Edelkrebs

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Edelkrebs

Der Edelkrebs oder Europäische Flusskrebs (Astacus astacus) ist ein Gliederfüßer aus der Ordnung der Zehnfußkrebse (Decapoda).

Allgemeines

Der Edelkrebs gehört zu Familie der Europäischen Flusskrebse (Astacidae). Er ist der wertvollste Speisekrebs.

Die Weibchen erreichen eine Länge von zwölf bis 15 cm (ohne Scheren) und ein Gewicht von höchstens 200 g, die Männchen eine Länge von bis zu 20 cm (ohne Scheren) und ein Gewicht von höchstens 350 g.

Der Edelkrebs hat einen massigen, gedrungenen, schwach bedornten Körper. Dieser ist meist dunkelbraun bis rotbraun, manchmal auch blau gefärbt. Die Scheren sind breit und groß; ihre Unterseiten und Gelenke sind rot, was ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen Flusskrebsarten ist. Die Augen werden von zwei Paaren hörnerähnlicher Gebilde (Postorbitalleisten) geschützt.

Der Edelkrebs ist ein Allesfresser. Er liebt abwechslungsreiche Uferlinien und kompaktes Bodensubstrat sowie hartes, nicht saures Wasser. Er ist nachtaktiv und versteckt sich tagsüber.

Die Lebenserwartung eines Edelkrebses beträgt 15 bis 20 Jahre.

Der Edelkrebs im Land Salzburg

Gegenwart und Zukunft

Der Edelkrebs war in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten im ganzen Land in vielen stehenden und fließenden Gewässern anzutreffen. Infolge der für heimische Krebse tödlichen Krebspest – einer Pilzerkrankung – sowie der Empfindlichkeit des Tiers gegenüber chemischen Gewässerverunreinigungen gibt es aber im Land Salzburg nur noch wenige natürliche Bestände.

Wie sich in den Jahren 2002 und 2003 bei der Kartierung der Salzburger Flusskrebse ergab, besteht ein natürliches Vorkommen des Edelkrebses insbesondere noch im Prebersee (Lungau) und dessen Abfluss. Ansonsten gibt es gute Edelkrebs‐Bestände nur in einigen Teichen und Weihern, die fast ausnahmslos künstlich besetzt wurden.

Der Edelkrebs steht in der „Roten Liste der gefährdeten Tiere Österreichs“ auf Gefährdungsstufe 1 (vom Aussterben bedroht).

Chancen für eine Wiederansiedlung des Edelkrebses werden gesehen, da sich die Wasserqualität vieler Fließgewässer in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert hat und immer mehr Bäche restrukturiert werden. Dabei ist allerdings zu beachten, dass solche Bäche in keinerlei Verbindung mit Gewässern stehen dürfen, die mit Signalkrebsen – Überträgern der Krebspest – besetzt sind; dadurch scheiden sehr viele Gewässer des Flachgaus, wo die besten Voraussetzungen für eine Wiederbesiedlung gegeben wären, aus.

