Schiedeck

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Schiedeck auf der Westflanke des Radhausberges; die Scheide ist die Licht-Schatten Grenze; links im Schatten der gewaltige Lawinenhang

Schiedeck, (gelegentlich auch "Schiedegg" geschrieben) ist ein alpiner Großflurname im Bereich der Westflanken des Radhausbergmassivs in Böckstein, Gemeinde Bad Gastein

Name

"Schiedeck" leitet sich von dem Verb "scheiden-schied-geschieden" her. Hier ist die zweite Stammform dieses Verbs zum Namen substantiviert. Es gibt anderenorts dazu auch die substantivierte erste Stammform: "Scheidegg"; in der alten Bergmannssprache lautet die dritte Stammform gelegentlich auch "gescheid" statt: "geschieden". Ist z. B. das gewonnene Erz "gescheid", dann ist es das gute, das wertvolle Erz, da ihm kein taubes Gestein mehr anhaftet, es wurde weggeschlagen. Verallgemeinert kommt daher aus dieser bergmännischen Ursprungs-Situation wohl die umgangssprachliche Phrase: "Das ist nichts Gescheits", womit nichts Gutes, nichts Ordentliches gemeint ist. Ein fein geschiedenes Erz, ohne anhangendes Taubes, das wäre halt etwas "Gescheites", etwas Ordentliches, Wünschenswertes.

Im Zusammenhang mit "Eck" bedeutet "Schied" und "Scheid" soviel wie "das Eck, die Landschaftskante, die zwei Bereiche trennt, scheidet", wobei häufig auf Besitzverhältnisse Bezug genommen ist. Im konkreten Fall trennt die Linie die sanften Großviehweideflächen im Süden (im Bild sonnenbeschienen) von den steilen, gefährlichen Ziegenweideflächen im Norden.

Geschichte

Die Geschichte des oben geografisch definierten Ecks weist zwei Besonderheiten auf:

1. Als um die Mitte des 16. Jahrhunderts das für den Bergbau auf der Nordseite des Radhausberges benötigte Holz allmählich immer knapper wurde, verfielen die Räte der Salzburger Hofkammer auf die Idee, einen Waldtausch anzustreben. Das Erzstift trete an das habsburgische Innerösterreich die Wälder im Bereich Forstau-Mandling für den steierischen Bergbauort Schladming ab und erhalte im Gegenzug den habsburgischen Woiskenwald knapp westlich des kärntnerischen Mallnitz. Die gefällten und entasteten Bäume sollten über die Woiskenscharte zum Schiedeck und von dort weiter auf die Nordseite des Radhausberg transportiert und einer Nutzung zugeführt werden. Der Plan scheiterte letztlich daran, dass die steile, felsig-alpine Passage über das Schiedeck nicht zu bewältigen war. Außerdem war diese Stelle im Winter, da man mit Schlittenfuhren billig liefern hätte können, für jede Art von Betretung tabuisiert, da dort extrem große Lawinen, meist sogar bis zum Talboden hinunter, abgehen können. Aus diesem Grund ist die Gasteiner Alpenstraße tief unten unter Tage geführt, teils mittels Tunnels, teils mittels einer langen Lawinengalerie.

2. Historisch spielt jener Streit eine Rolle, der höchstwahrscheinlich erstmals den Namen "Schiedeck" aufkommen ließ. Die Knappen auf der Südseite und der Nordseite des Radhausbergs hatten abgegrenzte Weideflächen für ihre Ziegen, die sie anscheinend sehr häufig unerlaubt in den mittleren Bereich, eben die heutig Schiedeck (damals im südlichen Teil das "Bären-Karl"), hinein grasen ließen. Dies passte den dort berechtigten Bauern nicht und sie gingen zu Gericht, ja sogar bis zum erzbischöflichen Hofgericht. In diesem Zusammenhang wurde noch im 18. Jahrhundert sogar ein Bild gemalt, das die Situation vor Ort zeigt. Als Maler darf einer der hier tätigen bergmännischen Grubengeometer vermutet werden. Es ist ein besonderer Fall, dass in dieser frühen Zeit ein Bild nicht aus künstlerisch-ästhetischer Motivation heraus angefertigt wurde, sondern aus rein praktischen Überlegungen.

Quellen