Bosnien und Herzegowina

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Flagge
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Bosnien und Herzegowina (Bosna i Hercegovina) ist ein südosteuropäischer Bundesstaat.

Geografie

Bosnien und Herzegowina liegt im westlichen Teil der Balkanhalbinsel und ist in weiten Teilen durch eine bewaldete Mittelgebirgslandschaft geprägt. Er besteht geografisch aus der Region Bosnien im Norden, die rund 80 Prozent des Staatsgebiets einnimmt, und der kleineren Region Herzegowina im Süden.

Bosnien und Herzegowina ist politisch in zwei Entitäten −

  • die Föderation Bosnien und Herzegowina, mehrheitlich von Bosniaken und bosnischen Kroaten bevölkert, und
  • die Republika Srpska, mehrheitlich von bosnischen Serben bevölkert,

− gegliedert. Neben den Gebieten der beiden Entitäten gibt es den Brčko-Distrikt, in dem alle drei Bevölkerungsgruppen vertreten sind und der die beiden Gebietsteile der Republika Srpska voneinander trennt.

Daten

Hauptstadt: Sarajewo
Fläche: 51 197 km²
Einwohnerzahl: 3 531 159
Kfz-Kennzeichen: BIH
Bevölkerung: Die Bürger des Staates "Bosnien und Herzegowina" werden als Bosnier bezeichnet. Damit sind Bosniaken und Kroaten wie auch Serben gemeint, die in Bosnien und Herzegowina beheimatet sind. Dagegen werden mit dem Begriff Bosniaken ausschließlich die bosnischstämmigen Muslime bezeichnet. Alle zählen zu den „drei konstituierenden Völkern“ des Landes und sind offiziell gleichberechtigt.
Sprache: Die Sprache der „drei konstituierenden Völker“ ist Bosnisch/Kroatisch/Serbisch (das ehemalige Serbokroatisch).

Konsularische Vertretung

Seit Juli 2018 gibt es in Salzburg ein bosnisches Honorarkonsulat.

Salzburger Persönlichkeiten, in Bosnien und Herzegowina geboren

Weitere Salzburgbezüge

  • Mladen Krndic ist ein Salzburger Unternehmer bosnisch-serbischer Herkunft und ehemaliger SPÖ-Gemeinderat der Stadt Salzburg.
  • Der Salzburger Geograf Eduard Richter verfasste 1907 Beiträge zur Landeskunde Bosniens und der Herzegowina
  • Die meisten Mitglieder der Ukrainisch Griechisch-Katholischen Gemeinde Salzburg sind Flüchtlinge aus Bosnien.
  • Der Militärseelsorger Albrecht Tagger absolvierte Auslandseinsätze in Bosnien und Herzegowina.
  • Der Diplomat Helfried Carl war stellvertretender Büroleiter des damaligen Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina, Dr. Wolfgang Petritsch.
  • Die Organisation Bauern helfen Bauern Salzburg unterstützt mehrere Projekte in diesem Land.
  • Anton Waldner war von März 2017 bis März 2018 Kommandant der EUFOR-Truppe (European Union Force) in Bosnien und Herzegowina

Geschichte

Bosnien hat als selbständiges Staatswesen eine alte Geschichte. 1137 scheint es als Königreich Rama im ungarischen Königstitel auf, während das Land Chulm (Herzegowina) bei Serbien verblieb. Ban Sefan Tvrtko I. (1353–1391) eroberte das serbische und dalmatinische Küstenland von Cattaro bis Spaleto und nahm 1377 den Titel eines Königs von Bosnien an. 1463 unterwarf Sultan Mohammed II. das Land. Der letzte König Stefan Tomasevic wurde enthauptet. Bosnien wurde von türkischen Paschas regiert, der bodenständige Adel islamisiert.

Die Herzegowina blieb noch bis 1482 unabhängig. Der Name Herzegowina leitet sich von einem Machthaber von Sultans Gnaden im Tal der Neretwa ab, der sich mit dem deutschen Titel "Herzog" schmückte. Während der Osmanenherrschaft kam es immer wieder zu blutigen Aufständen, zuletzt 1875. Die Unruhen in fast allen türkischen Provinzen auf dem Balkan veranlassten Russland zu militärischen Vorbereitungen. Bei einer Zusammenkunft von Zar Alexander I. und Kaiser Franz Joseph I. im böhmischen Reichsstadt machte Franz Joseph I. die Zusage, dass sich die Monarchie im Falle eines russisch-türkischen Konflikts neutral verhalten werde. Daraufhin wurden 1877 die Verträge in Wien und Budapest ausgehandelt, in denen Russland Österreich-Ungarn die Besetzung Bosniens zugesteht. Tatsächlich brach der Krieg aus zwischen dem Zarenreich und der Türkei, der zur Eigenstaatlichkeit der bisherigen türkischen Hoheitsgebiete, der Donaufürstentümer Walachei und Moldau (Rumänien), Serbien, Montenegro und Bulgarien (als tributpflichtiges Fürstentum) führte.