Geschichte

Berichte über Vorkommen und wirtschaftliche Nutzung des Edelkrebses in Salzburg reichen bis in das 15. Jahrhundert zurück. Bei den Salzburger Erzbischöfen waren die Krebse als Speise hoch geschätzt. Sie bezogen die Tiere hauptsächlich aus dem Zeller See, dessen Krebsreichtum im 16. Jahrhundert außerordentlich war. So betrug um 1560 der „Krebsendienst“, die dem erzbischöflichen Hof zu dienende Abgabe, 13 900 Stück (Mindestmaß "ohne Scheren, Kopf und Zagl" neun Zentimeter) pro Jahr. Die Krebse wurden vom St.-Ulrichs-Tag (4. Juli) bis zu Ruperti (24. September) gefangen und geliefert. Zuerst musste der Pfleger oder Seeinspektor, wie bei allen Fischlieferungen, die dem Hof zu liefernden Krebse besichtigen und ausmustern. Von dem Krebsfangergebnis wurden nur zwei Drittel an den Hof geliefert, ein Drittel erhielt gegen Fanggeld der Pfleger von Kaprun. Dann wurden die ausgewählten Tiere zu 500 bis 700 Stück in Säcke gefüllt, die zugesiegelt wurden. Sie wurden vom Jahr 1665 an von eigenen Hofkrebsträgerinnen nach Salzburg getragen. Man kann sich vorstellen, in welchem Zustand die Krebse in Salzburg ankamen. In der Regel waren in Zell drei Krebsenträgerinnen, die wöchentlich die Krebse nach Salzburg trugen; sie erhielten jährlich je zwei Metzen Roggen und Korn sowie für jeden Gang und für 200 Krebse 1 Gulden 30 Kreuzer. Für jede Krebsenlieferung stellte der Pfleger (wie für jede Fischlieferung) einen Schein aus, der an den Pässen und bei Revisionen vorzuzeigen, bei der Ablieferung zu bestätigen und bei der Heimkunft wieder abzuliefern war. Begehrt waren die Krebse auch im Ausland und nicht zuletzt bei Dieben, die sich durch schwere Strafen nicht abhalten ließen. Der Krebsbestand des Zeller Sees ging im Laufe der Jahrhunderte insbesondere durch Einleitung von Bergbauabwässern stark zurück.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert wurde in Mitteleuropa mit nordamerikanischen Krebsen die Krebspest eingeschleppt. Dieser Krankheit fiel bis in die 1950er-Jahre der Großteil der Krebsbestände Österreichs und Deutschlands zum Opfer, insbesondere auch jener des Zeller Sees.

Der Rückgang der europäischen Flusskrebsbestände führte zu der Idee, amerikanische, gegen die Krebspest immune Krebsarten einzusetzen, insbesondere den amerikanischen Signalkrebs. Über diese Tiere konnte sich die Krebspest noch weiter ausbreiten. Durch mangelnde Kenntnis und Desinteresse fielen die einheimischen Edelkrebse zunehmend der Vergessenheit anheim.

