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Friedrich Lorenz

Dr. Friedrich Lorenz (* 1. Dezember 1950 in Salzburg) ist ein ehemaliger Wirtschaftsanwalt und Mittelpunkt des spektakulärsten Betrugs-Coups der jüngeren Salzburger Vergangenheit.

Der Fall Lorenz

Am 19. Oktober 2001 tauchen der angesehene Salzburger Wirtschaftsanwalt Friedrich Lorenz und seine Freundin Brigitte Haider unter. Am 22. Oktober 2001 versucht die Kanzleisekretärin verzweifelt ihren Chef zu erreichen; einen Tag später wird klar, dass Lorenz nicht nur seine Geliebte, sondern auch 25 Mill. Schilling (1,181 Mill. Euro) an Kundengeldern mitgenommen hat.

Die Fahnder der Salzburger Kripo haben vorerst keine Spur. Sie geraten immer wieder in Sackgassen - der Rechtsanwalt hat sein Verschwinden generalstabsmäßig vorbereitet und falsche Fährten gelegt. Er hat Anfang Oktober Kleidung im Wert von 50.000 Schilling (3.633 Euro) gekauft. Mit einer Barabhebung hat er sich acht Millionen Schilling (581.382 Euro) in US-Dollar und D-Mark besorgt.

Am 28. Oktober wird der schwarze VW Passat von Friedrich Lorenz auf einem Parkplatz am Flughafen München gefunden. Der Rechtsanwalt scheint auf dem Flug München-Madrid vom 19. Oktober 2001 als Passagier auf. Wie die Kripo herausfindet, wurde der VW Passat aber erst am Tag des Auffindens in München-Erding geparkt. Wer den Wagen gelenkt hat, ist bis heute rätselhaft.

Trotz aller Finten können die Fahnder die Spur des Pärchens aufnehmen. Die beiden werden in Vaduz (Liechtenstein) gesehen, im November 2001 in Südtirol. Als sich die Fernsehsendung "Aktenzeichen XY" im Dezember der Causa annimmt, wird es für den Salzburger Anwalt eng. Ein Bankbeamter aus Südtirol erkennt Lorenz als Kunden und informiert die Polizei, die jedoch zu spät kommt. Die Spur des Wirtschaftsanwalts und seiner Begleiterin verliert sich im Dezember in Florenz.

Im Jahr 2005 will ein Privatdetektiv die beiden Flüchtigen in Südafrika gesehen haben, die Spur verläuft aber wieder im Sand.

2007 erhärtet sich der Verdacht, dass Lorenz weit mehr Geld gestohlen haben könnte als angenommen. Die Geschädigten hätten sich nie bei der Polizei gemeldet, da es sich in diesem Fall um Schwarzgelder aus der Baubranche gehandelt haben soll.

Am 30. Juli 2009 werden Lorenz und Haider in der Nähe von Florenz von der italienischen Polizei verhaftet. Haider betreibt dort unter unverändertem Namen eine Pension, während Lorenz sich einen neuen Namen zugelegt hat. Dem Paar wird von der Staatsanwaltschaft Betrug, Veruntreuung und Geldwäsche mit einer Schadenssumme von mindestens 1,45 Mio. Euro vorgeworfen.

Am 28. Juni 2010 wird Friedrich Lorenz zu einer unbedingten Haftstrafe von vier Jahren, seine Lebensgefährtin zu einer teilbedingten Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt. Die Staatsanwaltschaft erhebt dagegen Berufung.

Verurteilter Ex-Anwalt saß nicht sehr lang in Haft

Unter einen der spektakulärsten Kriminalfälle in Salzburgs jüngerer Geschichte wurde am 9. Juli 2014 am Landesgericht strafrechtlich ein Schlussstrich gezogen. Der ehemalige Rechtsanwalt L. war 2001 mit seiner damaligen Freundin und 2,8 Mill. Euro Klientengeld aus Salzburg verschwunden und acht Jahre unter falschen Namen in der Toskana untergetaucht. Nach Festnahme im Juli 2009 und Auslieferung erhielt er 2010 wegen Veruntreuung fünf Jahre Haft – durch nachträglich gewährte Strafmilderung waren es letztlich 4,5 Jahre. Bei seiner Fluchtgefährtin blieben von 2,5 Jahren Haft als Beitrags täterin aufgrund außerordentlicher Strafmilderung letztlich 23 Monate im Urteil stehen.

Wegen eines Formalfehlers im ersten Rechtsgang kippte der OGH die Urteile 2013 aber teilweise. Grund: L. war wegen insgesamt zwölf Tatfakten verurteilt worden – bezüglich zweier Vorwürfe aber zu Unrecht, da diese gar nicht im Auslieferungssteckbrief enthalten waren. Auch im Fall der Ex-Freundin erfolgte die erstinstanzliche Verurteilung wegen eines Faktums zu viel.

Im jetzt zweiten Prozess fällte ein neues Schöffengericht (Vorsitz: Martina Pfarrkirchner) zwar Freisprüche für das Duo zu den besagten Fakten. Dennoch blieb das Strafmaß letztlich jeweils gleich. Laut Gericht ist L. nämlich inzwischen zusätzlich in Italien wegen „falscher Erklärung zur Identität“ verurteilt worden. Auch bei der Ex-Freundin blieb es bei 23 Monaten. Bemerkenswert: Tatsächlich musste L. „nur“ zwei Jahre und neun Monate absitzen, ehe er am 3o April 2014 bedingt entlassen wurde. Und seine Ex-Freundin saß faktisch bloß gut zehn Monate hinter Gittern.

Quellen