Auf dem Berliner Kongress 1878 wurd vereinbarte, dass Österreich-Ungarn nach dem russisch-türkischen Frieden von St. Stefano die Provinz Bosnien und Herzegowina militärische besetzen und verwalten soll. Diese Aufgabe wurde auf einer Konferenz der Außenminister der europäischen Großmächte noch auf den Sandschak von Novipazar ausgedehnt. 1878 wurden die genannten Regionen nach verlustreichen Kämpfen militärisch besetzt und 1908 staatsrechtlich annektiert.

Österreich übernahm nach vierhundertjähriger, türkischer Herrschaft ein Land ohne geregeltes Schulwesen, mit einer Einwohnerschaft, die fast ausnahmslos aus Analphabeten bestand. Ein Land, in dem die Rechtsprechung der Kadis auf Bestechung beruhte und die felsige zerklüftete Landschaft mit Ausnahme einer einzigen Militärstraße keine befahrbaren Verkehrsverbindungen hatte. Nach der Okkupation wurde Bosnien in das österreichische Schulsystem integriert, sodass es 1912 bereits 519 Volksschulen gab. In nur drei Jahrzehnten österreichischer Kulturarbeit schaffte das Gebirgsland zwischen Save und Drina den Anschluss an die mitteleuropäische Zivilisation. 1912 wurde der Sandschak von k.u.k.Truppen geräumt und dem Königreich Serbien einverleibt.

Die umfangreiche Kulturarbeit Österreichs umfasste auch riesige Investitionen in die Landwirtschaft mit zahlreichen Musterhöfen, in die medizinische Versorgung mit Krankenhäusern, sowie Waisenhäusern und Pflegeheimen, in das Verkehrswesen mit zahlreichen Bahnlinien, die mit der legendären bosnischen Spurweite von 760 mm angelegt wurden, was sich für die Bewältigung der Gebirgsstrecken als großer Vorteil erwies. Diese Schmalspur überdauerte sogar noch den Zweiten Weltkrieg und wurde erst danach auf Normalspur umgestellt. Nachdem auf allen Gebieten große Erfolge erzielt waren, wurde die Region 1908 unter der Bezeichnung "Gemeinsame Reichslande Bosnien-Herzegowina" der Doppelmonarchie staatrechtlich angeschlossen und unter die gemeinsame Verwaltung von Österreich und Ungarn gestellt.

Der Mord am Thronfolgerehepaar 1914 in Sarajewo beendete die friedliche Pionierarbeit und war der zündende Funke zur Auslösung des Ersten Weltkrieges (dem Erzherzog Franz Ferdinand gehörte in Salzburg das Schloss Blühnbach). In diesem Krieg zählten die Regimenter aus Bosnien und Herzegowina zu den Elitetruppen der Monarchie. Das bosnisch-herzegowinische Infanterieregiment Nr. 2 (Ergänzungsbezirk Banjaluka) war das höchst ausgezeichnete Regiment der gesamten k.u.k. Armee.

Sport

Bei den Olympischen Winterspielen 1984 war Anton „Jimmy“ Steiner aus Lienz in Osttirol der einzige Österreicher, der eine Medaille errang (Bronze in der alpinen Abfahrt). Die Salzburger Fußballlegende Alexander Zickler bestritt ihr letztes Länderspiel 2002 gegen die Auswahl Bosnien-Herzegowinas.

Weiterführend

Für Informationen zu Bosnien und Herzegowina, die über den Bezug zu Salzburg hinausgehen, siehe zum Beispiel den Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum selben Thema

Quellen und Literatur

  • Hösch, Edgar: Geschichte der Balkanländer. Von der Frühzeit bis zur Gegenwart. München 1995.
  • Gottas, Friedrich: Vorlesung UNI Salzburg, SS 2001, Geschichte der Balkanländer II, Mitschrift.
  • Wagner, Wilhelm J.: Der große Bildatlas zur Geschichte Österreichs. Wien 1995.
  • Weithmann, Michael W.: Balkan-Chronik. 2000 Jahre zwischen Orient und Okzident. 3. Auflage Regensburg 2000.