Germaul

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Das Germaul
Das Germaul
Technik hinter dem Germaul, 1:1-Modell
Gesamtansicht des Germauls

Das Germaul ist ein Masken-Wasserautomat der Wasserspiele im Schloss Hellbrunn, der in regelmäßigen Abständen seine Augen rollt und seine Zunge herausstreckt. Auf der Homepage der Wasserspiele wird es als das heimliche Wahrzeichen von Hellbrunn bezeichnet.[1]

Einleitung

Das Schloss und seine Wasserspiele sind immer wieder neu Orte des Erstaunens und Verzauberns. Hellbrunn besitzt vielfältige Anklänge an die Kunst- und Wunderkammern der frühen Neuzeit. Der Erbauer Fürsterzbischof Markus Sittikus liebte das Theater und seine oft skurrilen Masken und auch die Faschingsumzüge mit ihren Scherzen. Das Herausstrecken der Zunge ist ein starker Ausdruck des Spottes und Verspottens.

Beschreibung

Das Germaul ist eine Maske und befindet sich in der Neptungrotte zu Füßen des Meeresgottes Poseidon (Neptun).

Die Maske zeigt das bleiche, fratzenhaft verzerrte oder versteinerte Gesicht eines Mannes mit Kahlkopf oder eines Dämons, der die Stirne und Augenbrauen runzelt, die Augen kneift und die Zähne bleckt. Die Mundwinkel sind nach oben gezogen und die Eckzähne spitz angeschliffen. Die Ohren sind überdimensional groß. In regelmäßigen Abständen rollt der Masken-Wasserautomat die grünen Augen nach oben und streckt die große rote Zunge bis weit über die Nasenspitze hervor. Aus den Nasenflügeln treten zwei feine Wasserstrahlen hervor, wie die Schnurrhaare bei einer Katze.

Technik

Hinter der Maske befinden sich zwei Kolbenwasserpumpen, die über zwei Hebebalken mit einem Zahnrad- und Zahnstangengetriebe verbunden sind. Wenn die Wanne im Unterkiefer mit Wasser vollläuft und auskippt, geht das Maul auf und die Maske streckt die Zunge heraus und verdreht gleichzeitig die Augen nach oben. Von der Decke der Neptungrotte kann auf ein Zeichen etwa des Fürsten Regen herabfallen, während aus der Quelle zu Füßen des Meeresgottes Poseidon (Neptun) stetig frisches Wasser aufsteigt. Das Aqua coelistis, der von den Göttern gesandte Regen, und das Aqua viva, das lebendige Quellwasser, sind hier ununterscheidbar geworden und im fürstlichen Wasser-Guss sind beide vereint.[2]

Wortherkunft

Die erste Silbe des Wortes „Germaul“ ist wohl von althochdeutsch gern, gotisch gairns, abgeleitet, was so viel wie gierig ("begehren") bedeutet. Unwahrscheinlich ist die frühere Ableitung von "gähnen", mittelhochdeutsch genen bzw. ginen. Das Gesicht will erschrecken und ist gefährlich, nicht aber müde und schläfrig.

Deutung

Der Name „Germaul“ findet sich in fürsterzbischöflichen Berichten von Hellbrunn offensichtlich noch nicht. Johann Stainhauser spricht als Zeitzeuge von einer "Maschara" (Maske), Lorenz Hübner von einer "Larve". Der Name „Germaul“ scheint in der Fachliteratur von Hellbrunn erstmals wohl erst im Jahr 1921 auf. In dem Beitrag über Hellbrunn dieses Jahres von Marie Schupfer wird das alte Wort "Germaul" dabei noch von einem "Gähnmaul" abgeleitet. Ingeborg Wallentin scheibt in ihrer Dissertation über Solari 1985 wegen der übergroßen Ohren des Germaules von einem Sinnbild für die heimlichen "Lauscher an Türen". Eine weitere bemerkenswerte Interpretation bietet Dr. W. Schaber, der die Silbe ger des Germaules vom darüber befindlichen dreizackigen Speer (Ger = Speer) des Neptun ableitet.

Ein zeitgenössischer Literat, Domenico Gisberti, schrieb im Jahr 1670 über das Germaul in Hellbrunn folgendes:

Ein steinerner Kopf, der sich den Fluten öffnete und mir unter Possen die Zunge zeigte, der voller Hohngelüste die Augen rollte, bezauberte mich so, dass er dann über mein Unglück zu lachen schien. Ich wollte fliehen, aber alle Türen schlossen sich mit Wasser und jeder Schritt war der Huf eines Pegasos – Stehen bleiben und jedes Anhalten war die Behaglichkeit einer Schmähung, sodass ich mich – als es dann auch aus vielen frechen Rohren spritzte – geschlagen gab.

Bildergalerie

Literatur

Quellen

Fußnoten