Entwicklung der Vorkommen

  • Flachgau:
    • Die großen Edelkrebs‐Populationen des Grabensees, des Wallersees und des Fuschlsees verschwanden zwischen 1930 und 1950, im Grabensee erst nach 1990 zur Gänze. Im Wallersee fällt der Rückgang des Edelkrebses zeitlich mit dem Auftreten der Bisamratte, der Seespiegelabsenkung und der Dezimierung der Unterstände, starkem Aalbesatz, Eutrophierung und sommerlichem Sauerstoffmangel zusammen.
    • Von der Fischach wurde im 15. Jahrhundert eine wirtschaftliche Verwertung von Krebsen gemeldet. Schon im 16. Jahrhundert ging die Fangmenge deutlich zurück. Die Krebspest setzte diesem Vorkommen im Jahr 1928 ein Ende.
    • Die Krebse der Hellbrunner Teiche wurden um die Jahrtausendwende in Teiche bei Scheffau an der Lammer (Tennengau) umgesetzt, wo sie weiterhin leben.
    • In der Oichten (einem rechtsseitigen Zubringer der Salzach) fiel der Ausfall des Edelkrebses mit der Bekämpfung von Borkenkäfern mit Insektiziden zusammen. Weiters wurden dort zwischen 1916 und 1920 Regulierungsarbeiten durchgeführt.
    • Am Eisbach (einem Zubringer des Wallersees) führten Regulierungen um 1950 zum Verschwinden der Krebse.
    • Der Ragginger und Luginger See (zwischen Anthering und Elixhausen) wurden wegen einer Fischkrankheit mit Desinfektionsmitteln behandelt, was der dortigen Krebspopulation zum Verhängnis wurde.
    • Um das Jahr 2000 wurde im Hintersee ein guter Edelkrebsbestand durch Einschleppen von Signalkrebsen vernichtet.
  • Tennengau:
Bei Unterscheffau im Lammertal wurde der Edelkrebs in einige Teiche eingesetzt und blieb bisher erhalten. Aus dem dortigen Vorkommen wurden Krebse in den Bürgerausee in Kuchl eingesetzt.
  • Pongau:
    • Im Goldeggersee gibt es einen langjährigen Edelkrebsbestand, der nicht nachbesetzt wird. In den 1950er-Jahren kam es dort durch große Welse zu Ausfällen.
    • Im Böndlsee gibt es noch vereinzelt Edelkrebse aus älteren Beständen, es wird jedoch laufend nachbesetzt.
    • Im Gasteiner Tal gab es einst einen guten Krebsbestand, der durch die Krebspest fast ausgerottet wurde. Die verbliebene kleine Population wurde durch Unfälle mit industriellen Abwässern in den Jahren 1982 und 1992 vernichtet.
  • Pinzgau:
    • Noch Anfang des 19. Jahrhunderts wurde im Pinzgau jährlich ein Ertrag von etwa 15 000 Krebsen erzielt. Der Großteil der Tiere stammte aus dem Zeller See. Im Jahr 1551 wurde allerdings im Bereich von Zell am See der Kupferbergbau begonnen. Durch die dabei entstandenen Abwässer ging der Krebsbestand stark zurück. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden Teile des südlichen Bereiches des Sees sowie eine Reihe von Sumpfwiesen und -gräben trockengelegt und im Bereich der Salzach Regulierungsarbeiten durchgeführt, was zu einer weiteren Abnahme der Pinzgauer Krebsbestände führte. Im Jahr 1880 trat im Zeller See die Krebspest auf und rottete den dortigen Edelkrebsbestand vollkommen aus. Bereits 1905 regte Josef Kollmann an, Krebse wieder in den Zeller See einzusetzen, um eine Lücke in der Nahrungskette der Fische zu schließen. In den 1990er-Jahren gab die Stadt Zell am See eine Studie in Auftrag, um womöglich den Edelkrebs im Zeller See selbst wieder einzubürgern; ein Problem bestand in den im See lebenden, konkurrenzstärkeren Kamberkrebsen.
    • In der Gegend von Mittersill wurde der Edelkrebs erst im Jahr 1712 aus Tirol und Bayern eingesetzt. In den dortigen Sumpfgebieten gedieh er ausgezeichnet und übertraf die Krebse des Zeller Sees bei Weitem an Güte und Größe (was die Zeller Fischer auf den Gedanken brachte, Mittersiller Krebse zur „Blutauffrischung“ in den Zeller See einzusetzen).
    • Noch vor dem großen Krebssterben wurden Edelkrebse aus dem Zeller See in den Uttendorfer See und andere Kleingewässer um Uttendorf eingesetzt. Einige dieser Bestände blieben von der Krebspest verschont; in ihnen lebt die ursprüngliche Population des Zeller Sees noch heute fort. Im Uttendorfer See entwickelte sich der Krebsbestand gut; im Jahr 1978 wurde ein Ausfang von 46 kg berichtet. Aus diesen Beständen wurde eine Reihe von stehenden und fließenden Gewässern des Pinzgaus besetzt, so auch die „Bauernlacke“ bei Piesendorf.
    • Bei Saalfelden am Steinernen Meer gab es bis 1996 ein Restvorkommen, das wahrscheinlich durch den Bau eines Golfplatzes ausgelöscht wurde.
    • Bei Zell am Moos wurde ein Golfteich mit Augsburger Edelkrebsen besetzt, die sich gut entwickelten.
    • Im Stuhlfeldner Teich, einem Baggersee, findet man einen Edelkrebsbestand ungewisser Herkunft.
    • 1979 wurden im Lengmoosbach bei Unken an die hundert Edelkrebse aus dem Böndlsee und dem Uttendorfer See eingesetzt. Diese Population verschwand, wohl wegen zu geringer Wassertemperatur.
    • In der Achenfurt (Alte Salzach) wurden Edelkrebse ausgesetzt, die jedoch im Rahmen der Kartierung nicht mehr aufgefunden wurden.
  • Lungau:
    • Die Krebse des Prebersees wurden vielleicht um 1700 für die Salzburger Erzbischöfe eingesetzt. Sie haben dort die Krebspest überstanden und bilden in mehr als 1 500 m Höhe eine gute Population, die auch regelmäßig bewirtschaftet wird.
    • Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts wurden in der Gemeinde St. Michael im Lungau einige Teiche angelegt und mit dem Edelkrebs besetzt.

Weiterführend

Für Informationen zu Edelkrebs, die über den Bezug zu Salzburg hinausgehen, siehe zum Beispiel den Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum selben Thema

Quellen

  • Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Edelkrebs"