Altböckstein

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Altböckstein: rechts der Samerstall, Mittelstraße bis Pfarrhof, darüber Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria vom guten Rat, links der Kolm.
Altböckstein mit der Montansiedlung im Vordergrund und dem Kirchenhügel im Hintergrund. Historische Ansichtskarte aus dem Jahr 1905.
Blick auf Altböckstein, rechts verläuft die Tauernbahn, historische Ansichtskarte von 1936.
Altböckstein in den 1930er-Jahren. Am unteren Bildrand verläuft die Tauernbahn, Bildmitte oben sieht man Altböckstein.

Altböckstein mit der Montansiedlung ist der historische Teil von Böckstein in der Pongauer Gemeinde Bad Gastein.

Geschichte

Es gab im Bereich Böckstein schon vor der Errichtung der Montansiedlung im 18. Jahrhundert ein Bauerngut "Böckstein", das sich aber noch nicht um den Bergbau drehte, wohl aber südlich davon, in ca. 500 Meter Entfernung, bereits im untersten Bereich des Naßfeldtals, eine montanistische Aufbereitungsanlage (Pocher, Wasch-"Herde", in frühester Zeit auch zumindest eine Schmelzhütte). Der älteste Ortsname für diesen Bereich war "die Peck" (keine Abkürzung von "Böckstein"), heute in der Umgebung des Hotels "Evianquelle" mit südlich anschließender "Haslau".

Die "Peck" liegt am Fuße der nordseitigen Stollen des Radhausbergs. Das oben gewonnene Erz ließ sich kostengünstig durch die Sackzieher direkt in die Peck zu den Aufbereitungsanlagen bringen, durch eine extra dafür gebaute "Sackzug-Riese" (ein bobbahnähnlicher, relativ breiter, aber stellenweise doch recht steiler Weg) In der Zeit von 1516 bis 1540 waren laut der zuverlässigen "Gasteinerischen Chronica" wörtlich "schneelose Winter", daher auch keine Lawinen. Dies war die Zeit des Ausbaues der Aufbereitungsanlagen in der Peck, doch muss es schon früher dort bauliche Anfänge (Schmelzhütte nächst heutigem Hotel "Evianquelle", durch Schlackenfunde belegt) gegeben haben. Die Erze vom Siglitztal und dem Bockharttal sowie von der Radhausberg-Südseite gingen über das Naßfeld und die lawinengefährdete alte Naßfeldstraße zur Peck heraus, später weiter nach dem heutigen "Alt-Böckstein".

Früher hieß die nur landwirtschaftlich als Wiese genutzte Gegend einfach "Böckstein" und ist so seit 1427 bezeugt.[1] Der Name hat höchstwahrscheinlich nichts mit "Böcken" (Mittelhochdeutsch Mz. "bocca") zu tun, sondern ist ein Übersetzungsname des nahegelegenen "die Peck" (karantanisch-altsüdslawisch für 'Ofen, wärmender Fels, wärmender Stein'), des Peck-Steins. Ein Herleitung des Wortes von (bergmännisch) "pochen" ist unrichtig.

Der Name "Altböckstein" kam erst Ende des 19. Jahrhunderts auf.

Altböckstein war ein Zentrum des Goldbergbaus in den Tauern. 1342 entstand hier die Gasteiner Bergordnung. Nach der Zerstörung von (Alt)Böckstein 1741 begann man planmäßig mit der Anlage der Montansiedlung.

Die Bauten dieser umfangreichen Aufbereitungsanlage wurde am 14. Jänner 1741 durch eine unfassbar große Schneelawine zerstört und auch nicht wieder aufgebaut. Statt dessen verwirklichte man in den Folgejahren auf einem lawinensicheren Platz auf dem oben erwähnten Gut Böckstein eine vom Reißbrett weg geplante Montansiedlung, mit Verwaltung, Arbeits- und Wohneinheiten, die bis heute im Großen und Ganzen unverändert blieb und am 31. Jänner 1978 unter Denkmalschutz gestellt wurde (Bundesdenkmalamt Zl. 504/78). Am heutigen Kirchhügel, das war der "hintere Böckstein", erbaute Fürsterzbischof Sigmund Christof Graf Schrattenbach die Kirche "Heilige Maria, Mutter vom guten Rat". Sie thront, den barocken Vorstellungen entsprechend, an erhöhter Stelle über die gesamt Montansiedlung.

