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Veselko Prlic

Veselko Prlić

Prof. Mag. Veselko Prlić (* 31. März 1946 in der West-Herzogowina, damals Jugoslawien, heute Bosnien und Herzegowina) ist Pfarrgemeinderat, gerichtlich zertifizierter Dolmetscher für Bosnisch, Kroatisch und Serbisch und pensionierter Lehrer.

Vorgestellt

In der Kirche im Salzburger Stadtteil Taxham hängt ein Plakat mit Dutzenden Kindernamen. Mittendrin steht geschrieben: "Gott lädt alle ein", und dahinter folgt ein extradickes Rufzeichen.

Der Satz könnte von Veselko Prlić stammen. Wenn der Obmann des Taxhamer Pfarrgemeinderats nach seinen Ideen für eine "attraktivere" Kirche gefragt wird, bricht es wie bei einem Missionar aus ihm heraus: "Es ist total belanglos, ob man kniet oder steht in der Kirche", sagt er dann. Oder: "Ein Bischof muss für alle ein Ohr und ein Herz haben." In der Kirche sollte die größtmögliche Toleranz gelebt werden - weil sein Gott eben "alle" einlädt.

Prlić ist das Sprachrohr einer Gruppe von Pfarrgemeinderäten, Pfarrassistenten und Pfarrern, die sich zur Taxhamer Pfarrgemeinderatsinitiative zusammengeschlossen haben. Sie wollen etwas gegen den Priestermangel tun und drängen deshalb auf Reformen - etwa darauf, dass verheiratete Priester wieder als Pfarrer eingesetzt werden und Pfarrassistenten taufen und trauen dürfen. "Wir wollen die Kirche aus dem hundertjährigen Dornröschenschlaf wecken", sagt Prlić. Aber wie? Aus dem Mund des gebürtigen Kroaten klingt die Antwort einfach. Man müsse nur auf das Engagement des Kirchenvolks zurückgreifen. "Eigentlich hat die Kirche viele tolle Leute, die sich engagieren. Deren Begabungen werden aber zu wenig genützt."

Bezogen auf das innerkirchliche Meinungsspektrum darf man Prlić einen Liberalen nennen. Die Frage, ob er mit seinen Ansichten, etwa, was die Gleichberechtigung der Frau anlangt, in der evangelischen Kirche nicht besser aufgehoben wäre, verneint er entschieden. "Ich bin ein leidenschaftlicher Katholik", sagt Prlić, der seine Meinung mit einem Vergleich untermauert: "Ich mache mir keine Gedanken über eine andere Frau, wenn ich mit meiner glücklich bin."

Außerdem habe er der Kirche so viel zu verdanken - unter anderem seine zweite Heimat. Es war die Theologie, die ihn nach Salzburg führte, 1968, zu Studienzwecken. In Salzburg schloss er sein Theologiestudium ab und fasste als Religionslehrer Fuß. Die Kirche prägte ihn auch privat. Seine Frau Ulrike lernte Prlić in der Katholischen Hochschulgemeinde kennen. Und die Urlaube verbrachten die beiden mit ihren sechs Kindern über Jahre in einem Pfarrhof in Kroatien. Alles in allem, so resümiert er, sei die Kirche für ihn eine Frage der Lebensqualität. "Alles, was ich zum Leben brauche, habe ich in der Kirche gefunden."

Die Argumente, die für "seine" Kirche sprechen, scheinen Prlić nie auszugehen. Nur einmal muss er nachdenken - bei der Frage nach seiner ersten Amtshandlung, wenn er Papst wäre. Nach kurzer Überlegung sagt er dann, im Tonfall des in seinem Glauben Unerschütterlichen: "Ich würde zu meinen engsten Mitarbeitern, den Priestern, gehen und sagen: ,Ich will euer Gewissen erleichtern. Bekennt euch zu euren Partnerschaften. Die Kirche gibt euch ihren Segen.‘"

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