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Erdapfel

Erdäpfel/Kartoffeln, wie sie heute auf den Märkten angeboten werden: gewaschen und nach Größe vorsortiert
Kartoffel-Video

Erdapfel ist neben "Grundbirne" die in bestimmten Regionen traditionell verwendete Bezeichnung für die Kartoffel (Solanum tuberosum). Auch wenn die etymologische Herleitung der Begriffe „Erdapfel“, „Kartoffel“ und „Grundbirne“– wie weiter unten zu lesen steht - allerhand Klärendes ergibt, wird hier der regional übliche Begriff „Erdapfel“ der heute weithin üblichen Bezeichnung „Kartoffel“ ganz bewusst vorgezogen.

Inhaltsverzeichnis

Biologisches

Die Pflanze, als „Erdäpfel-Staude“ bezeichnet, ist eine Nutzpflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse. Mit den Bezeichnungen Erdapfel und Kartoffel meint man in der Regel die unterirdisch wachsende Knolle der Pflanze. Neben den Anbau- und Gedeih-Eigenschaften verdanken die Erdäpfel ihrem Gehalt an Kohlehydraten, wertvollem pflanzlichen Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen ihre heutige Rolle als eines der neben Reis und Mais weltweit verbreiteten Grundnahrungsmittel.

Etymologisches zu Erdapfel, Kartoffel und Grundbirne

Die Übertragung der Bezeichnung „Erdapfel“ auf die Kartoffel stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist mittlerweile in Europa weit verbreitet. Erdapfel, mittelhochdeutsch ertapfel, althochdeutsch erdaphul, ist an sich ein altes deutsches Wort, mit dem ursprünglich verschiedene (Erd)Knollen bezeichnet wurden (Früchte, die auf und im Erdboden wachsen, wie Cyclamen, Kürbis, Melone und Gurke). Im deutschen Sprachraum wird und wurde der Begriff „Erdapfel“ vor allem aber für die Topinambur verwendet. Hingegen wurde die Bezeichnung „Grundbirne“ im Kontrast zu „Erdapfel“ gebildet und stand ihrer Form wegen mehr für die (länglichere) Kartoffel in Gebrauch.

Der Begriff „Kartoffel“ ist seit dem 17. Jahrhundert bezeugt (älter ist tartoffel). Er stammt aus dem Italienischen tartuficolo, eine Bezeichnung, die „Erdknolle“ bedeutet, unter der aber eigentlich nicht die Kartoffel sondern die Trüffel gemeint war.

Kulturgeschichtliches

Aus Amerika wurden seinerzeit drei essbare Knollen eingeführt: die Kartoffel, die Topinambur oder Rosskartoffel und die Batate oder Süßkartoffel.

Der/die heute außerhalb tropischer, arktischer und subarktischer Klimazonen weltweit verbreitete Erdapfel/Kartoffel stammt ursprünglich aus dem Inkareich und kam erstmals im 16. Jahrhundert - zuerst über die Kanarischen Inseln nach Spanien und aus anderer Quelle auf die Britischen Inseln - nach Europa. Ursprünglich wegen der schönen Blüten und des üppigen Laubbewuchses als Zierpflanze gehalten und in Botanischen Gärten gezeigt, wurde wenig später der Nährwert der Erdäpfel erkannt. In der Zeit zwischen 1684 und 1783 begann ihr Anbau im großen Stil auf den Britischen Inseln und in Teilen des heutigen Deutschlands und auch in Frankreich und in der Schweiz.

Heute gibt es zahlreiche Erdäpfelsorten, die zum einen nach ihrem Reifezeitpunkt in

  • sehr frühe,
  • frühe und
  • späte Sorten, und zum anderen nach ihren Kocheigenschaften in
  • festkochend,
  • vorwiegend festkochend,
  • mehlig (kochend) und
  • vorwiegend mehlig (kochend) eingeteilt und für entsprechende Gerichte ausgewählt und verwendet werden.

Erdäpfelernte

 
Drahtsammelkorb für Kartoffeln

Die Erdäpfelernte war noch vor nicht allzu langer Zeit eine mühevolle und Kreuzschmerzen bereitende Angelegenheit. Die Erdäpfel mussten händisch ausgegraben und in einen Gitterkorb geklaubt werden. Anschließend wurden sie mit dem Pferdefuhrwerk – wo kein Pferd zur Verfügung stand, wurde der Wagen von einer dazu abgerichteten Kuh gezogen – abtransportiert. Zum Verkauf wurden die Erdäpfel in Jutesäcke gefüllt. Für den Eigenbedarf lagerte man die Erdäpfel in Kellerräumen.

Im Gegensatz dazu steht das auf dem untenstehenden Link abzurufende Video über eine moderne maschinelle, wenn auch heute noch nicht ganz ohne menschliche Hilfe mögliche Kartoffel-Ernte. Eine Zwischenstufe in der Mechanisierung bildeten von Zugtieren gezogene Geräte wie der unten abgebildete Kartoffelroder, der mit seinen Gabeln die Erdäpfel aus der Erde beförderte, die dann aber nach wie vor händisch aufgelesen werden mussten.

