Schloss Hellbrunn

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Schloss Hellbrunn aus der Sicht der ehemaligen Zufahrt
Schloss Hellbrunn, Westseite
Markus Sittikus von Hohenems Schloss Hellbrunn anno 1618
Merian: Das fürstl. Lusthaus und Garten Hellenbrunn
Alte Schlosszufahrt mit Mauer und Nebengebäuden
Schloss Hellbrunn mit Einhorn
äußerer Schlossvorplatz in Hellbrunn
Schloss Hellbrunn und Schlosspark Hellbrunn
Ansicht vom Hellbrunner Berg
Schloss Hellbrunn im Jänner

Das Schloss Hellbrunn war die Sommerresidenz der Salzburger Fürsterzbischöfe und befindet sich im Stadtgebiet von Salzburg in Hellbrunn. Es ist Mitglied der Dachmarke hello salzburg.

Geschichte

Das Schloss wurde im Auftrag des Salzburger Fürsterzbischofs Markus Sittikus von Hohenems vom italienischen Architekten Santino Solari in den Jahren 16131615 erbaut. Mit einem Vertrag vom 21. Juni 1922 sind Schloss und Park von Hellbrunn an die Stadt Salzburg übergegangen. Vorher waren sie in kaiserlichem Besitz, nach 1918 im Besitz des Kriegsgeschädigtenfonds.

Das Schloss

Das Schloss, die Nebengebäude und der Garten haben ihre ursprüngliche Form im Wesentlichen bewahrt. Das Ensemble ist ein Bau der Spätrenaissance, im architektonischen Ausdruck auf klare Formen konzentriert und die Schmuckelemente zurückhaltend eingesetzt. Um die Gesamtkonzeption zu erfassen, ist es notwendig, sich dem Schloss auf der ursprünglichen Zufahrt, von vorne, zu nähern. Vom Zentrum der Stadt Salzburg durch die Hellbrunner Allee kommend zweigt man nach rechts auf die Zufahrt ein, die geradeaus zum Schloss führt - beidseits begleitet von Mauern, die in niedrige Gebäude übergehen und sich zuletzt zu einen Ehrenhof öffnen - bis vor die breite Front des Schlosses.

Dort blickt der Besucher auf das wuchtige Schlossgebäude, das nach Palladio[1] klassisch symmetrisch aufgebaut ist und aus zwei Geschossen mit je zwölf Fenstern besteht. Die Frontseite hat eine Breite von 38 Meter. Ein Treppenaufgang mit Säulen-Ballustrade führt zum Mittelportal hinauf, das halb aus der Erde ragende Kellergeschoss größtenteils kaschierend. Die Fassade ist klassisch gegliedert mit Gesimsen und Lisenen, die Fenster des fürstlichen Wohntraktes mit Spitzgiebeln verziert. Darüber ein Zeltdach mit einer großen Gaupe und Rundgiebel.

Das Schlossgebäude beeindruckt durch seine wuchtigen Dimensionen. Die Grundfläche von beeindruckenden 700 Quadratmetern ist nicht erkennbar. Auf den zweiten Blick fällt auf, dass die Parkseite noch größer sein muss, den links und rechts zu sehen, etwas zurückversetzt, aber hervortretend, stehen zwei Türmchen-Erker mit Zeltdächern. Auf der Parkseite angelangt, hinter dem Sternweiher oder Brunnen Altemps stehend, blickt der Besucher auf das Schloss in gleichartig Gliederung, jedoch mit einer Front von 55 Metern. Daraus hervortretend ein hoch aufragender Mittelrisalit mit einem Prunkportal, das Gebäude etwas zurückgesetzt, flankiert von zwei eckigen Türmen.

Manieristisch ((von italienisch maniera‚ „Art und Weise“[2], sind auch die Grundachsen der Anlage. Zufahrts- und Parkachse bilden einen spitzen Winkel. Eigen ist auch die formelle Gestaltung der Natur. Nach Norden befinden sich zwei Quellwasserteiche und ein kleines Amphitheater. Von diesem blickt man auf das Schloss zurück und sieht einen eisernen Balkon, der von drei Atlanten getragen wird, die jedoch Orientalen sind. Eigenartig auch das mächtige Rundbogenportal aus versetzten Blockquadern, mit zwei Halbsäulen, in die links ein Mann mit Vollbart und rechts eine Frau ein geschlossen sind und deren nackte Füße an der Säulenbasis zu sehen sind. Spätestens hier ahnt oder erkennt man, dass der Erbauer und damalige Schlossherr nicht nur für die Baukunst seiner Epoche aufgeschlossen war, sondern für Gaukeleien und Scherze auch etwas übrig hatte.[3]

Baugeschichte

Markus Sittikus, ein Vetter zu seinem Onkel und Vorgänger Fürsterzbischof Wolf Dietrich, ist in Italien aufgewachsen und lernte den damaligen, in Italien aufkommenden Zeitgeist kennen, sich auf dem Land eine Villa für den Sommer zu errichten.

