vorwiegend Nahrung sichtbar wird.[3]

Die Körpergestalt der Reinanken (Coregonen) ist langgestreckt und oft seitlich zusammengedrückt, die Schwanzflosse tief eingeschnitten. Die Zähne sind schwach entwickelt oder völlig zurückgebildet. Die Färbung ist einförmig silbern glänzend.[4]

Die Reinanken (Coregonen) sind sauerstoffbedürftige Kaltwasserfische und leben meist in klaren, tiefen (ab ca. 50 m) und kühlen Seen, zum Beispiel in den Seen des Salzburger Seenlandes oder auch im Zeller See.[3][4]

Sie ernähren sich, abhängig von der Jahreszeit, von kleinen am Seeboden lebenden Wassertieren oder von Kleintieren der Freiwasserzone.[4]

Die Laichzeit beginnt meistens im Spätherbst. Die Eier werden in Ufernähe abgelaicht, wo sie zu Boden sinken oder an Wasserpflanzen haften bleiben. Die Entwicklungszeit der Eier dauert mehr als hundert Tage.[4]

Die Coregonen sind beliebte Speisefische, die gebraten, geräuchert, (selten) gekocht und gedünstet genossen werden.[3]

Reinanken in Salzburg

Klassifizierung und fischereirechtliche Erfassung

Vom Salzburger Fischereirecht werden die Renken (Coregonen) als

  • Formenkreis Renken (Coregonus sp.) und
  • Maräne (Coregonus lavaretus-Formenkreis)

erfasst. Sie gelten als „heimische Wassertiere“.[5]

Innerhalb der Gattung der Coregonen ist die Zuordnung zu einer bestimmten Art schwierig, da die Coregonen eine verwirrende Formenvielfalt entwickelt haben. In Salzburg kommen Coregonen des Formenkreises um Coregonus lavaretus vor. Körpermerkmale gestatten kaum eine eindeutige Bestimmung der Art. Die Maräne hat jedoch größere Eier und laicht früher, was eine Artzuordnung ermöglicht.[4]

Obwohl somit in Salzburg (im Prinzip) die Formenkreise der „Renken“ und der „Maränen“ unterschieden werden, unterliegen beide denselben Regelungen. Als Schonzeit hat der Landesfischereirat die Monate November und Dezember, als Mindestlänge eine Körperlänge von 33 cm festgesetzt.[5]

Die Reinanken und der Zeller See

Infolge ihrer Lebensweise und ihrer Umweltansprüche sind Reinanken ein Indikator für die Wassergüte eines Sees. Die Reinanke lebt wieder im Zeller See, in dem sie zuvor – sogar zweimal – ausgestorben war.

Durch das Einströmen der Salzach und die damit verbundene gute Sauerstoffversorgung bis in größte Tiefen war der Zeller See einst ein hervorragender Fischsee mit besonders gutem Hecht-, Reinanken- und Edelkrebsbestand. So mussten die Fischer dem fürsterzbischöflichen Hof jährlich z. B. 27 000 Reinanken dienen.[6]

Die erste schwerwiegende Beeinträchtigung des Reinankenbestandes erfolgte seit Ende des 16. Jahrhunderts durch den Eintrag metallhaltiger, giftiger Bergbauabwässer. Verschlechtert wurde die Lage durch eine im Jahr 1584 beendete Salzachregulierung, die den regen Wasseraustausch zwischen Salzach und See weitgehend unterband. In der Seetiefe kam es vermutlich zeitweise zu einem Sauerstoffschwund, wodurch die Entwicklung der Reinankenbrut, die am Seegrund vor sich geht, vielfach verunmöglicht wurde; im Zeller See ist der Sauerstoffgehalt der tiefen Wasserschichten auch deswegen von Bedeutung, weil den Reinanken bei ausbleibender Volldurchmischung bloß etwas mehr als die Hälfte der Seebodenfläche zur Verfügung steht. Jedenfalls wurden die Reinanken zu Beginn des 17. Jahrhunderts nur mehr ganz vereinzelt gefangen und waren „endlich ganz verloren“ – ausgestorben.[6]

Eine weitere fatale Entwicklung ereignete sich in den 1950er- und 1960er-Jahren durch die Einleitung häuslicher Abwässer und die damit verbundene vollständige Sauerstoffzehrung im sommerlichen Tiefenwasser. So starben die Reinanken zum zweiten Mal aus. Energische Sanierungsmaßnahmen und Fernhaltung der Abwässer führten zu Beginn der 1970er-Jahre zu einer raschen Verbesserung der Wasserqualität, sodass ein Neubesatz mit Reinanken erfolgen konnte. Im Jahr 1972 kam die Erfolgsmeldung: Der Zeller See ist wieder Reinankensee.[6]

Quellen