Franz Fuchs - langjähriger Salzburgwiki-User - erinnert sich an die Zeit zwischen 1950 und 1961, als er mit seiner Familie in Oberalm gelebt hat. Damals hat sein Vater als bitter benötigten Zuverdienst alljährlich Erdäpfel angebaut und diese nach der Ernte mit dem Handwagen zu den Kundschaften ausgefahren. Noch vorher hatten die Kinder der Familie auch bei der Betreuung des Ackers mitzuarbeiten. Da hieß es "Erdäpfelacker-Jäten" und in Käferjahren auch "Erdäpfelkäfer-Klauben". Schlussendlich war es bei der Ernte die Aufgabe der Kinder den „Sack aufzuhalten“, damit ihn die Erwachsenen mit den ausgegrabenen Kartoffeln befüllen konnten. Eine ebenfalls nicht sehr beliebte Tätigkeit, weil sie mit unangenehmer, "erdstaubiger" Atemluft verbunden war.

Salzburgbezug

Lungauer Eachtling

Früher hatte jeder Bauer und Häusler einen Erdäpfelacker zur Deckung des Eigenbedarfes. Erdäpfel wurden daher in allen Gebirgsgauen des Landes bis in hohe Lagen angepflanzt, was heute aus Arbeits- und Ertragsgründen kaum mehr geschieht. Nicht so im Lungau.

Der Lungaur Eachtling (auch Eachtleng), die im Lungau traditionelle Dialekt-Bezeichnung für Erdäpfel, wird auf rund 150 ha in verschieden Sorten auch weiterhin in hohen Lagen angebaut und konnte in den letzten Jahrzehnten als regionale Marke verstärkt Bekanntheit und Popularität gewinnen. Der Eachtling verdankt seine Qualität dem in der Anbauregion herrschenden Vegetationsklima, das von der dort gegebenen Beckenlage und der Seehöhe bestimmt wird. Der Lungauer „Eachtling“ steht im Übrigen nicht nur auf der menschlichen Speisekarte, sondern kommt auch in der landwirtschalftlichen Nutzttierhaltung als Futterkartoffel zum Einsatz.

Erdäpfel im Salzburger Kochalltag

Bereits im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts verfasste der Benediktinerabt Caspar Plautz im Benediktinerstift Seitenstetten in Niederösterreich ein erstes Kochbuch mit Rezepten zur Zubereitung von Erdäpfeln. In seither gedruckten oder von Hand angelegten und geführten Kochbüchern nimmt der Erdapfel in allen Bereichen von der Suppe über die Hauptspeise bis hin zum Dessert (Kartoffelteig!) eine wichtige Rolle ein. Im Land Salzburg dürfte es dennoch etwas länger gedauert haben, bis Erdäpfel tatsächlich ihren Weg in die Küche gefunden haben. Das suggeriert zumindest eine handgeschriebene Koch- und Heilrezeptesammlung eines Pinzgauer Wirtes aus dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts, in dem sich kein einziges Rezept mit Erdäpfeln finden lässt...

Im österreichweit verbreiteten Kochbuch Kochen nach Grundrezepten (für Schule und Haus) beginnt die beachtlich lange Auflistung der Rezepte für Speisen, die auf Basis von Erdäpfeln zubereitet werden, bei Kartoffelbrei (Pürree) und führt über Kartoffelstrudel bis hin zum Kartoffelteig (Grundrezepte).

Neben Grundrezepten zur Zubereitung von Erdäpfeln, nach denen in ganz Österreich und darüber hinaus gekocht wird, gibt es aber mittlerweile eine ganze Reihe von Kochbüchern mit regionalem Hintergrund, die aus unterschiedlichen Anlässen verfasst und herausgegeben wurden. Ein bereits älteres Beispiel ist das Taxenbacher Kochbuch. In der Auswahl an Rezepten von Taxenbacherinnen und Taxenbachern, finden sich auch Zubereitungsanleitungen für Kartoffelgerichte wie Erdäpfelbrot, Pikante Kartoffelsuppe, Kartoffel-Käsekuchen, Spanischer Kartoffeltopf und Kartoffelnudeln.

Auffallend ist selbst in diesem regionalen, von bäuerlicher Küche nicht ausschließlich aber doch wesentlich bestimmten Kochbuch, dass die Bezeichnung Erdäpfel zugunsten Kartoffel auch in den ländlichen Regionen des Bundeslandes abkommt.

Bildergalerie

Weblinks

Quellen

  • Deutschsprachige Wikipedia, Stichworte Kartoffel, Kulturgeschichte der Kartoffel, Kartoffelsorten
  • Taxenbacher Kochbuch, überarbeitete 2. Auflage, HG Gemeinnütziger Verein „Arbeitskreis 3. Welt Taxenbach“ im Eigenverlag, keine Jahreszahlenangabe, von der Autorin erworben 1990
  • Maria Voigt, Kochen nach Grundrezepten für Schule und Haus, Schulbuch Nr. 0442, HG und Druck: Druckerei St. Gabriel, Mödling, keine Jahresangabe
  • Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Walter de Gruyter – Berlin – New York 1989, S. 184 und 358
  • Peter M. Kohlbacher / Christina Nöbauer, Zwischen Kochtopf und Drudenfuß. Die Entdeckung einer Handschrift aus dem Pinzgau des 18. Jahrhunderts. Erscheinungsdatum - 17. September 2018.