So ließ er Santino Solari neben anderen Bauten auch das Schloss und den Park von Hellbrunn erbauen, um dort des Sommers große Feste zu feiern. Die originale Ausstattung des Schlosses, z. B. die einst nach Räumen farbig wechselnden, goldgepressten Ledertapeten, die ebenso eigenartig gewirkt haben müssen, ist nicht erhalten geblieben.

2007 kehrten drei Kunstfriese wieder in den Carabinierisaal des Schlosses zurück. Vermutlich ließ sie Markus Sittikus als Kopien der vom Raffael-Schüler Giulio Romano (*1499, † 1546) für den Palazzo del Te in Mantua, Lombardei, Italien (einer der größten Paläste Italiens), geschaffenen kleineren Wandfriese anfertigen. Wer die Hellbrunner Nachbildungen schuf, ist unbekannt.

Diese Wandfriese hingen bis 1960 im Schloss, wurden dann für eine geplante Restaurierung in ein Depot des Salzburger Museums Carolino Augusteum gebracht und gerieten in Vergessenheit. Erst als sich 1990 ein Selbstmörder mit seinem Fahrzeug vom Mönchsberg auf das Dach des Spielzeug Museums stürzte, in dem sich eines der Depots befunden hatte, fand man bei den Aufräumungsarbeiten die Bilder. Und man begann endlich mit der Restaurierung. Die Kosten von umgerechnet € 66.000,− teilten sich Stadt und Bundesdenkmalamt.

Besichtigung

Das Schloss ist für Besucher zugänglich und kann ohne Führung mit Audio-Guide besichtigt werden. Das Schloss Hellbrunn ist auch Veranstaltungsort für Feste, Kammerkonzerte, Sommernachtsfeste und Hochzeiten. In der Vorweihnachtszeit findet hier der Hellbrunner Adventzauber statt.

Rund um das Schloss

Unmittelbar an das Schloss anschließend und teilweise im Gebäude selbst befinden sich die Wasserspiele Hellbrunn. Die Wasserspiele, einst zur Unterhaltung von Gästen des Erzbischofs Markus Sittikus von Hohenems erbaut, ist heute eine der bekanntesten und beliebtesten Attraktionen von Schloss Hellbrunn.

Umgeben ist das Schloss von einem 60 Hektar großen, historischen Schlosspark.

Bilder

 Schloss Hellbrunn – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki
 Schloss Hellbrunn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Alte Ansichten

  • Matthias Merian, 1644: Das fürstl. Lusthaus und Garten Hellenbrunn, 1/2 Stund von Saltzburg

Literatur

  • NE: Schaber, Wilfried: Hellbrunn - Schloss, Park und Wasserspiele, März 2004, ISBN: 3-200-00075-9, Schloss Hellbrunn Verwaltung (offizieller Führer)
  • Fischer, Friedrich Johann: Höhle und Gesicht - Mythisches Hellbrunn, Verlag der Salzburger Druckerei, um 1980
  • Medicus, Reinhard: Der Kreuzwegberg in Hellbrunn und der Anifer Alterbach, in: Bastei − Zeitschrift des Stadtvereines Salzburg für die Erhaltung und Pflege von Bauten, Kultur und Gesellschaft, 54 Jg., Salzburg, 2005, 2. Folge, S. 31−35
  • Etzendorfer, Hans (Hrsg. und Verleger): Hellbrunn, Broschüre, 60 Seiten, Reihe: Salzburg - Natur - Kultur - Geschichte, 2. Jahrgang, Folge 1, Verlag Etzendorfer & Co., Salzburg, 1961
  • Hellbrunn, Führer durch Wasserkünste, Schloss und Park, Herausgeber und Verleger Stadtgemeinde Salzburg, 24. Auflage, 1959[4]

Quellen

Weblinks

Fußnoten

  1. Andrea di Pietro della Gondola, genannt Palladio (* 30. November 1508 in Padua; † 19. August 1580 in Vicenza) war der bedeutendste Architekt der Renaissance in Oberitalien.
  2. Manierismus ist eine kunsthistorische Bezeichnung für eine Form der Spätrenaissance in Italien
  3. Beschreibung und kunstgeschichtliche Interpretation von Mag. Thomas Schmiedbauer
  4. http://data.onb.ac.at/rec/AC05778518