Parallel zur Entwicklung im Raum Böckstein-Naßfeld entwickelte sich ca. vier Kilometer weiter nördlich das "Wildbad Gastein", so etwa ab dem 14. Jahrhundert um die Preimskirche, wo sich die ersten genutzten Heilquellen befinden. Also mehr oder weniger unabhängig von der Bergbausiedlung. Die Bergleute betrachteten die Hofgasteiner Pfarrkirche als "ihre" Kirche, obwohl 1489 in Bad Gastein, nördlich unterhalb der Preimskirche, eine zweite Kirche, die "St. Nikolauskirche" gebaut wurde. Sie wurde im 17. Jahrhundert öfters formal als Knappenkirche angesprochen, was sie aber in der Realität nicht war

Die Gründung des heutigen Altböcksteins

Nachdem am 14. Jänner 1741 das Poch- und Waschwerk in der Peck zwischen 13 und 14 Uhr von einer Lawine zerstört wurde, kam es am 27. Februar desselben Jahres zu einer Unterredung bei Fürsterzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian. Die dabei anwesenden landesherrlichen Räte empfahlen dabei die Entsendung des Bergwerksobmannes Josef von Koflern in die Peck, um einen neuen, geeigneteren Standort zum Wiederaufbau zu finden. Als man sich im April nochmals mit dieser Sache beschäftigte lag immer noch meterhoch der Schnee und von den verschütteten Gebäuden war noch nichts zu sehen. Aber man hatte bereits einen neuen Bauplan gefunden. Es war dies die Fläche zwischen dem "Hinteren" Böckstein (dem Kirchenhügel) und dem Eingang zum Naßfeld. Hier entstand dann planmäßig angelegt Altböckstein. Das mehrere tausend Quadratmeter große Gelände bot die einmalige Gelegenheit zur Planung auf dem Reißbrett. Es wurden die Gebäude nach den entsprechenden Funktionen in den Betriebsabläufen um eine zentrale Mittelstraße angeordnet. Im Norden stand das Verwalterhaus und hinter und über diesem die Kirche. Diese Anordnung entsprach ganz der damaligen Weltanschauung.

Ab 1745 begann man mit der Errichtung der Neubauten.

Neben den Gebäuden für den Bergwerksbetrieb und der Verwaltung entstanden aus der alten Kirche die frühklassizistische Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria vom guten Rat (erbaut in den Jahren 1764 bis 1766 nach Plänen des höfischen Hofbauverwalters Wolfgang Hagenauer), das Jagdschlössl Czernin (1902) sowie die historische Bergwerkssiedlung, ursprünglich barock, dann folgte Ende des 19. Jahrhunderts ein Umbau.

Gusseisenbrunnen in Böckstein

Hauptartikel Gusseisenbrunnen in Böckstein

Der mehrstöckige Brunnen gilt als erster Gusseisenbrunnen Europas und wurde auf der Pariser Weltausstellung von 1878 als Sensation gepriesen. Kaiser Franz Joseph I. schenkte ihn 1881 der Gemeinde Badgastein und ließ ihn vor dem heutigen Kurhaus Rader im Ortszentrum von Altböckstein aufstellen. 1984 wurde der Brunnen restauriert und erstrahlt seither wieder im alten Glanz.

Montanmuseum Altböckstein

Das Montanmuseum Altböckstein vermittelt einen interessanten Überblick über Geschichte und Technik des historischen Goldbergbaus.

Persönlichkeiten aus Altböckstein

Literatur

  • Gruber, Fritz: Altböckstein und die jüngere Geschichte der Tauerngoldproduktion (Böcksteiner Montana, Bd.1), Leoben 1979, zweite erweiterte Auflage Böckstein 2003

Bilder

 Altböckstein – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Quellen

Einzelnachweis